Er ist krank und viel zu jung

Illegaler Welpenhandel: Hund ringt mit dem Tod

Chihuahuas sind teuer: Mindestens 1000 Euro müssen Käufer hinblättern, wenn sie bei einem anerkannten Züchter kaufen.

München - Eine Neuperlacherin ist skrupellosen Züchtern aus Tschechien auf den Leim gegangen: Sie kaufte einen Hundewelpen, der krank und viel zu jung war. Stadträtin Evelyne Menges warnt vor „Hunde-Massenproduktion“.

Die Tierrettung München schlägt Alarm: Immer häufiger würden Hundewelpen von illegalen Züchtern aus dem Ausland zu Dumping-Preisen nach Deutschland verschachtert - zum Schaden von Tier und Mensch.

Das jüngste Beispiel ereignete sich am vergangenen Freitag: Eine junge Neuperlacherin rief bei der Tierrettung an, weil sich ihr drei Monate alter Chihuahua-Welpe völlig apathisch verhalte. Als Tierärztin Ina Hipp den Welpen untersuchte, stellte sie fest, dass der kleine Vierbeiner an Glukosemangel leidet. Diese sogenannte Hypoglykämie führt zu zentralnervösen Störungen, Erschöpfungszuständen bis hin zu Herz-Kreislauf-Versagen und Tod.

„In diesem Alter gehört ein Welpe noch zu seiner Mutter“

Zudem stellte die Veterinärin fest, dass der Welpe nicht drei Monate, sondern höchstens vier bis sechs Wochen alt ist: „In diesem Alter gehört ein Welpe noch zu seiner Mutter“, sagt Hipp. Offensichtlich war das Hundebaby seiner Mutter zu früh entrissen worden. Ihm fehlte die Muttermilch, was den Glukosemangel verursachte.

Die Besitzerin gab an, den Welpen für 300 Euro in Tschechien gekauft zu haben. Weil ihr der Verkäufer einen Impfpass für das Tier überlassen habe, habe sie die Rechtmäßigkeit des Geschäfts nicht angezweifelt. In der Annahme, das Hundebaby sei bereits drei Monate alt, habe sie es mit Kondensmilch und Trockenfutter gefüttert - laut Tierrettung die falsche Ernährung für den Welpen.

"Dahinter verbirgt sich eine wahre Hunde-Massenproduktion"

Tierärztin Hipp geht davon aus, dass der Impfpass gefälscht ist: „Die ersten Impfungen bekommt ein Welpe erst im Alter von sechs bis acht Wochen. Im Alter von zwölf Wochen sollte er komplett durchgeimpft sein. Das war er aber nicht.“ Hipp brachte den kleinen Chihuahua umgehend in die Tierklinik. Allerdings ist noch unklar, ob er überleben wird.

Geiz ist hier fehl am Platz, warnt CSU-Stadträtin Evelyne Menges: Billig-Hunde stammten aus qualvoller Massenproduktion.

„Hinter dieser Geschäftemacherei verbirgt sich eine wahre Hunde- Massenproduktion“, erklärt die Vizepräsidentin der Tierrettung München und CSU-Stadträtin Evelyne Menges. „Wer ein solches Tier erwirbt, fördert die Nachfrage und damit die Nachproduktion.“ Dies sei vergleichbar mit Billig-Hühnerfleisch, das aus qualvoller Massentierhaltung stamme. Ein Rassehund sei nicht für 300 Euro erhältlich, sondern koste mindestens 1000 Euro: „Allein der Preis zeigt, dass etwas faul ist: Wer einen Porsche fahren will, wird ja auch nicht aufs China-Imitat zurückgreifen“, sagt Menges. Sie rät potentiellen Käufern, Rassehunde nur bei anerkannten Züchtern der Rassehundeverbände zu kaufen oder im Tierheim nachzufragen. Außerdem fordert sie, dass Hundehalter einen „Hundeführerschein“ machen müssen: „Man fährt auch kein Auto ohne Führerschein.“ Um Hundebesitzer dazu zu motivieren, solle die Hundesteuer erhöht - und jenen eine Ermäßigung auf Null gewährt werden, die den Führerschein vorweisen können.

Bettina Stuhlweissenburg

Auch interessant

Kommentare