Stammstrecke am Wochenende gesperrt - so kommen Sie trotzdem ans Ziel 

Stammstrecke am Wochenende gesperrt - so kommen Sie trotzdem ans Ziel 

Lebensmittel-Appell bei Münchner Tafel

Aigner: "Spenden statt wegschmeißen"

+
Verbraucherministerin Ilse Aigner besuchte gestern die Verteilstelle der Münchner Tafel an der Großmarkthalle.

München - Ohne Not werden jeden Tag Lebensmitel in den Müll geworfen. Aus diesem Grund richtete Verbraucherministerin Ilse Aigner einen Lebensmittel-Appell an die Bürger der Landeshauptstadt.

In München landen immer noch zu viele Lebensmittel im Abfall– wie im Rest der Republik. Dabei gibt es auch in unserer ansonsten so reichen Stadt tausende Bedürftige, die sich bei der Münchner Tafel mit einwandfreien Lebensmitteln versorgen. Am Freitag warb Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner in der Großmarkthalle dafür, mehr Lebensmittel zu spenden.

Insgesamt landen laut Ministerium jedes Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel mit einem Wert von über 20 Milliarden Euro auf dem Müll. 61 Prozent davon werfen die Verbraucher in den Müll, der Rest wird von der Industrie, dem Handel oder der Gastronomie entsorgt. Die Gründe: Entweder entsprechen Obst und Gemüse nicht dem Aussehen, das man im Handel erwartet oder es sind falsche Etiketten drauf.

Aigner: „In vielen Bäckereien wird viel Brot nicht verkauft, weil die Kunden erwarten, dass bis Feierabend noch das ganze Sortiment im Angebot ist.“ Nun wirbt die Ministerin dafür, diese Lebensmittel Bedürftigen zu spenden. Am Freitag besuchte sie die Münchner Tafel, die einmal in der Woche am Großmarkt gespendete Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Mit einem neue Ratgeber will die Ministerin bei Firmen, die bislang Lebensmittel wegwerfen, dazu motivieren, diese an die Tafeln zu spenden.

Die Münchner Tafel etwa könnte viel mehr Spenden brauchen. Die Lebensmittel reichen hier nicht aus, um alle Bedürftigen zu versorgen. Der Verein muss laufend Lebensmittel hinzu kaufen. Vorsitzende Hannelore Kiethe berichtet: „Wir haben zwar viele großzügige Spender. Wir würden aber gerne mehr Fleisch und Käse verteilen.“ Es gebe noch Vorbehalte im Handel und im Handwerk, diese verderblichen Waren an die Tafeln zu spenden.

Kiethe: „Die Betriebe fürchten, dass die Ware verderben könnte, wenn die Kühlkette nicht eingehalten wird.“ Dem hält sie allerdings entgegen: „Wir sind ein geprüfter Lebensmittelbetrieb und haben Kühlfahrzeuge, mit denen wir die Ware abholen und verteilen können.“

Drei Bedürftige berichten: Warum wir Woche für Woche auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind

Zwei Scheidungen

Ich lebe von Hartz IV und bin froh, dass ich hier frisches Essen bekomme. Mein zweiter Mann wollte nicht, dass ich arbeiten gehe. So habe ich den beruflichen Anschluss verloren – ich war früher Bürogehilfin. Aber jetzt bin ich geschieden. Dafür, dass ich Unterhalt bekomme, waren wir nicht lange genug verheiratet. In der ersten Ehe habe ich meine Kinder groß gezogen und nicht gearbeitet.

Maria-Luise R. (55)

Arbeitslos und Stauballergie

Ich komme hier her, weil ich kein Arbeitslosengeld bekomme. Ich bin Installateur-Meister und hatte mehrfach versucht, mich selbstständig zu machen. Das hat leider nicht geklappt. Eine Festanstellung bekomme ich aber nicht mehr, weil ich eine Ziegelstauballergie habe. Ich könnte als Hausmeister arbeiten, doch bislang bekomme ich auch diesen Job nicht.

Paul S. (50) aus Giesing

Bin gerade entlassen worden

Ich bekomme derzeit Hartz IV, weil ich arbeitssuchend bin. Ich habe in einem Ein-Euro-Laden in Neuperlach gearbeitet, der dann zugemacht wurde. Mir wurde zwar eine Teilzeitstelle für 7 Euro die Stunde in Zorneding angeboten, da hätte die Fahrkarte aber 87,20 Euro gekostet. Da wäre zum Leben zu wenig geblieben. Ich bin froh, dass ich hier kostenlos einwandfreie Lebensmittel bekomme.

Traudl B. (56) aus Neuperlach

Stichwort Münchner Tafel

Die Münchner Tafel ist ein gemeinnütziger Verein, der Lebensmittel einsammelt und an Bedürftige verteilt. Sie stammen vom Handel oder von den Herstellern selbst. Derzeit sind 18 000 Münchner empfangsberechtigt, die meisten leben von Hartz IV. Sie stehen jede Woche an einer der 24 Ausgabestationen der Münchner Tafel an, um sich mit frischen, kostenlosen Lebensmitteln einzudecken. Außerdem beliefert die Hilfsorganisation über 85 soziale Einrichtungen in München. Alles in allem verteilen die 400 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel wöchentlich über 100 Tonnen einwandfreie Lebensmittel, die ansonsten vernichtet werden müssten. Sie nutzen dazu den Tafel-Fuhrpark mit 16 Lieferfahrzeugen und manchmal auch ihre eigenen Wagen.

Johannes Welte

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare