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Im Pentagon: Schneider bettelt für Olympia 2018 um diesen Golfplatz

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Der Golfplatz Burgrain © Fellner

München - Was hat Anfang September 2010 mit 2018 zu tun? Was das Pentagon in Washington mit München und Garmisch-Partenkirchen? Und was der Golfsport mit Skifahren?

Wenn Sie jetzt denken, nichts, dann liegen Sie falsch, und zwar gründlich.

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Siegfried Schneider © dpa

Denn: Staatskanzleichef Siegfried Schneider wird am Mittwoch oder Donnerstag Gespräche über die Olympiabewerbung von München und Garmisch für 2018 führen, und zwar in den Räumen des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Zentrales Thema wird der Golfplatz Burgrain sein, dessen Flächen die Olympia-Macher brauchen, um dort das kleine olympische Dorf („Snow Village“) und das Medienzentrum für die Spiele zu errichten. Zwar wird die Anlage vom Land- und Golfclub Werdenfels betrieben, doch unterliegt das Areal laut dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt aus der Vergangenheit heraus dem Nato-Truppenstatut. Deshalb müssen die Amerikaner einer Nutzung zustimmen. Deshalb also die Reise Schneiders in die Staaten, deshalb das Betteln um ein Grundstück!

Es stehen also ganz weichenstellende Tage für die Olympiabewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen bevor. Schneider rechnet eigenem Bekunden zufolge mit einer Entscheidung der Amerikaner binnen 14 Tagen. Sollten die Vertreter im Pentagon zustimmen, erwartet der Minister auch keine weiteren kommunalen Hindernisse. Schneider: „Ich gehe davon aus, dass dann auch die Mehrheit im Marktgemeinderat zustimmen würde.“

Eine Olympia-Bewerbung ohne ausreichend große Flächen dafür – in diese prekäre Lage geriet das Unternehmen 2018 bekanntlich durch die Weigerung vieler Garmisch-Partenkirchner Landwirte, ihre Wiesen für die Spiele zur Verfügung zu stellen. Selbst eine gesetzlich verankerte Garantie der Staatsregierung, alle temporär genutzten Grundstücke wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen, konnte die Bauern nicht erweichen. Zu tief sitzt deren Misstrauen – auch und vor allem gegenüber der eigenen Rathausspitze. Die Bauern wollen mit Bürgermeister Thomas Schmid nichts mehr zu tun haben, das haben sie in der jüngeren Vergangenheit mehrfach klar gemacht. Bei den Gesprächen, die Siegfried Schneider am Freitagabend mit Vertretern der Garmisch-Partenkirchner Interessengemeinschaft aus neun Vereinen und Verbänden geführt hat, war Schmid denn auch nicht dabei.

Selbst wenn die Militärstrategen in den USA den Bayern aus der peinlichen (Grundstücks-)Patsche helfen, ist die bayerische Olympia-Bewerbung noch nicht in trockenen Tüchern. Denn: Sowohl die CSU als auch die SPD haben im Marktgemeinderat ein Ratsbegehren gefordert, das das gesamte Gremium mittragen solle. Wenn es dazu nicht kommt, will der Bund Naturschutz ein Bürgerbegehren in die Wege leiten. Nicht ausgeschlossen also, dass München und Garmisch-Partenkirchen am 6. Juli nächsten Jahres gar nicht mehr im Rennen sind, wenn über die Vergabe der Winterspiele sieben Jahre später entschieden wird. Dann besteht für uns zwischen Anfang September 2010 und 2018 tatsächlich kein Zusammenhang.

Michael Dürr

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