Der Münchner Sender „earthTV“ liefert Live-Bilder in mehr als 200 Länder

Im Wohnzimmer auf Weltreise!

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earthTV-Chef Thomas M. Hohenacker in der Sendezentrale, wo die Bilder aus aller Welt zusammenlaufen und für 50 TV-Stationen aufbereitet werden.

München - Ein kleines Ratespiel vorneweg: Welches Fernsehprogramm erreicht weltweit die meisten Menschen? Vielleicht der amerikanische Newskanal CNN?

Ihn können knapp 500 Millionen Erdenbürger empfangen. Nein, der reichweitenstärkste Sender der Welt schickt seine Bilder aus München-Schwabing in die weite Welt: earthTV heißt dieses Programm und erreicht auf dem ganzen Globus rund zwei Milliarden Menschen!

In Deutschland übernimmt vor allem N24 die von earthTV produzierten Live-Bilder. Vor jeder vollen Stunde zeigt der Nachrichtenkanal, wie es jetzt über den Dächern von Paris aussieht, wer gerade durch den Bosporus schippert oder was sich auf dem Münchner Olympiagelände tut. Mehr als 70 Kameras hat earthTV in der ganzen Welt installiert – von der Rialto-brücke bis an die Niagarafälle. Abnehmer der Bilder sind mittlerweile mehr als 50 TV-Stationen, die in über 200 Ländern senden – vom Weather Channel Australia bis zum norwegischen Staatsfernsehen NRK.

„Am Anfang stand eine einfache Vision“, erzählt der Gründer und Chef von earthTV, Thomas M. Hohenacker, „die Vision, die Welt live zu zeigen.“ Der gebürtige Tölzer hat in Paris Literatur studiert, seine erste Firma in den USA (Import von europäischen Filmen) aufgebaut; der 51-Jährige fühlt sich als Weltenbürger und liefert nun das TV-Programm zur Globalisierung. Die Welt wächst zusammen, Fremdes wird vertraut. Gerade durch so alltägliche Szenen wie die Rushhour von Seoul oder das bunte Treiben am Strand von Honolulu.

1998 kam Hohenacker die Idee zu earthTV. Bis die ersten Bilder auf Sendung gingen – damals noch bei n-tv – dauerte es vier Jahre Entwicklungszeit und verschlang Investitionen von 20 Millionen Euro. Denn earthTV hat nichts mit verschwommenen Web-Cams zu tun. Hohenacker ließ eine Kamera entwickeln, die sich mit unglaublicher Präzision fernsteuern lässt, die so gut wie wartungsfrei ist und von saudischen Sandstürmen bis zum Hamburger Nieselregen jede Wetterlaune mitmacht. Die neuen Kameras liefern bereits Bilder in hochauflösender HDTV-Qualität, die älteren werden gerade nachgerüstet.

Auch die gesamte Übertragungstechnik entwickelte earthTV selbst. Die Bilder aus aller Welt laufen in der rund um die Uhr besetzten Sendezentrale im Lodenfrey-Park zusammen. Dort werden sie in 13 Sprachen und nach individuellen Sender-Wünschen zu meist 90-sekündigen Einspielfilmen aufbereitet: zum Beispiel mit Wetterdaten oder für arabische Sender mit den Gebetszeiten am jeweiligen Ort.

Die Redaktion fertigt Zeitrafferfilme, die in wenigen Minuten die Aufnahmen eines ganzen Monats wiedergeben. Sie richtet die Kameras gezielt auf Großereignisse wie Straßenparaden oder Open-Air-Konzerte. Die Sender können auch ein Zuschauerquiz bestellen, bei dem die Kamerastandorte zunächst nicht eingeblendet werden. Außerdem liefert earthTV, das rund 60 Mitarbeiter zählt, seine Bilder an Reisebüros, die ihren Kunden ein aktuelles Bild ihres Urlaubsortes vor Augen führen möchten.

Warum aber in die Ferne schweifen, wenn man vom Wohnzimmer-Sofa aus auf Weltreise gehen kann? „Wir bekommen viele Anfragen, wo man earthTV rund um die Uhr sehen kann“, berichtet Hohenacker. Ab August soll das über ein Internet-Portal kostenlos möglich sein. Schon heute kann man auf www.earthtv.com eine Auswahl der Bilder bestaunen. Wie die Aufnahmen von den Storchennestern im brandenburgischen Rühstädt. Einer Tier-Dokusoap gleich lässt sich verfolgen, wie die kleinen Adebare flügge werden. „Vor zwei Jahren hatten wir ein schwules Storchenpaar“, erinnert sich Hohenacker schmunzelnd. „Da ist das Nachwuchs-Programm leider ausgefallen…“

IW.

Quelle: tz

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