tz-Interview

Imam Idriz: "Das sind Wahnsinnige"

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Imam Benjamin Idriz (42) verurteilt die Terroristen von Paris.

München - Er ist der bekannteste muslimische Geistliche in Bayern: Benjamin Idriz (42). Der Penzberger Imam und plant als Vorsitzender des Münchner Forums ein Islam-Zentrum. Jetzt spricht er im tz-Interview über das Blutbad von Paris.

Er ist der bekannteste muslimische Geistliche in Bayern: Benjamin Idriz (42). Der Penzberger Imam und plant als Vorsitzender des Münchner Forums ein Islam-Zentrum. Im September vereinte er 15 Imame, die den IS-Terror geißelten. Jetzt spricht er im tz-Interview über das Blutbad von Paris.

Imam Idriz, die Terroristen schrieen „Allahu Akbar“: War das ein Attentat im Namen des Islam?

Benjamin Idriz: Nicht in meinem Namen und nicht im Namen meiner Religion: Wir distanzieren uns als muslimische Gemeinschaft deutlich von solchen Terroristen. Die haben viel mehr unserer Religion Schaden zugefügt und sie beleidigt. Ein Prophet hat es doch niemals nötig, für irgendetwas gerächt werden zu müssen. Das sind Wahnsinnige und Kriminelle!

Die Geschehnisse in Frankreich im Live-Ticker

Damit könnten sie für Islamisten ein Ungläubiger sein!

Idriz: Ich habe noch keine Drohungen bekommen. Aber Muslime müssen auch Angst vor solchen wahnsinnigen Menschen haben. Eines der Opfer, ein Polizist, war Muslim. In Irak und Syrien sind die meisten Opfer Muslime. Terror kennt keine Religion.

Wie geht es den Muslimen in München und Bayern?

Idriz: Wir fürchten einen Generalverdacht. Rechtspopulisten und islamfeindliche Menschen könnten die Vorfälle nutzen, um Hass gegen Muslime zu verbreiten. Wir müssen unsere Gebäude jetzt besser schützen.

Was sagen Sie Menschen, die jetzt Angst vor Muslimen oder dem Islam haben?

Idriz: Es ist unsere Aufgabe, unsere Nachbarschaft zu pflegen. Wir müssen uns mehr öffnen, das fordert uns heraus. Imame und Gemeindevorstände müssen Konzepte formulieren, wie wir in den muslimischen Gemeinden extremistische Tendenzen verhindern können.

Was wollen Sie den Gläubigen in der Freitagspredigt sagen?

Idriz: So eine Reaktion auf eine Beleidung widerspricht dem Koran. Der Koran spricht über die Beleidigung des Propheten Mohammed und verlangt von ihm, standhaft und geduldig zu bleiben und nicht mit Gewalt zu reagieren.

Sie ärgern sich also über die Karikaturen?

Idriz: Kein Muslim kann es begrüßen, wenn Religionen – der Islam oder andere – verspottet werden. Aber mit Gewalt zu reagieren, ist auch unislamisch.

Fürchten Sie, dass die Stimmung für Ihr Islam-Zentrum in München kippt – Stichwort: Pegida-Demo am Montag?

Idriz: Im Gegenteil: Wir werden bei der Gegendemonstration für ein friedliches Zusammenleben werben. Wir lehnen jede Polarisierung der Gesellschaft ab.

David Costanzo

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