Imam wieder frei - jetzt Ehefrau verhaftet

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Der Imam der Münchner Darul Quran Moschee.

München -  Der Münchner Imam Hesham S. befindet sich seit Freitag wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hat den Haftbefehl gegen den 40-jährigen Prediger aufgehoben, weil kein dringender Tatverdacht mehr besteht.

Der Imam hatte seit Ende November in Untersuchungshaft gesessen, weil eine seiner drei Frauen behauptet hatte, ihr Mann habe sie brutal zusammengeschlagen und beinahe bewusstlos gewürgt.

Jetzt die Wende: Am Freitag erklärte die Frau in einer Vernehmung, sie habe die Vorwürfe im Sorgerechtsstreit um die gemeinsamen Kinder nur erfunden.

Jetzt sitzt die 31-Jährige selbst im Gefängnis. Sie erwartet ein Verfahren wegen Freiheitsberaubung und falscher Verdächtigung. Das Strafmaß: ein bis zehn Jahre Haft. Direkt nach dem Vernehmung hatte die Staatsanwaltschaft die Frau festgenommen, Haftbefehl wegen Fluchtgefahr.

Die Frau habe die syrische und die norwegische Staatsangehörigkeit und sei gerade erst in Norwegen gewesen, erklärt Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Die Kinder (1 und 3 ) befinden sich inzwischen in Syrien. „Sie hätte auch im Ausland bleiben können, doch sie wollte sich dem stellen, wollte aufräumen, das war eine Gewissensfrage“, sagt ihre Verteidiger Annette von Stetten.

Die Frau hatte Ende November einen Anwalt wegen des Sorgerechts für ihre Kinder angerufen, das bis dato allein der Imam hatte. Sie wollte ihn verlassen und die Kinder mitnehmen. Deshalb berichtete sie dem Anwalt von dem angeblichen Angriff ihres Mannes. Der Jurist rief die Polizei, die zur Wohnung des Imams fuhr. Dort lebte er mit seinen drei Frauen und zwölf Kindern.

Nachdem die 31-Jährige von mehreren Knochenbrüchen berichtete, nahmen diese Hesham S. wegen gefährlicher Körperverletzung fest. Er kam in U-Haft, weil man befürchtete, er könne Zeugen oder das Opfer beeinflussen oder unter Druck setzen. Die Knochenbrüche der Frau, stellte sich jetzt heraus, stammten aus Stürzen. Die Frau sei krank, heißt es, habe extreme Kreislaufprobleme und breche immer wieder zusammen. Dabei erleide sie häufiger Knochenbrüche. Die Verteidiger des Imams, Thomas Pfister und Karl-Heinz Haarmann, holten ihren Mandanten am Freitag persönlich in der JVA Stadelheim ab. „Wir werden jetzt erst einmal die Freiheit begrüßen“, sagt Pfister.

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Die Verteidiger hatten von Anfang an an die Unschuld geglaubt. Denn der Imam aus der Ruppertstraße, wo sich die Darul Quran Moschee befindet, hatte sich stets gegen Gewalt ausgesprochen. Nicht nur, dass er sich gegen islamische Terrororganisationen und den Dschihad gestellt und geweigert habe, die Taliban, Al-Qaida und die Hamas als Widerstandsbewegung anzuerkennen. Pfister sagt, Hesham S. habe sich auch stets gegen häusliche Gewalt ausgesprochen und immer wieder betont, dass derlei Taten nicht nur gegen deutsche Gesetze, sondern auch gegen die eigene Religion verstoßen. (bl)

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