Home Sharing statt Hotelzimmer

Immer mehr Airbnb-Vermietungen in München - das sind die Gründe

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Buchungen über Portale wie Airbnb sind kinderleicht - doch die Stadt München beobachtet den zunehmenden Trend mit Argusaugen.

Immer mehr Touristen wohnen bei Privatleuten. Der Markt wächst rapide, Agenturen wie Airbnb bieten in München bereits 9000 Unterkünfte an. Der Großteil der Wohnungsbesitzer vermietet legal. Schwarzen Schafen drohen aber hohe Geldstrafen. Die Stadt verstärkt ihre Recherche.

Städtetourismus boomt weltweit. Auch München ist ein attraktives Reiseziel. Doch Touristen buchen nicht mehr zwangsläufig ein Hotel. Privat unterzukommen, ist vor allem bei jungen Leuten der Trend – Home Sharing statt Hotelzimmer. Auch, weil es günstiger ist. Verlässliche Zahlen über den Durchschnittspreis für ein Zimmer gibt es noch nicht. Klar ist nur, dass man erheblich billiger logiert als im Hotel. Laut München Tourismus kostet eine Hotelübernachtung in der Landeshauptstadt durchschnittlich 134 Euro.

Gebucht wird über Online-Plattformen im Internet wie Airbnb. Deren Geschäft floriert. Etwa 9000 Unterkünfte werden nach Angaben von Unternehmenssprecherin Isabelle von Witzleben derzeit in München angeboten. Im Jahr 2016 stieg die Zahl der Angebote um 35 Prozent. In Hamburg sind es zum Vergleich rund 7000 Unterkünfte, in Berlin 22 000, in Paris mehr als 60 000. Wie rapide dieser Markt wächst, zeigt ein Blick in die Welt: Seit 2008 sind 160 Millionen Menschen über Airbnb verreist, davon allein 80 Millionen 2016. Im Vorjahr gab es in München 200 000 Gästeankünfte, die eine Unterkunft über Airbnb gebucht haben. Die Münchner selbst sind auch sehr reiselustig. 300 000 Buchungen von Münchnern gab es in anderen Städten über Airbnb.

Die meisten vermieten einzelne Zimmer

Das Vermietungsprinzip ist simpel: Über die Internet-Plattform des Anbieters können Reisende, die im Urlaub oder auf Geschäftsreise München besuchen, eine Unterkunft bei Privatleuten buchen. Die „Home Sharer“ stellen gelegentlich ihre selbst bewohnte Wohnung zur Verfügung, wenn sie auf Dienstreise oder im Urlaub sind. 97 Prozent des Übernachtungspreises, den der Gastgeber selbst festlegt, verbleiben beim Vermieter, drei Prozent Provision bei Airbnb.

Die meisten Personen vermieten einzelne Zimmer. Aus unterschiedlichen Motiven: Alleinstehende Senioren freuen sich über Gesellschaft. Helga Link aus Neuperlach zum Beispiel. Die 70-Jährige hat lange für Feinkost Käfer gearbeitet, war viel im Ausland unterwegs und beherbergt nun vornehmlich junge Gäste aus der ganzen Welt. 42 Euro pro Nacht verlangt Helga Link. Andere Mieter haben das Geld nötig, um über die Runden zu kommen. Auch hier hat das Unternehmen Zahlen: Ein typischer Münchner Gastgeber vermietete 2016 sein Zuhause an 24 Tagen über Airbnb und verdiente damit 2000 Euro dazu. Über 70 Prozent der Unterkünfte sind 2016 weniger als 60 Tage pro Jahr vermietet worden, nur acht Prozent an mehr als 180 Tagen.

Zweckentfremdung? Stadt befürchtet schwarze Schafe

Womit man beim Thema Zweckentfremdung wäre. Die Stadt betrachtet die Privatvermietung an Touristen mit Argusaugen. Von 4000 Wohnungen in der Stadt, die dauerhaft und damit unerlaubterweise an Touristen untervermietet werden, geht das Sozialreferat aus. Wie viele schwarze Schafe sich unter die Angebote auf der Plattform Airbnb gemogelt haben, ist schwer zu sagen. Die Agentur versichert, Gastgeber und Gäste auf ihre gesetzlichen Verpflichtungen hinzuweisen. Mit der Stadt München sei man im Austausch.

Das klappt nicht überall. Barcelona etwa stemmt sich gegen den Besucheransturm und hat den Bau neuer Hotels sowie die Privatvermietung eingeschränkt. Die spanische Metropole verlangt von Airbnb eine städtische Lizenz, wenn Verträge mit Wohnungseigentümern abgeschlossen werden.

Das droht Eigentümern im Höchstfall

München verfügt über keinen vergleichbaren Handlungsrahmen, kann aber bei Zweckentfremdung bis zu 50 000 Euro Bußgeld verhängen. Erst kürzlich traf die Höchststrafe eine Wohnungseigentümerin, die ihr Apartment in Bogenhausen an wechselnde Medizintouristen vermietet hatte. Ab 1. Juli soll der Strafrahmen in München sogar auf bis zu 500 000 Euro erhöht werden. Der Freistaat plant eine Gesetzesnovelle.

Erlaubt ist eine Vermietung von weniger als 50 Prozent der Wohnfläche – oder eine Vermietung an maximal sechs Wochen pro Jahr. 2016 wurden in München 39 Zweckentfremdungen geahndet. Gesamtbußgeld: knapp 400 000 Euro – drei Mal mehr als 2015. Die Tendenz ist vermutlich weiter steigend.

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