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Erwerbstätigenprognose 2030

Immer mehr Jobs in München: Platzt die Stadt bald aus allen Nähten?

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Stadt und der Region München wird weiter drastisch ansteigen. Eine aktuelle Prognose geht von mehr als zwei Millionen Beschäftigten im Jahr 2030 aus. 

München - Die Region München ist bereits die mit Abstand wirtschaftsstärkste in Deutschland – und zählt auch im internationalen Vergleich zu den Spitzenstandorten. Diese Erkenntnis des Forschungsinstituts Empirica ist nicht neu. Eigentlich, so die Gutachter, sei es vor diesem Hintergrund verständlich, dass wiederholt Zweifel geäußert würden, ob ein solch überdurchschnittliches Wachstum dauerhaft überhaupt möglich sei. Immerhin widerspreche dies der menschlichen Urerfahrung, „dass Bäume nicht in den Himmel wachsen“.

Doch für Skepsis besteht nach Ansicht der Analysten nicht der geringste Anlass. Das neueste Gutachten im Auftrag der Stadt geht vielmehr von einem anhaltenden Boom aus. Der Stadt sei es in den vergangenen Jahren sogar gelungen, ihre Wirtschaftsstruktur weiter zu modernisieren, resümiert Empirica. Für München bedeutet dies konkret, dass bis zum Jahr 2030 für alle Stadtbezirke eine Zunahme der Zahl der Erwerbstätigen erwartet wird. Dabei werden einige Teilräume stärker wachsen als andere. Der Bezirk Aubing-Lochhausen-Langwied, wo sich das große Neubaugebiet Freiham befindet, weist mit einem Plus von 79 Prozent die deutlichste Zunahme an Jobs auf, Allach-Untermenzing mit zwei Prozent die niedrigste. Die größten Veränderungen in absoluten Zahlen werden für Schwabing-Freimann mit einem Plus von 17 000 Beschäftigten, für Altstadt-Lehel (13 000) und Neuhausen-Nymphenburg (12 000) prognostiziert. Die meisten Beschäftigten gibt es laut Studie in der Maxvorstadt, knapp gefolgt vom Bezirk Altstadt-Lehel – also dem Zentrum Münchens, wo sich konzentrierter Einzelhandel befindet. In absoluten Zahlen erwartet Empirica im Jahre 2030 in der Maxvorstadt 114 600 Erwerbstätige, in Altstadt-Lehel 111 200.

Der Trend ist klar: Schlecht Qualifizierte haben es immer schwerer

Immer mehr Menschen zieht es nach München: 2030 sollen rund 1,8 Millionen Menschen in der Stadt leben. 

Dass die Region München als Paradebeispiel für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort gilt, sieht man auch am ungebremsten Zuzug. Die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt wächst rapide – von derzeit 1,55 Millionen auf vermutlich 1,8 Millionen Menschen im Jahr 2030. Die Zahl der Erwerbstätigen in München und den umliegenden Landkreisen ist zwischen 2000 und 2013 von 1,52 Millionen auf 1,74 Millionen angewachsen. Bis zum Jahr 2030 dürfte die Schallmauer von zwei Millionen durchbrochen werden. 59 Prozent arbeiten direkt in der Stadt München, 41 Prozent im Umland.

Was die Struktur der Erwerbstätigen betrifft, ist ein Trend klar erkennbar: Schlecht Qualifizierte haben es immer schwerer, auf dem Arbreitsmarkt zu bestehen. Die Nachfrage nach Akademikern und Facharbeitern steigt dagegen. In dem Trendszenario wird ein Anstieg der Akademikerquote in der Region von derzeit 32 auf 40 Prozent vorhergesagt. In München selbst liegt die Akademikerquote schon jetzt bei 39 Prozent. Bis 2030 dürfte sie noch einmal auf 48 Prozent ansteigen.

Wohn- und Büroflächen benötigt: Bietet München überhaupt genug Platz?

Prinzipiell entwickelt sich München und die Region nach Einschätzung der Gutachter wirtschaftlich zunehmend wissens-, technologie- und dienstleistungsbasiert. Zielgerichtetes kommunales wie regionales Flächenmanagement, sowohl im Gewerbe- als auch im Wohnbau, werde vor diesem Hintergrund eine immer größere Rolle spielen, heißt es. Aber auch die Nachfrage nach althergebrachten Berufen wie dem Friseur- oder Bäckerhandwerk steige aufgrund des Bevölkerungswachstums. Rapide zunehmen wird laut Gutachten auch die Zahl der Bürobeschäftigten – von derzeit rund 800 000 auf wohl mehr als 900 000. Logische Konsequenz: Es wird immer mehr Bürofläche benötigt. Gerade vor dem Hintergrund, dass München ja auch immer mehr Wohnbauland braucht, dürfte dies die Landeshauptstadt an die Grenzen ihrer Platzkapazität bringen.

Bei all diesen Prognosen deutet sich ein weiteres Problem an: Laut Gutachtern werden zwar viele Akademiker in der Region leben, bei Facharbeitern dürfte es jedoch zu drastischen Engpässen kommen. Je nach Szenario prophezeien die Gutachter zwischen 29 000 und 163 000 Akademiker „zu viel“, während gleichzeitig bis zu 177 000 Facharbeiter fehlen könnten. Betroffen seien Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, des Baugewerbes, des Handels und Gastgewerbes sowie auch die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen. „Diese Branchen werden die Knappheiten besonders zu spüren bekommen und nach Lösungen suchen müssen“, analysiert Empirica. Die Schlussfolgerung der Gutachter: „Die gewohnte Entwicklung, dass in der Region München Branchen schneller expandieren als im Durchschnitt Deutschlands, wird möglicherweise in Zukunft erstmals durch fehlende Arbeitskräfte abgebremst.“

Rubriklistenbild: © Kruse

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