Immer mehr Jugendliche müssen vor Gericht

München - Die Jugendgerichtshilfe kommt nicht hinterher. Immer früher, umfassender und häufiger landen Heranwachsende vor Gericht. Besonders auffällig ist der Trend bei schweren Verbrechen.

Die Pädagogen von Stadtjugendamt und Arbeiterwohlfahrt müssen nach neuen Gesetzen kindliche und jugendliche Delinquenten immer früher, umfassender und häufiger betreuen, berichtete Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) dem Stadtrat. Darum gewährte das Rathaus jetzt einstimmig sieben neue Stellen für die Jugendgerichtshilfe.

Eine Ursache: Immer mehr Jugendliche und Heranwachsende bis 21 Jahre landen vor Gericht. Nach den Zahlen des Sozialreferats verzeichnete das Amtsgericht 2008 noch 3794 Verfahren bei den Jugendrichtern, 2009 waren es schon 3896 und im Jahr 2010 sogar 4329 Prozesse. Die besonders schweren Fälle wie etwa Mord und Totschlag oder schwerer Raub, die nicht ein einzelner Richter, sondern die Jugendkammer des Landgerichts verhandelt, hat sich sogar fast vervierfacht. 2009 landeten 27 solcher Fälle vor den Richtern – teilweise mit mehreren Angeklagten.

Die meisten Täter mit leichteren Delikten und alle jugendlichen Schwerverbrecher werden ein Fall für die Jugendgerichtshilfe: Die Pädagogen betreuen Täter und deren Familien, begleiten die Angeklagten vor Gericht und beurteilen sie – etwa in der Frage, ob das Jugendstrafrecht angewandt werden soll. Der Richter fragt sogar, wie die Jugendgerichtshelfer urteilen würden. Die bislang zwölf Pädagogen bei der Stadt und dreieinhalb Stellen bei der Arbeiterwohlfahrt betreuen rechnerisch 212 Fälle im Jahr.

Dabei steigt die Kinder- und Jugendkriminalität in München laut Polizei gar nicht an: Den Statistiken zufolge bleibt die Zahl der Tatverdächtigen gleich und sinkt im langjährigen Vergleich sogar deutlich. Im vergangenen Jahr wurden 1384 Kinder und 4800 Jugendliche bei der Polizei auffällig. Nicht alle landen vor Gericht.

Die Jugendgerichtshelfer haben auch deswegen immer mehr Arbeit, weil sie nach neuen Vorschriften bei Gewaltdelikten und Intensivtätern früher einschreiten und sich stärker mit Sozialarbeitern absprechen müssen. Diesen Standard wollen die Helfer halten.

dac.

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