Immer mehr Rentner brauchen Sozialhilfe

München - Mieten, Preise, selbst die Nahrung: Das Leben in München wird immer teurer – da bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke. Vor allem Rentner sind betroffen.

Die Zahl der Sozialhilfe-Empfänger in der Stadt wächst und das vor allem unter den Senioren, warnt Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) im jüngsten Sozialbericht, den sie heute im Rathaus vorstellen will. Sie fürchtet in den nächsten Jahren sogar doppelt so viele arme Rentner in der Stadt!

Die Daten der Angst: Anfang des Jahres bekamen 18 282 Münchner Sozialhilfe – 709 mehr als im Vorjahr. Darunter stellen Senioren nicht nur jetzt schon die große Mehrheit, auch ihr Anteil wächst stetig, weil immer mehr ihre Rente mit der Stütze aufbessern müssen.

So erhielten 11 307 Senioren im vergangenen Jahr Grundsicherung im Alter, 612 mehr als 2009. Diese Art der Stütze bekommt damit jeder 20. Münchner ab 65 Jahren – nicht eingerechnet sind jene, die sich trotz ihrer Armut nicht aufs Amt wagen.

Doch die Bilanz fällt noch bitterer aus: Viele Senioren finden sich nämlich auch unter den Empfängern der anderen Arten der Stütze. 2830 Münchner bekamen Hilfe zur Pflege oder Haushaltshilfen und 2092 Hilfen zur Gesundheit. Gestiegen ist auch die Zahl der Haushalte, die zwar keinen Anspruch auf Stütze haben, aber noch auf Wohngeld – bei 7870 Familien federn im Schnitt 111 Euro die Monatsmiete ab, auch darunter finden sich viele Senioren.

Wieder einmal zeigt sich, dass Armut im Alter ein Schicksal der Frauen ist: Sie beziehen deutlich häufiger als Männer Sozialhilfe – 58% Frauenquote errechnete das Statistische Amt der Stadt in einer Studie vom Frühjahr. Auch Ausländer sind häufiger betroffen: Jeder dritte Empfänger in München hat keinen deutschen Pass.

Die Grundsicherung hat die damalige rot-grüne Bundesregierung eingeführt, um versteckte Armut im Alter zu bekämpfen. Viele Senioren waren nicht zum Amt gegangen, weil sie fürchteten, dass die Behörde sich das Geld bei den Kindern holt. Nach der neuen Regelung werden die Angehörigen nur belangt, wenn sie mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen. Die Sozialhilfe beträgt für Erwachsene maximal monatlich 384 Euro, Partner bekommen 346 Euro, Kinder ab 230 Euro aufwärts, dazu kommen Wohnung, Heizung und Erstausstattung. Die Stadt hat die Sätze auf eigene Rechnung um 25 Euro aufgestockt. Anspruch hat, wer diesen Lebensunterhalt nicht aus seiner Rente bestreiten kann. Im Schnitt zahlte die Stadt jedem Sozialhilfeempfänger im vergangenen Jahr 539 Euro.

Für die Zukunft sehen die Experten schwarz und erwarten pro Jahr einen Anstieg von sechs Prozent: Obwohl die Wirtschaft wieder brummt und die Arbeitslosigkeit fällt, stieg in München die Zahl der Hartz IV-Empfänger samt Angehöriger leicht auf 75 530. Darunter finden sich nicht nur 20 871 Kinder, sondern laut Sozialbericht auch rund 15 000 schwer vermittelbare Menschen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren. Sie dürften in der Rente direkt in die Altersarmut rutschen.

David Costanzo

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