Fahrsicherheitstraining von der TU München

Risiko E-Roller: So sind Sie sicher unterwegs

Tierärztin Stephanie Süß beim Fahrtraining
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Tierärztin Stephanie Süß beim Fahrtraining

E-Scooter sind aus der Münchner Innenstadt nicht mehr wegzudenken. Doch das Fahren mit den Elektrorollern will gelernt sein. Denn seitdem immer mehr dieser Flitzer herumsausen, kommt es auch zu mehr Unfällen. Die TUM bietet nun ein Fahrsicherheitstraining an.

Der Unfallchirurg Dr. Michael Zyskowski schlägt Alarm: „Bei uns in der Klinik gibt es fast keinen Tag ohne einen verletzten E-Scooter-Fahrer“, sagt der 40-jährige Oberarzt am Universitätsklinikum rechts der Isar. Allein in München passierten von Januar bis Ende August 172 Verkehrsunfälle, an denen ein E-Roller beteiligt war. „Am Ende des Jahres 2020 waren es nur 98“, sagt ein Polizeisprecher.

Auch die Anbieter der Scooter sind besorgt. Caspar Spinnen (30), Sprecher de Firma Voi: „Stellen Sie sich vor, keiner kann Fahrradfahren, und auf einmal stehen überall Räder in der Stadt“, sagt er. „Genau diese Situation gab es mit den E-Scootern. Viele wissen nicht, dass es Verkehrsregeln gibt, die man beachten muss – genau wie beim Fahrradfahren.“ Bei Verstößen muss man mit hohen Geldstrafen oder sogar mit dem Entzug des Führerscheins rechnen.

Nun soll ein Fahrsicherheitstraining helfen. Organisiert wird es im Rahmen einer Studie der Unfallchirurgie am Klinikum der TUM. „Wir wollen mit den Rollern vertraut machen. Es ist wichtig, sich Gefahren und Regeln bewusst zu machen. So wollen wir Unfälle verhindern“, sagt Zyskowski. Vor der Praxis gibt’s die Theorie. Hier wird erklärt: Welche Regeln gelten? Wie alt muss ich sein? Wo darf ich fahren, was muss ich beachten? Dann kann die Fahrt beginnen – natürlich mit Helm. Mit Hütchen ist eine kleine Teststrecke markiert, auf der die Teilnehmer die Roller ausprobieren. Vor allem die enge Kurve am Ende hat es in sich. Doch nach den ersten Runden fällt es den E-Rollerfahrern schon sichtlich leichter. Ihr Fazit: „Gut, dass wir dabei waren.“

Interview mit dem Oberarzt der Unfallchirurgie Dr. Michael Zyskowski

Oberarzt Dr. Michael Zyskowski
Was sind die Hauptursachen von Unfällen mit E-Scootern?
Das Problem ist, dass viele E-Scooter-Fahrer und Fahrerinnen unerfahren sind. 20 Prozent sind Erstnutzer – also jeder Fünfte. Hindernisse wie Randsteine, Gegenstände oder Passanten, die Umfahren werden müssen, können dann schnell zu Unfällen führen. Außerdem fahren viele Menschen unter Alkoholeinfluss. Rund 650 solcher Fälle hat die Polizei München seit Jahresbeginn festgestellt.
Warum passieren gerade mit E-Scootern so viele Unfälle?
Mein persönlicher Eindruck ist, dass eine gewisse „Spielzeug-Mentalität“ herrscht. E-Scooter kann man aber mit den Tretrollern aus der Kindheit nicht vergleichen. Viele unterschätzen, dass die Roller bis zu 20 Kilometer pro Stunde schnell werden.
• Wie können E-Scooter-Unfälle verhindert werden?
Üben, üben, üben. Mietet euch einen E-Scooter und probiert ihn aus, am besten dort, wo kein Verkehr ist, in Parks oder auf Parkplätzen. Die Theresienwiese eignet sich zum Beispiel gut. Und tragt unbedingt einen Helm!
• Welche Regeln sind besonders wichtig?
Erstens: nicht zu zweit auf dem Roller fahren. Zweitens: Niemals angetrunken oder betrunken fahren. Und drittens: kein Handy. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie beim Fahrradfahren.

Das sagen die Teilnehmer des Trainings

Tieräztin Stephanie Süß (25)

Am Anfang war das Fahren noch etwas wackelig, aber mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Geschwindigkeit und dafür, wie viel Gas man geben darf. Auch die Kurven brauchen viel Übung. Die Verkehrsregeln kannte ich davor nur zum Teil. Ich denke aber, das meiste sollte selbstverständlich sein, etwa nicht alkoholisiert zu fahren. Ob die E-Scooter eine Gefahr sind, ist fahrerabhängig. Ich denke, wenn man vernünftig und sicherheitsbewusst fährt, ist das Risiko gering.

Rentner Asmus von Troschke (68)

Rentner Asmus von Troschke

Ich wollte die E-Roller schon seit ein oder zwei Jahren mal ausprobieren. Plätze wie hier sind gut zum Üben, weil man nicht direkt im Verkehr fahren muss. Ich bin nicht gut zu Fuß, weil ich Knieprobleme habe. Für mich sind die Roller einer gute Sache. Ich muss aber auf jeden Fall noch üben.

Tierärztin Larissa Weiß (24)

Tierärztin Larissa Weiß beim Fahrtraining

Bei mir war es heute das erste Mal. Ich finde, die Roller fahren erstaunlich schnell. Auch die Kurven sind schwierig. Das darf man nicht unterschätzen. Ohne Helm würde ich mich das nicht trauen. Das Training gefällt mit sehr. Ich fände gut, wenn das verpflichtend wäre – wie eine Art Führerschein. MERLE HUBERT *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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