Überdruck im Dampfkessel München

Immer mehr Zuzügler und Pendler: Alarmierende Zahlen

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Bis 2035 könnte die Einwohnerzahl Münchens auf 3,24 Millionen steigen.

München wächst und wächst - in Sachen Wirtschaft, aber auch in Sachen Einwohnern. Das lässt die Mieten steigen und immer mehr Menschen müssen pendeln. Wohnungsbau und Infrastruktur hinken hinterher.

München - Die Wirtschaft und die Einwohnerzahl in München und Region wachsen immer schneller, der Wohnungsbau hält nicht Schritt. Das führt nicht nur zu Mietensteigerungen sondern auch dazu, dass immer mehr Menschen pendeln müssen. Doch die Infrastruktur hinkt hinterher, der Dampfkessel München gerät immer mehr unter Druck. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (PV) am Donnerstag vorlegte.

Einwohnerentwicklung: Die Region zählte 2016 gut 2,8 Millionen Einwohner, das sind 11,6 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Vor allem in München nahm die Zahl der Einwohner zu – und zwar um 15 Prozent! Das ist der Spitzenwert innerhalb der Region. Der Kreis Starnberg wuchs „nur“ um 3,5 Prozent an. PV-Geschäftsführer Christian Breu zur tz: „Der Großraum München ist und bleibt eine Region mit enorm hoher Wirtschaftskraft, der Menschen ungebrochen anzieht.“

Wohnungsbau: Für die steigende Bevölkerungszahl werden viel zu wenige Wohnungen gebaut. 2015 entstanden in der Region 12.500 neue Unterkünfte bei einem Zuzug von 45.000 Menschen. Breu: „Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von zwei Personen haben theoretisch 20.000 Menschen kein Dach über den Kopf bekommen.“ Und die Lage verschärft sich: Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen schrumpfte von 77.011 in den Jahren 1995 bis 1999 auf 54.101 zwischen 2010 und 2014.

Arbeitsplätze: Viel schneller noch als die Zahl der Einwohner wuchs die Zahl der Jobs. In der Region gab es 1,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon knapp 800.000 alleine in München. Im Schnitt stieg die Zahl der Jobs in der Region um knapp 24 Prozent – also mehr als doppelt so viel, wie die der Einwohner. Spitzenreiter war der Landkreis Erding mit 53 Prozent Zuwachs, während die Zahl der Arbeitsplätze in München um knapp 20 Prozent stieg, im Kreis Ebersberg legten die Jobs nur um knapp elf Prozent zu. Breu: „Vor allem entlang der Achse München-Flughafen entstehen viele neue Jobs.“

Pendler: Da der Wohnungsbau nicht mithält, sind immer mehr Menschen zum Pendeln gezwungen. „Wir haben in der Region knapp 1,33 Millionen Arbeitsplätze, dazu kommt noch in etwa ein Drittel an Selbstständigen hinzu“, fasst Breu zusammen. Somit machen sich jeden Tag etwa 1,7 Millionen Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Als Pendler werden aber nur Arbeitnehmer gezählt, die bei der Anfahrt zum Arbeitsplatz eine Landkreisgrenze überschreiten. 2015 gab es somit 908.000 Pendler, 206.000 mehr als 2005 – alleine 358.000 Menschen kamen täglich von außen nach München.

Prognosen: Breu prognostiziert für die Zukunft: „Der Zuwachs an Arbeitsplätzen und Einwohnern wird sich im Raum München dank des krisenfesten Branchenmixes der Wirtschaft weiter fortsetzen.“ Das Landesamt für Statistik erwartet bis 2035 ein Anstiegen der Einwohnerzahl in der Region auf 3,24 Millionen Menschen, das sind 440.000 Menschen mehr – schon fast so viele Menschen, wie in Nürnberg leben! Breu: „Diese Prognosen bedeuten eine enorme Herausforderung für den Wohnungsbau und den Ausbau der Infrastruktur.“

Darum pendeln wir

Mieten in München zu teuer

„Ich wohne lieber in Augsburg, einfach, weil die Mieten billiger sind. Und die Fahrtkosten von 270 Euro übernimmt glücklicherweise die Kanzlei. Ich finde Augsburg auch gemütlicher zum Leben, weil es nicht so groß ist wie die Landeshauptstadt.“

Simone Länger (28), Rechtsanwaltsfachangestellte, Augsburg

Bei meinen Lieben bleiben

„Ich habe nie darüber nachgedacht, nach München zu ziehen. In Königsbrunn habe ich Familie und Freunde. Für die pendele ich gerne. Inzwischen zahle ich pro Monat 200 Euro für das Ticket, weil die Bus-Preise so gestiegen sind.“

Werner Scholz (57), ­ Technischer Leiter, Königsbrunn (Landkreis Augsburg)

Die Natur genießen

„Ich habe mal in München gewohnt, aber in Bad Aibling gefällt es mir wegen der schönen Natur in meiner Freizeit besser. Allerdings mag ich den Wechsel zwischen Stadt und Land. Wenn ich nur auf dem Land wäre, würde mir auf Dauer etwas fehlen.“

Michael Lackner (51), Software-Entwickler aus Bad Aibling

Immer mehr Schüler

Auch die Schülerzahl steigt in München stetig. Laut Zahlen der Verwaltung drücken jetzt exakt 3676 mehr Buben und Mädchen die Schulbank als im Jahr zuvor. Damals verzeichnete die Verwaltung zwar ebenfalls einen Anstieg, allerdings nur um 2219 Schüler.

Der stärkste Zuwachs ist bei den Grund- und Mittelschulen, den Realschulen sowie an den städtischen Berufsschulen und den Fachoberschulen verzeichnet worden. Rückläufig sind die Zahlen etwa an den Berufsfachschulen.

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