Sprecher äußert sich zu Vorwürfen

Probleme mit den Kontrolleuren? Das sagt die MVG

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Münchner Kontrolleure bei der Arbeit, hier in einer S-Bahn.

München - Auf unseren Aufruf haben viele Leser ihre Erfahrungen mit Kontrolleuren geschickt - positiv wie negativ. Zu einigen nimmt die MVG nun Stellung.

Feuerwehrleute, Krankenschwestern und Altenpfleger - das sind laut einer Forsa-Umfrage die Berufe, die das höchste Ansehen in der deutschen Bevölkerung genießen. Dicht dahinter folgen Ärzte und Polizisten - sowie seit neuerem auch Erzieherinnen in Kindergärten und Kitas. Es ist eine exklusive Sphäre, in die der Kontrolleurs-Beruf in näherer Zukunft wohl eher nicht vordringen wird. Ein Stück weit liegt das natürlich auch in der Natur der Sache: Es ist eben lieber gesehen, dass ein Mensch das eigene Heim oder sogar das eigene Leben rettet, als früh morgens im Halbschlaf nach dem Fahrticket zu fragen. Auch die Behauptung eines ehemaligen Kontrolleurs in Berlin, dass dort teils auf betrügerische Art und Weise Fahrgästen zusätzlich Geld aus der Tasche gezogen werde, hat mit Sicherheit nicht zur Beliebtheit der Berufsgruppe beigetragen.

Andererseits muss auch gesagt werden: Kontrolleure gehen konsequent gegen Betrug vor und schützen so die Verkehrsbetriebe. Wie steht es also wirklich um die Beliebtheit von Ticket-Kontrolleuren? Was schätzt man an ihnen, was sorgt für Ärger? In unserem letzten Artikel wollten wir von Ihnen wissen, welche Erfahrungen Sie mit Kontrolleuren gemacht haben. Das Interessante: Es kam sowohl positive als auch negative Resonanz. Zu einigen Vorwürfen von Usern nimmt die MVG nun Stellung.

"Autoritär, herrisch, unhöflich"

Ein Leser ärgert sich beispielsweise über unangebrachte Verhalten der sogenannten Kontroll-Schaffner. Es entspreche "dem der Polizisten in den 70er und 80er Jahren. Autoritär, herrisch und unhöflich. Wenig interessiert an der Einhaltung von Gesetzen". Eine bessere Ausbildung sei nötig, so der User. Matthias Korte, Pressereferent der MVG, meint dazu: "In der Regel drehen sich die Kundenbeschwerden um die Frage, ob der Fahrgast zurecht beanstandet wurde. Klagen zum Verhalten der Kontrollschaffner sind vergleichsweise selten. Wir reagieren auf Beschwerden, indem wir dem jeweiligen Einzelfall nach Möglichkeit konkret nachgehen und dazu auch die beteiligten Mitarbeiter befragen." Eine pauschale Verurteilung, bei der alle Mitarbeiter über einen Kamm geschoren werden, helfe recht wenig. Ein höflicher Umgang werde natürlich von jedem Mitarbeiter erwartet - hierzu gibt es auch extra Schulungen, in denen es um den richtigen Umgang mit Fahrgästen auch in konfliktträchtigen Situationen gehe.

Die Ausrede "Ich wollte doch gerade stempeln"

Ein anderer User beschreibt folgende Situation: "Ich stieg am Wettersteinplatz um 22 Uhr in die Straßenbahn 25 nach Grünwald. Ich verabschiedete mich von meinem Kumpel, der draußen stand. In diesem Moment wollte ich stempeln, als die Straßenbahn anfuhr und ich rückwärts in den Sitz geschleudert wurde." Laut dem User sei daraufhin ein Kontrolleur auf ihn zugekommen und habe den Fahrschein verlangt. Da der Fahrgast nach eigener Angabe wegen der vorhin beschriebenen Aktion nicht die Möglichkeit hatte zu stempeln, konnte er kein gültiges Ticket vorweisen. Die Konsequenz: Er musste Strafe zahlen. Damals waren's noch 40 Euro, inzwischen wurde das Bußgeld bekanntlich auf 60 erhöht.

Die MVG verweist hier auf die Beförderungsbedingungen: "In Fahrzeugen mit Entwerter-Automaten (Trambahn und Bus) hat der Fahrgast die Fahrkarte (…) unverzüglich selbst zu entwerten." Die Entwertung des Tickets müsse also sofort beim Betreten des Fahrzeugs erfolgen. "Erst anschließend soll man seinen Platz einnehmen bzw. sich – um beim konkreten Fall zu bleiben – winkend verabschieden", so Korte. Die Ausrede "Ich wollte doch gerade stempeln" höre man sehr häufig. Des weiteren sei es leider eine durchaus beliebte Praxis bei Schwarzfahrern, durch Nachstempeln – sei es nach Erreichen der nächsten Haltestelle, sei es überhaupt nur dann, wenn ein Kontrolleur sichtbar wird – den Kurzstreckenbereich auszudehnen oder möglichst überhaupt nicht zu entwerten. Die MVG: "Deshalb gilt überall die klare Vorgabe, dass unverzüglich nach dem Betreten gestempelt werden muss. Wer sich erst hinsetzt oder aus anderen Gründen nicht sofort nach dem Einsteigen abstempelt, geht das Risiko ein, beanstandet zu werden."

Immer höflich und zuvorkommend

Bei all diesen negativen Erfahrungen soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass es auch positives Feedback für die Kontrolleure gab. So schrieb ein User: "Bis heute wurde ich sehr selten kontrolliert. Die Kontrolleure waren immer höflich und zuvor kommend, egal ob S-Bahn, U-Bahn oder Bus." Dieses Statement zeigt, dass Kontrolleure nicht immer die "unhöflichen und autoritären" Menschen sein müssen, die manche in ihnen sehen. Und es dient auch als Warnbeispiel, dass nicht jeder Kontrolleur ein schwarzes Schaf ist. Falls es nun aber wirklich zu Problemen mit einzelnen Kontrolleuren kommen sollte, solle man sich definitiv an die MVG wenden. Matthias Korte sagt: "Konkreten Beschwerden gehen wir gerne nach!"

Lukas Praller

 

Wenn Sie auch uns gegenüber von Ihren Erfahrungen mit Kontrolleuren berichten wollen, nutzen Sie dafür doch unser Leserreporter-Formular.

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