1. tz
  2. München
  3. Stadt

„Die wollen den einfach noch schmoren lassen“: Wirbel um grünen Bürgermeister und roten Immo-Boss

Kommentare

Um die Wahlen von Dominik Krause (links) und Christian Müller gibt es Ärger.
Um die Wahlen von Dominik Krause (links) und Christian Müller gibt es Ärger. © Schlaf

Doppelter Ärger im Rathaus: Es geht um Wahlen, um die von SPD-Chef Christian Müller und die von Grünen-Chef Dominik Krause.

München – Im Rathaus gibt es doppelten Ärger – in beiden Fällen geht’s um Wahlen. Die Grünen sind irritiert, weil OB Dieter Reiter (SPD) die Wahl von Grünen-Chef Dominik Krause zum zweiten Bürgermeister auf November vertagt hat. FDP und Bayernpartei kritisieren wiederum die Wahl von SPD-Chef Christian Müller zum Mit-Geschäftsführer der Wohnbaugesellschaft München Wohnen.

Zweite Bürgermeister-Wahl erst im November? - „Die wollen den einfach noch schmoren lassen“

Tatsächlich hatten die Grünen zunächst angenommen, Krause würde bereits in der Vollversammlung am 25. Oktober gewählt. Aus dem Direktorium hieß es, dass zunächst die Amtsniederlegung der amtierenden Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) formal vollzogen werden müsse. Die Wahl Krauses könnte aber rechtlich im Oktober-Plenum stattfinden, nicht aber die Vereidigung. OB Reiter hatte daher zunächst entschieden, beides im November durchzuführen, jetzt soll es aber noch mal Gespräche geben.

Denn so mancher im Rathaus hatte dahinter weniger formelle Gründe als eine politische Gängelung des Koalitionspartners vermutet. „Die wollen den einfach noch schmoren lassen“, sagt ein Insider. An Gerüchten, die SPD wolle gar die Koalition aufkündigen und mit der CSU zusammenarbeiten, sei aber nichts dran, bestätigen mehrere Quellen. Die Grünen sind dennoch sauer, schließlich habe man erst am Dienstag, wie vereinbart, der Wahl von SPD-Mann Müller als Chef der Wohnungsbaugesellschaft zugestimmt. Ohne die Stimmen der Grünen wäre er nicht gewählt worden, hieß es gestern. Die Wahl war dem Vernehmen nach mit nur einer Stimme Mehrheit erfolgt.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus München und der Region finden Sie auf tz.de/muenchen.

Kritik an der Wahl von Christian Müller zum Chef der München Wohnen - „Letzter lukrativer Posten für die SPD“

Genau das kritisieren nun FDP und Bayernpartei. Da sei Misstrauen schon eingebaut. Das Ergebnis lege nahe, dass die Arbeitnehmer geschlossen gegen ihren künftigen Chef gestimmt hätten. „Diese Postenvergabe ist eine rein parteipolitisch getriebene Besetzung“, sagt FDP-Chef Jörg Hoffmann. „Christian Müller ist als studierter Sozialarbeiter bislang nicht durch Fachkompetenz im Immobilienmanagement aufgefallen. Hier geht es eindeutig um die letzten lukrativen Posten für die SPD in München!“

Skepsis klingt auch bei Heike Kainz von der CSU durch. Sie sagt: „Die Hauruck-Fusion der grün-roten Stadtregierung setzt die neue Geschäftsführung unter großen Zeitdruck. Christian Müller muss zeigen, dass er dieser Verantwortung auch ohne einschlägige Berufserfahrung gerecht werden kann.“

Erst eine Woche zuvor gab es den Paukenschlag in München: Katrin Habenschaden (Grüne) hat ihr Amt als 2. Bürgermeisterin niedergelegt. Als Grund nennt sie hohe Belastung. 

Auch interessant

Kommentare