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Urteil zugestellt: Muss Schuhbeck schon in Kürze ins Gefängnis?

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Von: Andreas Thieme

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Alfons Schuhbeck hat 2,3 Millionen Steuern hinterzogen und wurde vom Landgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sein Urteil hat der Star-Koch angegriffen - er wollte die Revision aber eventuell zurückziehen, wenn das schriftliche Urteil vorliegt. Das ist jetzt der Fall.

München - Fast sieben Wochen nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hat Alfons Schuhbeck (73) nun sein schriftliches Urteil zugestellt bekommen. Das bestätigt das Landgericht München I auf Anfrage unserer Redaktion. Am Donnerstag (15. Dezember) wäre die Frist abgelaufen. Jetzt kann Schuhbeck die Gründe seiner Verurteilung auch in allen Details nachvollziehen.

„Herr Schuhbeck steht zu seiner Schuld und übernimmt die Verantwortung für den von ihm verursachten Schaden, die auch eine längere Haftstrafe einschließen kann. Hierzu gehört ebenfalls die Bemühung, den Schaden in voller Höhe wiedergutzumachen, woran Herr Schuhbeck auch in den vergangenen Tagen unermüdlich arbeitete“, hatte der Star-Koch eine Woche nach seiner Verurteilung bekannt geben lassen. „Unabhängig davon möchte Herr Schuhbeck die Möglichkeit wahrnehmen, die vorgehaltenen Steuerverkürzungen sowie die Erwägungen zur Strafzumessung auf Basis des schriftlichen Urteils nachvollziehen zu können.“

Alfons Schuhbeck
„Alfons Schuhbeck steht zu seiner Schuld“, ließen seine Anwälte über einen Sprecher mitteilen. © Matthias Balk/dpa

Das hatte die Schuhbeck-Seite letztlich als Grund genannt, dass sie Revision gegen das Landgerichtsurteil einlegen. Rechtsexperten und Prozessbeobachter waren überrascht, weil Schuhbeck schon im Strafprozess mehrfach angekündigt hatte, er wolle Verantwortung übernehmen. Umso überraschender kam dann sein Antrag auf Revision, der das Steuer-Urteil angefochten hat. Kritiker unterstellten Schuhbeck, er spiele so nur auf Zeit und wolle die Haft hinauszögern. Er hingegen beteuerte, seine Bemühungen um Schadenswiedergutmachung seien „unermüdlich“. Tatsächlich bezahlt hat er laut Gericht noch nichts.

München: Schuhbeck hat sein schriftliches Urteil vom Landgericht - Zieht er jetzt die Revision zurück?

Im Klartext: Schuhbeck sucht einen Investor, um seine Steuerschulden begleichen zu können. Geht der Antrag auf Revision vor dem Bundesgerichtshof durch, würde es zu einem Wiederholungsprozess in München kommen. Dann, so hofft Schuhbeck, wäre vielleicht eine Bewährung drin, wenn er den Schaden schon beglichen hätte. Zeitlich würde dieser Prozess frühestens im Herbst 2023 stattfinden. Sehr realistisch ist dieses Szenario aber nicht. Denn ob der BGH tatsächlich Rechtsfehler im Schuhbeck-Urteil findet, ist völlig offen. Die Prüfung dauert üblicherweise einige Monate. Zeit, die Schuhbeck für sich nutzen will.

„Sollten die schriftlichen Gründe das Landgerichtsurteil tragen, werde ich meine Anwälte bitten, die Revision im Zweifel zurückzunehmen“, hatte er nach dem Urteil Anfang November erklärt. „Bis dahin werde ich in meinen Bemühungen, den Schaden im Rahmen der Möglichkeiten wiedergutzumachen, nicht nachlassen“, sagte Schuhbeck. Würde er die Revision tatsächlich zurückziehen, müsste er demnächst dann seine Haft antreten, die laut Vollstreckungsplan in der JVA Straubing stattfindet. Anfang 2023 wäre der Star-Koch dann Häftling.

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