Vielversprechende Studie gestartet

In Klinikum in München: Ärzte testen neuen Corona-Impfstoff - Freiwillige gesucht

Der Eingangsbereich des Uniklinikums rechts der Isar.
+
Im Klinikum rechts der Isar wird ein neuer Corona-Impfstoff getestet.

Im Kampf gegen das Coronavirus gelten Impfstoffe als Schlüssel zum Erfolg. Während momentan noch viel zu wenige Dosen zur Verfügung stehen, testen Münchner Spezialisten jetzt ein weiteres vielversprechendes Mittel. Sie suchen 100 Freiwillige.

  • In einer Münchner Klinik wird ein neuer Corona-Impfstoff getestet.
  • Die Ärzte suchen 100 Freiwillige.
  • Die Technologie unterschiedet sich von Biontech, Moderna & Co.

Studie läuft auch in USA, England und Frankreich

Am Uniklinikum rechts der Isar ist eine große Studie zu einem Impfstoff-Kandidaten des amerikanischen Pharma-Riesen Johnson & Johnson angelaufen – das Haidhausener Hospital leitet die Untersuchungen in Deutschland, die darüber hinaus unter anderem auch in Frankreich, England und den USA stattfinden.

Immunsystem wird mit speziellen Viren trainiert

Corona-Experte Privatdozent Dr. Christoph Spinner, Chef der Infektiologie des Uniklinikums rechts der Isar.

Anders als beispielsweise bei den bereits zugelassenen Seren von Biontech oder Moderna handelt es sich bei dem Mittel von Johnson & Johnson nicht um einen mRNA-Impfstoff, sondern um einen sogenannten Vektorimpfstoff. „Vektorimpfstoffe nutzen Viren, die dem menschlichen Immunsystem bekannt sind. Im Falle des neuen Corona-Impfstoffkandidaten handelt es sich um inaktivierte und nicht-infektiöse Adenoviren. Sie ähneln Erkältungsviren. Mit ihrer Hilfe wird das menschliche Immunsystem – vereinfacht erklärt – darauf trainiert, die Coronaviren zu erkennen und zu bekämpfen“, erklärt der Studienchef für Deutschland, Privatdozent Dr. Christoph Spinner.

Impfstoffkandidat hat sich im Kampf gegen Ebola bewährt

Diese Technologie wird bereits bei Impfstoffen gegen andere Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise Ebola. Bereits 200 000 Menschen sind schon mit Vektorimpfstoffen von Johnson & Johnson geimpft worden. Sie gelten als sicher und gut verträglich, wie Daten aus früheren Studien belegen. Jetzt soll im Rahmen einer Phase-3-Studie – der für eine Zulassung relevanten Stufe – die Wirksamkeit gegen Corona getestet werden. Dazu sucht das Klinikum insgesamt 100 Freiwillige, die auf Medizinerdeutsch Probanden genannt werden.

Teilnehmer: „Ich möchte die Wissenschaft unterstützen“

Sascha Müller (Name aus medizinrechtlichen Gründen geändert) hat bereits die erste von zwei geplanten Spritzen erhalten. „Der einzige Weg aus der Pandemie wird über Impfungen führen. Ich möchte die Wissenschaft dabei unterstützen, weitere Impfstoffe zu erforschen und zur Verfügung stellen zu können“, sagt der 37-jährige Münchner unserer Zeitung. „Wenn man bei einem so wichtigen Projekt mitwirken kann, ist das doch eine tolle Sache.“ Müller hatte sich freiwillig als Proband gemeldet, Angst vor Nebenwirkungen hat er nicht. „Zum einen handelt es sich ja um ein bereits erprobtes Impfstoff-Prinzip, zum anderen habe ich Vertrauen zu den Medizinern im Klinikum.“

Ob Müller allerdings tatsächlich den Impstoff erhält oder nur ein Placebo, weiß er nicht. Die Chance liegt bei 50 zu 50 – ein Grundprinzip der wissenschaftlichen Untersuchungsreihe, die Experten als randomisierte, doppelblinde klinische Studie bezeichnen. „Wer einen anderen Impfstoff bekommen kann, der darf die Teilnahme an unserer Studie jederzeit beenden“, betont Dr. Spinner.

Wann der neue Impfstoff im Falle positiver Ergebnisse zugelassen werden kann, ist offen. Die Studie ist zunächst auf eine Laufzeit von zwei Jahren und drei Monaten angelegt. In diesem Zeitraum müssen die Probanden bis zu zehn Mal ins Klinikum kommen.

Hier können sich Interessenten melden

Mitmachen können Erwachsene – auch jene, die unter Vorerkrankungen leiden, die als Risikofaktoren im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gelten. Interessenten können sich im Uniklinikum rechts der Isar per E-Mail melden: IZAR@mri.tum.de.

Auch interessant

Kommentare