Weltweit 33 Millionen Menschen umarmt

Umstrittene Inderin Amma bewegt München

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Die umstrittene Inderin Amma (60) hat in 30 Jahren gut 33 Millionen Menschen umarmt.

München - Sie umarmt bis zu 10.000 Menschen am Tag: Die indische Aktivistin Amma (60) war im Rahmen ihrer Europa-Benefiz-Tour in München zu Gast. Eine kuriose, aber beeindruckende Begegnung:

Ich muss zugeben, ich bin leicht nervös, wie ich da auf der Bühne stehe und darauf warte, von einer wildfremden Frau umarmt zu werden. Gerade liegt ein Mann in ihren Armen. Sie lächelt liebevoll und hält ihn fest. Es ist ein ungewohntes, beinahe irritierendes Bild und doch berührt es.

Ich befinde mich im Zenith in München. Es ist gefüllt mit hunderten von Menschen - Kinder, Senioren, Männer und Frauen - alle sind sie gekommen, um die indische Aktivistin Amma (kurz für Mata Amritanandamayi) zu treffen, sie zu umarmen. Denn dafür ist Amma bekannt: Sie umarmt Menschen aus aller Welt, unabhängig von ihrer Kultur, ihrer sozialen Schicht und Nationalität. Für die 60-Jährige sind, wie sie selbst sagt, alle Menschen gleich. Wenn sie nicht gerade Menschen in ihre Arme schließt, setzt sich Amma für viele soziale Projekte ein. Sie baut Schulen, unterstützt Umweltprojekte und macht sich für die Rechte der Frauen stark. Sie scheint fast wie eine Heilige - die Mutter Theresa der heutigen Zeit.

Doch unumstritten ist das Handeln der selbsternannten Samariterin nicht. Ammas Umarmungs-Aktion hätte nur einen Zweck, sagen Kritiker: an Spenden zu kommen.

merkur-online.de hat sich das Spektakel im Münchner Zenith genauer angeschaut:

Sie hat weltweit 33 Millionen Menschen umarmt

Die Benefizveranstaltung in München ist Teil der Europa-Tour der Stiftung "embracing the world" (zu deutsch "Die Welt umarmen"), die von Amma ins Leben gerufen wurde. Was als spontane Hilfe für ihre armen und notleidenden Nachbarn in Indien begann, hat sich mittlerweile zu einer weltweiten Aktion ausgedehnt. Seit 1987 reist die Inderin einmal im Jahr um die Welt. Dabei umarmt sie bis zu 10.000 Besucher am Tag - insgesamt lagen ihr schon 33 Millionen Menschen in den Armen, darunter auch Promis wie Sharon Stone und Jim Carrey. "Meine Umarmungen sollen den Geist der Liebe und Selbstlosigkeit wecken", sagt sie. Durch ihre Umarmungen, ihre Liebe, kommuniziert Amma mit den Menschen. Die Liebe, sagt sie, erreiche alle. Sie überwinde alle Barrieren und könne die Welt verändern.

Doch genau diese Selbstlosigkeit, die Amma predigt, stellen einige Kritiker in Frage. In Internetforen wird ihr vorgeworfen, nur ein kleiner Teil der Spenden werde tatsächlich für ihre sozialen Projekte eingesetzt. Der Rest dagegen liege unbenutzt auf Konten. Außerdem sollen mehr als ein Viertel der Spenden aus dem Ausland in gewinnorientierte Unternehmen investiert worden sein, anstatt den Bedürftigen zugute zu kommen.

Ramakrishnananda Puri, der Finanzvorstand von Ammas Werk Mata Amritandamayi Math, vom schweizer Tagesanzeiger zu den Vorwürfen befragt, beteuert, dass die indischen Behörden ihre Finanzen und Projekte kontrollierten und nichts beanstandeten. "Getreu den Anweisungen der Spender werden die Mittel in Hilfswerke investiert oder in Bankeinlagen akkumuliert", erklärt Puri gegenüber dem eidgenössischen Medium. Reklamationen von Spendern habe es bislang keine gegeben.

Amma redet lieber darüber, wie sie Menschen helfen kann. Und dabei wirkt sie glaubwürdig. Menschen zu helfen, ihnen mit ihrer Umarmung Liebe zu schenken, scheint ihr wirklich am Herzen zu liegen.

Das Video aus dem Zenith

Seit Samstag hat Amma in München mehr als zwölf Stunden am Stück Menschen an sich gedrückt. Am Ende der vier Tage werden es etwa 20.000 gewesen sein. Und dafür stehen die Besucher im Zenith stundenlang an. Die meisten Anwesenden scheinen aus der spirituellen Szene zu kommen. Sie sitzen andächtig vor der Bühne und warten auf ihren großen Moment. "Es ist das Highlight des Jahres für mich", sagt eine Besucherin. Sie hat sogar ein Geschenk für Amma dabei - eine Rose. Darauf angesprochen, warum sie hier sind, ringen viele der Anwesenden um Worte. Amma zu erleben sei überwältigend. "Sie gibt den Menschen so viel - Güte und Liebe. Es ist eine Ehre sie zu treffen", sagt eine Frau und strahlt dabei, als würde sich ihr sehnlichster Wunsch erfüllen. 

Doch bis es soweit ist, heißt es Warten. Wie in einer Postfiliale ziehe ich eine Nummer und reihe mich in die Schlange ein. Über eine große Leinwand ist jede einzelne Umarmung zu sehen. Einen nach dem anderen drückt Amma an ihr Herz. Sie lacht, sie wiegt sie im Arm. Es geht eine gewisse Aura von ihr aus. Ob das die "Liebe" ist, von der sie spricht? - Fest steht, sie bewegt die Menschen. Manche lachen, manche weinen, doch alle sind sie überwältigt.  

Es fühlt sich besonders an

Schließlich bin auch ich an der Reihe. Ich knie mich hin. Amma sitzt vor mir. Sie trägt einen weißen Schleier über ihrem schwarzen Haar. Es duftet nach indischen Gewürzen. Amma nimmt mich in den Arm. Mein Kopf lehnt an ihrer Schulter. Ich schließe die Augen. Während sie mich hält, flüstert mir Amma indische Mantras ins Ohr. Es ist eine kuriose Situation. Wann wird man schon von einer wildfremden Frau umarmt, während einem über Großleinwand knapp tausend Menschen dabei zusehen?

Die ersten paar Sekunden fällt es mir schwer, mich fallen zu lassen. Es fühlt sich einerseits künstlich an, andererseit wie das Normalste auf der Welt. Es ist schwer in Worte zu fassen, doch ich habe das Gefühl, gerade etwas ganz Besonderes, Einzigartiges zu erleben. Nach einigen Sekunden lässt sie mich los. Sie lächelt mich an und überreicht mir ein Perlenarmband, ein in Rosenblätter eingewickeltes Bonbon und einen Apfel. Beinahe benommen verlasse ich die Bühne. Wenig später, als ich an einem Tisch sitze, heißen Chai-Tee genieße und den Moment Revue passieren lasse, muss ich feststellen: Von Amma umarmt zu werden, ist tatsächlich etwas ganz Besonderes. Wider erwarten bin ich schwer beeindruckt. Und trotz der negativen Stimmen ist eines unbestreitbar: Amma hilft den Menschen - mit nicht mehr als einer einfachen Umarmung.

Sabine Schöberl

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