Interview über Bunga-Bunga und Politik

Edel-Italiener Talamonti erklärt uns Berlusconi

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Münchens italienischer Promi-Wirt und Schauspieler Rinaldo Talamonti (rechts) erklärt uns das Phänomen Berlusconi.

München - Egal, was er macht: Berlusconi hat in Italien immer noch Anhänger. Aber warum? Wir sprachen mit Münchens italienischem Promi-Wirt und Schauspieler Rinaldo Talamonti über Bunga-Bunga, Politik und die kommenden Wahlen.

Er ist nicht kaputtzukriegen: Auch nach Skandalen um Sex-Partys mit Prostituierten und Amtsmissbrauch sowie einer handfesten Verurteilung wegen Steuerhinterziehung drängt es Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi wieder auf die politische Bühne. Er hat bereits angekündigt, unter Umständen bei der Parlamentswahl im Februar wieder anzutreten. Fast gleichzeitig verlobte er sich mit seiner neuen, fast ein halbes Jahrhundert jüngeren Freundin Francesca Pascale. Keine Frage: In der deutschen Politik wäre so jemand schon längst weg vom Fenster. In Italien hat Berlusconi immer noch viele Fans. Aber wieso eigentlich?

Einer, der es wissen muss, ist Rinaldo Talamonti (65). Der prominente Münchner Italiener weist durchaus Parallelen zu Berlusconi auf: Neben derselben Nationalität im Pass tragen beide den Ehrentitel "Cavaliere". Beide haben sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet: Berlusconi hat ein Medienimperium aufgebaut. Talamonti war bis 2012 fast zwanzig Jahre lang Inhaber des Promi-Italo-Restaurants Buon Gusto Talamonti im Tal, wo Superstars wie Bayern-Spieler Franck Ribéry oder Sänger Joe Cocker Stammgäste waren. 

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Und: Beide haben einen besonderen Bezug zu Bunga Bunga. Berlusconi wegen seiner berüchtigten Sexpartys. Talamonti spielte in den 70er Jahren in zahlreichen deutschen Erotikstreifen mit, die klangvolle Titel trugen wie "Wenn die prallen Möpse hüpfen" oder "Geh zieh dein Dirndl aus". Mit seinen Streifen zog Talamonti damals mehr Deutsche ins Kino als heute Veronica Ferres und Til Schweiger zusammen. Künftig will Talamonti sich wieder der Schauspielerei widmen ("Ich will noch was von meinem Leben haben und nicht Tag und Nacht im Restaurant arbeiten"). Aktuell steht er in Italien für einen Anti-Mafia-Streifen ("Die gebrochene Krone") als Pate Don Carmelo vor der Kamera. Übrigens ist das auch so ein Bereich, zu dem Berlusconi gewisse Verbindungen nachgesagt werden.

Keine Frage: Ein besseren Experten in Sachen Berlusconi findet man in München kaum. Wir haben uns mit Rinaldo Talamonti zum Interview über Bunga-Bunga und über Politik getroffen.

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Herr Talamonti, wie kann jemand, der mit so vielen Affären belastet ist, wie Berlusconi, ernsthaft ein politisches Comeback versuchen?

Ach, das kennen wir doch schon aus dem alten Rom. Wer nicht tot ist und gut reden kann, der kommt irgendwann wieder. Das hat sich bis heute in Italien nicht geändert.

Was fasziniert viele Italiener denn so an Berlusconi?

(Lacht) Wissen Sie, er macht eben das, was vielen Italienern imponiert: Er hat Sex mit jungen Frauen und er steht dazu. Er lebt sein Leben in vollen Zügen. Schauen Sie: Wenn er jetzt mit fast 80 Jahren eine junge, schöne Freundin hat, dann denken sich doch viele alte Männer: "So eine hätte ich auch gerne. Was für ein Kerl!" In dem Zusammenhang fällt mir ein Spruch ein: "Wenn ein alter Wolf ein schlechtes Gebiss hat, dann sucht er sich kein Schaf mehr - das ist ihm zu zäh. Er sucht sich ein zartes Lämmchen."

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Also gefällt vielen Italienern dieses Macho-Gehabe?

Ja, natürlich! Der Italiener ist ein Macho und er steht dazu. Und Sex ist kein Tabu, wie in den USA, wo so eine komische Puritaner-Mentalität herrscht. Aber dann schauen Sie mal, was Präsident Clinton mit Monica Lewinsky unter dem Schreibtisch gemacht hat. Nein: Sex gehört zur italienischen Seele. Mit Sex-Affären ist ein Politiker in Italien nicht so schnell erledigt, wie in anderen Ländern.

Das stimmt wohl. Berlusconi hat es ja relativ locker überstanden, als seine Frau Veronica Lario sich scheiden ließ, nachdem sie ihm vorwarf, dass er sie mit minderjährigen Damen betrogen hätte.

Ach, da haben viele doch nur gedacht: "Was soll das? Sie betrügt ihn wahrscheinlich genauso. Das ist doch heuchlerisch, wie sie sich da öffentlich über ihn aufregt."

Gab es den Spruch "Bunga Bunga" schon vor Berlusconis Sex-Partys?

Den Spruch gab es schon vorher. Aber Berlusconi hat ihn erst so richtig bekannt gemacht.

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Ist es nur das Macho-Gehabe, das Berlusconi so beliebt macht?

Nein, nicht alleine. Er ist auch ein erfolgreicher Populist. So hat er seine Partei damals "Forza Italia" (deutsch: "Vorwärts Italien") genannt. "Forza Italia" schreien Sie in Fußballstadien vor großen Länderspielen. Dieser Spruch berührt die italienische Seele. Außerdem konnte er den Leuten immer große Versprechungen machen, die die Leute auch glaubten. Als es Italien vor über zehn Jahren vor einer Wahl wirtschaftlich schlecht ging, hat er den Leuten erzählt: "Ich regle das schon für Euch! Ihr braucht Euch keine Sorgen zu machen, weil ich mich um die Wirtschaft kümmere." Allerdings konnte sich keiner vorstellen, dass er sich dann auch gleich ganz Italien unter den Nagel reißen will.

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Kommt ihm die schlechte Wirtschaftsage - an der er ja mit Schuld ist - bei den anstehenden Wahlen zugute?

Ach, das interessiert viele Italiener gar nicht so sehr. Berlusconi schimpft gegen die EU - die den Leuten viel zu viele Lasten auferlegt - und gegen den Sparkurs der Regierung Monti. Und damit kommt er bei den Leuten an. Vor allem der Mittelstand leidet unter Montis Besteuerung von Luxusgütern und Immobilien. Davon profitiert Berlusconi.

Falls Berlusconi sich endgültig entschließen sollte, bei den Wahlen im Februar wieder als Ministerpräsident zu kandidieren: Hat er Chancen, wieder Regierungschef zu werden? 

Da traue ich mir keine Prognose zu. Wissen Sie: Italien ist wie ein Vulkan. Völlig unberechenbar. Wenn niemand damit rechnet, bricht der Vulkan plötzlich aus. Genauso ist es in der Politik.

Ich bin übrigens kein Anhänger von Berlusconi. Aber ich musste auch immer darüber lachen, wie hilflos die Opposition gegen ihn wirkte.

Interview: Franz Rohleder

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