Zum ersten Mal "Wetten, dass...?"

Lanz: "Und dann schließe ich mich ein..."

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Nervös? Natürlich! Aber auch voller Vorfreude: Markus Lanz.

München - Es ist DAS Fernsehereignis: Markus Lanz moderiet am Samstagabend zum ersten Mal "Wetten, dass...?". Die tz sprach mit dem Südtiroler über Gottschalk, Nervosität und seinen Wunschgast.

Markus Lanz traf „tz“-Redakteurin - Stefanie Thyssen zum Interview in Köln.

Er ist ein wirklich netter Mann. Höflich, stilvoll, professionell. Er wird ein guter Gastgeber sein, das steht fest. Wer Markus Lanz in den Tagen vor seiner Premiere als Wetten, dass..?-Moderator erlebt, der spürt natürlich zum einen die Nervosität, die in dem Südtiroler steckt. Aber der spürt auch, dass der 43-Jährige sehr genau weiß, was er da tut – und auch, was er sich vielleicht antut. Aber er hat auch eine gehörige Portion Abstand zu den Dingen. „Es ist nur Fernsehen, was wir machen“, ist so ein Satz von Lanz, mit dem er sich womöglich auch selbst ein bisschen beruhigen will. Aber man glaubt es dem Vater eines Sohnes, dessen eigener Vater starb, als er gerade mal 14 Jahre alt war. Es gibt Wichtigeres, auch im Leben von Markus Lanz.

Die tz traf den Wahlkölner in seiner Heimat, sprach mit ihm über die Stunden vor der ersten Show, über ein Telefongespräch mit Thomas Gottschalk und die Lust auf ein Duett mit Lionel Richie.

Herr Lanz, wann haben Sie eigentlich genau das Angebot bekommen, „Wetten, dass..?“ zu moderieren?

Markus Lanz: Das war vor ein paar Monaten. Ich war in Hamburg dabei, meine Talkshow aufzuzeichnen. In einer Pause sah ich auf meinem Handy sehr viele „Anrufe in Abwesenheit“. Es war eine Mainzer Nummer, die mir bekannt war: Thomas Bellut, der Intendant des ZDF. Ich habe mich erst nicht getraut zurückzurufen.

Sie wussten, was kommen würde.

Lanz: Ich ahnte, dass er das eigentlich Unaussprechliche aussprechen würde. Mir war zu dem Zeitpunkt klar, dass die Gespräche mit Jörg Pilawa nicht fruchtbar gewesen waren. Um 23 Uhr habe ich dann zurückgerufen. Thomas Bellut sagte, wir müssen reden. Und das haben wir dann.

Und jetzt, so kurz vor der Show?

Lanz: Ich bin freudig erregt. Natürlich auch aufgeregt, seit Wochen dreht sich alles um diese Sendung. Und ich habe Respekt vor dem Moment, wenn es heißt: Eine Minute noch, und dann raus.

Was machen Sie in den Stunden vor der Show? Geplant und geprobt ist alles.

Lanz: Ich werde versuchen, Nahrung zu mir zu nehmen und die hoffentlich auch bei mir behalten. Das wird schlimm werden. Kurz vor knapp werde ich mich dann vielleicht in meine Garderobe einschließen – und womöglich gar nicht rauskommen. Wir werden sehen. Ich möchte dem Glück aber eigentlich schon eine Chance geben.

Frank Elstner sagte einmal: „Markus Lanz hat einen Vorteil: Er ist Südtiroler.“ Haben Sie eine Ahnung, was er meint?

Lanz: Ich kann nur vermuten: Vielleicht meint er, dass wir Südtiroler eine gewisse Erdung haben, eine Bodenständigkeit. Vielleicht meint er auch, dass wir in der Lage sind, mit dünner Luft umzugehen, weil wir oft oben sind, auf dem Berg. Wenn ich so drüber nachdenke: Wahrscheinlich schützt einen dieses „Bergbauern-Gen“ tatsächlich vor vielem. Es führt dazu, dass man nicht den Fehler macht und von seiner eigenen Bedeutsamkeit überzeugt ist.

Die Fußstapfen von Thomas Gottschalk sind groß. Ist es ein Vorteil, dass er sich seit seinem Abschied von „Wetten, dass..?“ im Grunde kontinuierlich selbst demontiert? Die Fußstapfen werden kleiner, dafür müssen Sie ihm dankbar sein …

Lanz: Nein, nein, so sehe ich das nicht. Ich glaube, wenn einer so viele schöne Fernsehmomente auf der Haben-Seite hat wie Thomas Gottschalk, dann kann man viele andere Momente produzieren – sie werden einem nicht schaden. Ich glaube, dass die Leute Thomas Gottschalk immer noch lieben.

Haben Sie inzwischen Kontakt gehabt?

Lanz: Ja, wir haben kürzlich telefoniert, alles ist gut.

Wie muss man sich so ein Gespräch vorstellen?

Lanz: Lustig war’s. Es war Sonntagnachmittag, und er rief einfach an. Ich habe erst mal empört getan und gefragt: Woher hast Du meine Nummer? (lacht)

Was wollte er?

Lanz: Er hat einfach erzählt – Thomas wie er leibt und lebt. Ich habe bei diesem Gespräch einmal mehr festgestellt, dass er ein Mensch ist, der ein großes Bedürfnis nach Harmonie hat. Er will mir nichts Schlechtes, davon bin ich überzeugt. Er trägt keinen Gram mit sich rum. Er sagt nach wie vor, dass es für ihn persönlich die richtige Entscheidung war, mit Wetten, dass..? aufzuhören. Dass er sich getraut hat, etwas Neues zu machen – davor habe ich Respekt.

Wenn Sie sich einen Gast wünschen dürften – wer wäre es?

Lanz: Da gibt es natürlich viele. Aber mit Lionel Richie würde ich gerne mal live Musik machen. Ich am Klavier, er singt. Das wäre für ihn kein Vergnügen, aber für mich (lacht).

Sie sind bei Lanz' erstem Mal dabei:

Die Wettkandidaten sollen künftig im Mittelpunkt der Show stehen, das hat das ZDF immer wieder betont. Auf große und internationale Stars wird aber dennoch nicht verzichtet. In Düsseldorf, wo übrigens einst auch Frank Elstner seine erste Ausgabe von Wetten, dass..? präsentierte, begrüßt Markus Lanz unter anderen Karl Lagerfeld, Bülent Ceylan, Wotan Wilke Möhring, Rolando Villazón, das Ehepaar Sylvie und Rafael van der Vaart, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sowie Jennifer Lopez, den Rapper Cro und Die Toten Hosen.

Interview: Stefanie Thyssen

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