Gastwirt verfolgt Ganoven – der beißt zu

Irre Flucht nach Bankraub

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Obsthändler Taner B. war klamm, als er die Sparkasse überfiel. Jetzt erwarten ihn weit über fünf Jahre Knast

München - Taner B. hatte seinen Banküberfall gut vorbereitet. Er hatte allerdings nicht mit dem mutigen Einsatz des Gastwirts Gerhard Schober gerechnet. Deswegen muss sich der 28-Jährige jetzt vor Gericht verantworten.

So einen Banküberfall hatte sich Taner B. (28) leichter vorgestellt: maskiert rein, mit der Knarre rumfuchteln, raus mit fetter Beute und dann ab in den Wald …

Der türkische Obsthändler hatte alles gut vorbereitet, als er am 11. 11. 2011 mit einer scharfen Pistole in die Sparkasse in Stockdorf stürmte. Er hatte allerdings nicht mit dem mutigen Einsatz des Gastwirts Gerhard Schober gerechnet. Deshalb sitzt Taner B. nun auf der Anklagebank des Landgerichts München II.

Bilder: Sparkasse in Stockdorf überfallen

Bilder: Sparkasse in Stockdorf überfallen

Leugnen hilft eh nichts, also gesteht er alles. Er habe erhebliche Schulden bei seinen Lieferanten in der Großmarkthalle gehabt. Die ungeladene Waffe, eine Luger Kaliber 9 mm, habe er einem Freund entwendet, erzählt er vor Gericht. Die Strumpfhose zwecks Maskierung klaute er seiner Mama.

„Überfall, Hände hoch!“ – Der Räuber brüllte in den Kassenraum wie im Film. Er gesteht: „Ja, ich habe gedroht, dass ich schieße.“ Die Kasse war jedoch mit einem Zeitschloss gesichert. Das machte ihn extrem nervös und die Angestellten auch. Als der Automat endlich ratterte, war er enttäuscht: nur 10 000 Euro! „Ich habe mit einem Batzen Geld gerechnet“, sagt er.

Bank-Mitarbeiterin Julia F. leidet noch schwer unter dem Überfall.

Mit einem Sprint wollte er nun den nahen Wald erreichen. „Aber nach 500 Metern konnte ich nicht mehr“, sagt er. Zu diesem Zeitpunkt hatte Taner B. noch nicht bemerkt, dass ihm Gerhard Schober mit dem Geländewagen folgte. „Damit hat er mich leicht erwischt“, so der Räuber. „Er hat sich gleich auf mich gestürzt.“ Es entbrannte ein Kampf. Taner B. gelang es noch, Schober mit der Waffe auf den Kopf zu schlagen, ihm ins Auge zu kratzen. „Dann habe ich ihn in die Arme gebissen“, erzählt er. Vergeblich. Schober und weitere Passanten konnten den Räuber überwältigen.

Für Bank-Azubi Julia F. (21) war der Überfall der Schock ihres Lebens. „Ich habe gedacht: eine falsche Bewegung und er erschießt mich“, berichtete sie am Dienstag als Zeugin. Der Schock sitze noch tief: „Ich gehe nachts nicht mehr raus. Wenn ich schlafen will, schaue ich erst unters Bett und in den Schrank, ob da nicht jemand ist.“ Und wenn jemand mit einem Kapuzenpulli die Bank betrete, erschrecke sie sehr.

Würmtal-Stub’n-Wirt Gerhard Schober wird am 20. Juli in den Zeugenstand treten. Dem Räuber drohen fünf bis 15 Jahre Gefängnis.

Eberhard Unfried

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