Irre! Meerschweinchen-Prozess um Ernie & Bert

München - Die Polizei hat die Meerschweine Ernie und Bert ins Tierheim gebracht. Dieses stellte dem Besitzer fürs Futter eine Rechnung. Der sieht sich aber frei von jeder Schuld. Der irre Prozess:

Amtliches Einschreiten schien geboten. „Auf der Terrasse meines Nachbarn müssen Meerschweinchen frieren“, meldete eine aufgeregte Frau in Dachau den Behörden. Sie setzte damit eine Maschinerie in Gang: Die Polizei brachte die Nager Ernie und Bert ins Tierheim. Dieses stellte dem Besitzer der Tiere fürs Futter eine Rechnung: 88 Euro und 74 Cent. Der sieht sich aber frei von jeder Schuld. Prozess!

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An diesem 17. Februar 2010 war es knackig kalt, als Amtstierärztin Dr. Bernadette Honal zum Tatort gerufen wurde. Sie musste übern Zaun steigen, um die possierlichen Tiere auf der Terrasse in Augenschein nehmen zu können. Denn der Besitzer war nicht da. Was sie sah, gefiel ihr gar nicht: „Die Futternäpfe waren leer, die Wasserbehälter umgestoßen. Die Tiere haben gefiept, sie hatten Hunger.“

Außerdem, so Dr. Honal, sei der Unterschlupf für die Meerschweinchen ungeeignet gewesen: „Es fehlte eine Wärme-Isolierung.“ Zwar stammen Meerschweinchen aus den südamerikanischen Anden, wo es sehr kalt werden kann. Aber dort können ganze Gruppen zusammen kuscheln.

Eine Nachbarin kümmerte sich um die Tierchen, gab ihnen Futter und Wasser. Doch am nächsten Morgen kam die Polizei und brachte Ernie und Bert auf amtliche Veranlassung ins Tierheim.

Erst vier Tage später meldete sich der Besitzer, ein 29-jähriger Vater von zwei Kindern. Er hatte mit der Familie seine Eltern besucht. Dabei wurde der Sohn krank, musste in die Klinik. Deshalb konnte der Angestellte nicht heimreisen. Aufgrund dieser Umstände war er nicht bereit, die vier Tage Vollpension für die Meerschweinchen zu bezahlen. Er beauftragte eine Anwältin und klagte. Es gehe ihrem Mandanten ums Prinzip, erklärte die Juristin entschuldigend vor dem Verwaltungsgericht. „Er will in der Nachbarschaft nicht als Tierquäler dastehen.“

Vom Landratsamt kamen gleich vier Leute zum Prozess, darunter Oberregierungsrat Dr. Hans Rötzer höchstpersönlich. „Großer Bahnhof für zwei Meerschweinchen“, bemerkte der Richter süffisant. Die Klage hielt der Richter freilich für nicht angebracht: „Hier hat eine Behörde geholfen. Der Kläger hätte dafür auch Danke sagen können.“

Die Klage wurde schließlich zurückgenommen, als der Richter eine salomonische Entscheidung anbot. Er diktierte ins Protokoll: „Aufgrund der Umstände kann ihm kein Vorwurf der Tierquälerei gemacht werden.“ Damit ist der Mann rehabilitiert. Ernie und Bert, versicherte die Anwältin, gehe es übrigens hervorragend.

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © dpa

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