Anklage wegen Körperverletzung

Rollifahrer rammt Pfleger: Irrer Streit vor Gericht

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Pflegeleiter Selcuk C. (43) gewann den Prozess gegen Detlef F., der seit 13 Jahren im Rollstuhl sitzt.

München - Detlef H. (49) ist schwerstbehindert und sitzt im Rollstuhl. Trotzdem musste er Donnerstag zum Amtsgericht – und wurde dort sogar wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Weil er seinen Pfleger absichtlich mit dem Rolli rammte!

Der irre Pflege-Streit: Weil Detlef H. an der Glasknochenkrankheit leidet, braucht er rund um die Uhr Betreuung. Mit dem Pflegedienst von Selcuk C. (43) ist er aber nicht zufrieden – und verweigert, die Leistungsnachweise zu unterschreiben, mit denen C. die Pflege abrechnet. „Ich musste ihm deshalb den Pflegevertrag kündigen“, sagt der Pflegeleiter. Darüber regt sich Detlef H. am 17. März mächtig auf und erteilt ihm Hausverbot in seiner Wohnung in der Ingolstädter Straße. Dort fährt er Selcuk C. mit seinem elektrischen Rollstuhl aber auch mindestens drei Mal in die Beine, als dieser im engen Flur an der Haustür steht!

„Ich war eingeklemmt und konnte nicht weg. Das war eine bewusste Attacke. Ich hatte eine schwere Unterschenkelprellung davongetragen und monatelang Schmerzen“, sagt das Opfer. Detlef H. ist sich aber keiner Schuld bewusst. Er sagt: „Ich spüre nicht, was meine Beine berühren. Weil ich so hoch sitze, sehe ich auch nicht auf den Boden.“ Im Prozess muss er den Rolli vorführen – denn laut Staatsanwaltschaft hat er ihn als gefährliches Werkzeug benutzt. Das glaubt der Richter und verurteilt Detlef H. zu einer Geldstrafe von 900 Euro – obwohl dieser nur von Grundsicherung (385 Euro) lebt. Mittlerweile hat Detlef H. einen neuen Pfleger.

Andreas Thieme

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