Prozess um Zoff nach Wiesn-Besuch

Irrer Streit um den Bierpreis: Gast bricht Wirt die Nase

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Saiti H. wurde von einem Brüderpaar geschlagen.

München - Ein irrer Streit um den Bierpreis in einem Dönerladen landete am Montag vor dem Münchner Amtsgericht. Zwei Brüder hatten in dem Imbiss randaliert und den Wirt schwer verletzt.

„Geschenkt!“ Das würde Saiti H. (40) wohl sagen, wenn wieder angetrunkene Wiesn-Besucher in seinen Dönerladen kommen und über den Bierpreis diskutieren wollen. Sechs Euro fordert er am 3. Oktober 2010 für zwei Halbe. Nur fünf Euro will ein Brüderpaar (23 und 25) bezahlen, was der Imbissbesitzer ablehnt. Was danach abläuft, könnte auch aus einem schlechten Film stammen – und endete am Montag vor dem Amtsgericht mit einer Verurteilung wegen Körperverletzung und Schmerzensgeld gegen Philip und Sebastian S.

Rückblende: Den Nachmittag verbringen die Brüder mit ihrer Familie im Zelt auf der Theresienwiese. Kurz vor Mitternacht verlassen sie das Gelände und steuern den Döner-Imbiss auf der Bayerstraße an, um noch Bier zu kaufen. „Sie waren total aggressiv“, sagt Saiti H. vor Gericht aus. „Es war der Tag der Deutschen Einheit und ich hatte schon 20 Stunden gearbeitet, als sie meinen Imbiss betraten. Der Laden war brechend voll und ich wollte nicht diskutieren, also sagte ich: ‚Dann schleicht’s euch!‘“

Jetzt fängt der Zoff richtig an! Denn: Im Streit fallen die Bierflaschen zu Boden, gehen zu Bruch – und es geht körperlich zur Sache. Vor Gericht geben die Brüder kleinlaut zu, Saiti H. in der Folge mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, bis sein Nasenbein brach. „Ich konnte mich wehren, aber sie sind völlig ausgerastet und mit einer Urgewalt auf mich losgegangen“, sagt das Opfer. Ein Kollege H.s ist ebenfalls beteiligt, auch auf ihn schlagen und treten die Brüder ein – minutenlang schlägern sich die vier quer durch den Laden und demolieren das Inventar. Saiti H. entstehen rund 6000 Euro Schaden, seinem Kollegen bricht ein Finger. Vor Gericht dokumentieren Bilder auch schwere, zentimetergroße Hämatome am hinteren Oberschenkel von Sebastian S. – angeblich ist er mit einem Dönerspieß attackiert worden. Beweisen kann er das aber nicht. „Die Verletzung kommt eher davon, dass er auf einen meiner Tische geflogen ist“, glaubt Saiti H.

Erst mehrere Polizeibeamte schaffen es, die wüste Schlägerei zu schlichten. Der Imbiss muss früher schließen. „Dadurch sind mir locker Tausend Euro Einnahmen durch die Lappen gegangen“, sagt der Imbissbesitzer, der auch eine Zivilklage anstrebt. Das Gericht verurteilte die Brüder Philip und Sebastian S. jeweils zu Geldstrafen.

thi

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