„Bestatten oder versteigern?“

Irrer Streit um einen Schrumpfkopf

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Der 150 Jahre alte Schrumpfkopf aus dem Amazonasgebiet sollte versteigert werden. Anwalt Walter Kaiser vertritt das Auktionshaus.

München - „Bestatten oder versteigern?“ - Das ist die Frage in einem bizarren Rechtsstreit um einen Schrumpfkopf aus Südamerika, der am Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht verhandelt wurde.

Das Münchner Auktionshaus Hermann Historica klagte gegen die Landeshauptstadt, weil es der Auffassung ist, den Namen des Besitzers nicht herausgeben zu müssen. Das Gericht gab nach nur 30 Minuten allerdings der Stadt Recht. Der Anwalt des Auktionshauses, Walter Kaiser, zog seine Klage zurück.

Hermann Historica will den aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Schrumpfkopf aus dem Amazonasgebiet versteigern. Dagegen wehren sich aber Stadt und Land. Grund: Laut Bestattungsgesetz sei der Schrumpfkopf ein Teil eines menschlichen Körpers und müsse daher auf einem Friedhof beigesetzt werden. Die Verwaltungsdirektorin des Friedhofsamtes erzielte zumindest einen Teilerfolg. Der Schrumpfkopf wurde drei Tage vor der Versteigerung aus dem Katalog entfernt. Auktionshaus-Anwalt Kaiser: „Das ist nicht nachvollziehbar. In Museen stehen Mumien. Soll man die auch beerdigen?“

Trotzdem wurde der Schrumpfkopf wieder an seinen Besitzer übergeben – und das passte den Behörden nicht. Die wollten das umstrittene Kunstobjekt nämlich genauer untersuchen und klären, ob es sich um einen echten menschlichen Kopf oder eine Fälschung handelt. Die Klage beim Prozess am Donnerstag drehte sich zunächst nur um die Frage, ob das Auktionshaus den Namen des in Stuttgart lebenden Besitzers herausgeben muss. Was mit dessen Schrumpfkopf passiert, haben nun ohnehin die dortigen Richter zu entscheiden.

Johannes Heininger

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