Schüler (14) an syrischer Grenze gefasst

IS-Dschihadist aus München: Hier predigt er am Stachus

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Der Junge im roten Kreis: Erkan bei der Koran-Verteilung am Stachus.

München - Ein Münchner Schüler macht sich auf die lange Reise nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen. An der türkisch-syrischen Grenze schnappt die Polizei zu. Wie die Fahnder dem 14-Jährigen auf die Schliche kamen:

Vier Tage dauerte seine Reise quer durch Europa von München in die Stadt Gaziantep im türkisch-syrischen Grenzgebiet. Zunächst noch in Begleitung einer eingeweihten Verwandten, die in Syrien einen IS-Kämpfer heiraten wollte. Doch an der türkischen Grenze wird der jungen Frau die Einreise verweigert. Und so kommt es, dass der zu dem Zeitpunkt noch 13-jährige Münchner Schüler Erkan seine Reise ins „Paradies“ alleine fortsetzen muss. Ein Journalist wird zufällig auf den Buben aufmerksam. Im Internetportal "Erasmus Monitor" schrieb er Erkans Geschichte auf:

Am Morgen des 24. Juli steigt er am „Otobüs Terminal“ im Zentrum von Gaziantep aus dem Reisebus. Den Kopf voller abenteuerlicher Träume für sein neues Leben als großer IS-Terrorist, in der roten Bauchtasche nur noch eine Flasche Wasser und 20 Lira. Noch am gleichen Tage wird er von türkischen Polizisten buchstäblich im letzten Moment an der Ausreise nach Syrien gehindert. Doch davon ahnt Erkan zu diesem Zeitpunkt noch nichts...

Erkans Mutter war die Erste, die bemerkte, dass sich der Bub plötzlich radikal veränderte. Er suchte die Gesellschaft aktiver Salafisten, schloss sich in München der „Lies!“-Organisation des Vereines „Die wahre Religion“ an. Es gibt Fotos und Videos, die den wesentlich älter wirkenden und großgewachsenen Erkan bei der Koran-Verteilung am Stachus und am Sendlinger Tor mit dem Prediger Ibrahim Abou Nagie zeigen. Er lächelt und streckt den Finger in die Höhe - zu Ehren Allahs und als Zeichen dafür, dass es nur einen Gott gibt. Der Mutter wird der ideologisch völlig verdrehte Sohn zunehmend fremd und unheimlich. Sie bittet die Behörden um Hilfe. Erkan zieht in eine Jugendunterkunft nach Dachau um. Dort verschwindet er am 20. Juli.

Kurz vorher hat er in München einem deutsch-türkischen Mann den Pass gestohlen. Erkan heißt jetzt Ali, passiert auf seiner mehrtägigen Zug- und Busreise problemlos sämtliche Grenzen. In Gaziantep jedoch passiert etwas, womit Erkan nicht gerechnet hat. Sein Kontaktmann, der ihn über die Grenze nach Syrien bringen soll, meldet sich nicht mehr. Völlig auf sich gestellt steht der in Deutschland geborene und kein Wort türkisch sprechende Bub mitten in Gaziantep auf der Straße und weiß nicht mehr weiter. Neben einem Pistazienstand entdeckt Erkan einige Computer. Er loggt sich bei Facebook ein, spricht in geradezu kindlicher Naivität auf der Suche nach einem Schleuser wahllos Fremde an, die er irgendwie mit dem Djihad in Verbindung bringt oder in Syrien oder dem Irak vermutet.

Dabei gerät er auf eines der vielen Fake-Profile von Polizisten und Reportern, die in dieser Szene aktiv recherchieren. Ein Journalist wird auf den Buben aufmerksam. Geistesgegenwärtig schlägt der Reporter unverzüglich bei deutschen Behörden Alarm. In München wird Erkan längst von der Polizei gesucht. Nun schaltet das BKA die türkische Polizei ein. Im Internet wird Erkan geschickt solange hingehalten, bis er in Erwartung eines Schleuser schließlich seinen Standort preisgibt. Am Nachmittag kommt die ersehnte Nachricht. Erkan wurde gefunden und ist in Sicherheit. Daheim in München bricht die Mutter fast zusammen – vor lauter Erleichterung.

Erkan wird in Kürze in München erwartet. Es wird ein langer Weg für ihn zurück in die Normalität – falls er überhaupt noch zugänglich dafür ist. Auf seiner Reise ist er 14 Jahre alt und damit strafmündig geworden. Ab jetzt muss er für all seine Handlungen geradestehen.

Was ist mit Elif (16)?

Im Februar verschwand die 16-jährige Elif Ö. (16) aus Neuried. Im April meldete sie sich bei ihrer verzweifelten Familie. Sie lebte damals in der IS-Hochburg Rakka in einem Frauenhaus, wollte nicht heiraten, den Koran studieren und ein religiöses Leben führen. Mittlerweile häufen sich die Hinweise, dass Elif angeblich doch einen ISIS-Kämpfer aus Frankfurt geheiratet hat und sich höchst aktiv an der Anwerbung junger Mädchen und Frauen im Internet beteiligt. In Deutschland wird gegen sie ermittelt, weil die logistische Unterstützung einer terroristischen Organisation unter Strafe steht.

Dorita Plange

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