Willys weite Welt

Isar-Indianer Michl wird 65 - das Geburtstags-Interview

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Im Einklang mit der Natur, auch mit 65: Willy Michl.

München - "Isarflimmern" – damit ist der begnadete Blues-Gitarrist und Isar-Indianer Willy Michl fest im kollektiven Gedächtnis der Münchner. Und nicht nur der. Unser Interview mit dem Geburtstagskind, das am Donnerstag 65 Jahre alt wird.

Herr Michl, wie fühlt man sich mit 65 Jahren? Geht’s jetzt in die Blues-Rente?

Willy Michl: Ich fühl mich gut, was anderes gibt’s nicht! In mir wohnt das ewige Kind, deshalb werde ich nicht alt und geh auch nicht in Rente. Keinesfalls! Das könnt’ ich mir als sogenannter Indie auch nicht leisten. Und selbst wenn ich steinreich wär, was ich leider nicht geschafft ­habe, würde ich das Gleiche machen wie jetzt. Ois is Blues – dafür lohnt sich das Leben.

Was war in all den Jahren der schönste Moment bei Ihren Konzert-Auftritten?

Michl: Wenn ich singe, dann vereinen wir – das Willy-Michl-Publikum und der Sänger – ihr Herz. Dann entsteht ein Trip, auf dem ich zu träumen beginne. Der dauert ungefähr dreieinhalb Stunden, und es is auch nach dem Konzert nicht vorbei. Fred Lichtmannegger – ein Musikmann, mit dem ich 1974 Blues goes to Mountain aufgenommen habe, sagte einmal: „Willy, das sind die Wellen. Und diese Wellen bestehen sogar schon vor den Konzerten, eigentlich immer, zwischen mir und meinem Jedi-Ritter-Publikum! Das is das Geilste, was es gibt!

Wenn der Willy Michl sich jemanden wünschen dürfte, mit dem er zusammen mal auf der Bühne stehen dürfte – wer wäre das?

Michl: Niemand!! Ich bin solo, und das ist okay! Trotzdem gibt es Musikfrauen und Musikmänner, die ich sehr liebe und verehre. Ich liebe die Musik und jene, die sie mit Herz und Verstand machen. Die Liste wäre zu lang, sie beginnt bei Vivaldi, Brahms, Werner Egk und Penderecki und endet noch nicht mit Jimi Hendrix oder Luciano Pavarotti – aber Bushido wär’s jedenfalls nicht! Wenn er jedoch plötzlich kommt, dann schick ich ihn auch nicht weg.

Wann, wo und wie ist das Lied „Isarflimmern“ entstanden?

Michl: Isarflimmern komponierte ich 1978 in Ramsau bei Berchtesgaden, im Schluchtweg an den Ufern des dortigen Schwarzecker Baches, der wie jedes Wasserl ein Bruder der Isar ist; ich kann mich genau erinnern: Es war ein sonniger Tag, und ich hörte das Wasser, und ich sah vor meinem inneren Auge die Ufer der Isar, und sie schickte mir ihr Lied. Heute ist es ein Gesang aller Isar-Indianer und der Menschen, die hier wohnen. Jedoch es wurde auch schon in New York in den Discos gespielt oder im Everest-Basislager und auf hoher See. Überall, wo Isar-Indianer sind.

Gibt es einen jungen Musiker, den sich der berühmte Willy Michl gern anhört? Vielleicht gar ein Blueser?

Michl: Ich mag die Songs meines Bruders Prinz Chaos II., der oft mit Konstantin Wecker unterwegs ist. Seine Lieder sind klug und beherzt, er will etwas zum Guten wenden, und es gibt viele junge Musikgeschwister in seinen Kreisen, die das auch wollen. Und das ist gut. Natürlich mag ich die Songs meines Bruders Konstantin Wecker, besonders die neuen Lieder seiner Scheibe Wut und Zärtlichkeit. Einmal war ich in seinem Konzert, da haben seine Zuschauer applaudiert, als ich den Circus Krone betrat, das hat mich berührt, und Konstantin stand dann bei mir in seiner Show und sang: Weil ich Dich liebe!! Das war wunderbar!

Wo sieht sich der Willy in 20 Jahren?

Michl: Ich wandere auf einem Träumerweg, das ist indianisches Denken, bei uns heißt Träumen was anderes – es ist eine geheimnisvolle Weise, die Wirklichkeit zu sehn. Ich werde dann singen und beten, und wenn ich in die andere Welt weiterziehe, werde ich lächeln, das ist mein Gesetz, egal, auf welche Weise es sein wird. Wo ich dann wirklich bin, kann man nicht genau wissen. Ich hoffe, ich werde singen für die Menschen, und das ist auch mein Gesetz.

Interview: Armin Geier

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