Freizeitkapitäne halten sich an keine Regeln

Große Gaudi, aber die Sicherheit geht baden: Das wilde Treiben auf der Isar

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In meinem Gummiboot bin ich der Kapitän: Auf der Isar herrschte am Samstag bei sommerlichen Temperaturen wieder Hochbetrieb. Die Leute waren mit allem, was schwimmt, in Massen unterwegs. Dass es für sie kaum Regeln gibt, beklagt Michael Rudolf Süß. Zum Beispiel beim Thema Alkohol. In München gibt es keine Promille-Grenze auf der Isar. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wo viele Touren in Richtung Landeshauptstadt starten, schon. Dort liegt sie bei 0,5 Promille. 

Es gibt viele Boote, aber fast keine Regeln: Während professionelle Anbieter für Schlauchboot-Touren mit immer schärferen Auflagen kämpfen, können sich private Kapitäne auf der Isar austoben.

Schiff ahoi auf der Isar: egal, ob im Mini-Schlauchboot, einer robusteren Variante oder auf einem wackeligen Floß. Am Samstag wurde es auf dem Fluss eng. Bei schwülen 28 Grad zog es die Leute aufs Wasser. Die Sicherheit geht dabei regelmäßig baden. Dass es für private Möchtegern-Kapitäne kaum Einschränkungen gibt, ärgert Michael Rudolf Süß. Der Germeringer bietet gewerblich Schlauchbootfahrten, Kanutouren und Rafting an – und kämpft mit den Auflagen des Bayerischen Wassergesetzes.

Professioneller Anbieter von Bootstouren kämpft mit Auflagen

Zu ihnen gehört etwa, dass jeder Touren-Teilnehmer eine Schwimmweste anziehen muss. Früher war der Schutz nicht obligatorisch. Jetzt muss Süß kräftig nachkaufen. „Und eine Weste kostet 35 Euro“, sagt er. Bei den Booten ist wiederum per TÜV-Stempel ein Sicherheits-Nachweis notwendig. Nur wenn alle Auflagen erfüllt werden, gibt es eine Genehmigung. „Die professionellen Anbieter werden kaputtreguliert“, klagt Süß. Wer privat fährt, könne dagegen machen, was er will. „Das passt nicht.“ Und es sei gefährlich.

Gefahr durch schlechtes Material und viele Rauschmittel 

Denn bei den Badebooten handelt es sich nicht selten um Billigvarianten vom Discounter. Deren Problem laut Süß: Das Vinyl ist zu dünn und nicht für einen Wildfluss geeignet. Schon Steine oder stachelige Sträucher könnten es beschädigen und zum Untergang führen. Doch selbst wer 200 Euro für ein besseres Modell ausgibt, ist laut Süß nicht auf der sicheren Seite. Seine Schlauchboote kosten das Zehnfache – und halten entsprechend mehr aus.

Michael Rudolf Süß bietet gewerblich Schlauchbootfahrten, Kanutouren und Rafting an.

Das schlechte Material ist für Süß die eine Seite, Rauschmittel sind die andere. Die Leute trinken, wenn sie gemütlich in ihren Booten liegen, schippern nicht selten betrunken den Fluss entlang. Die Fahrtüchtigkeit der Insassen überprüft niemand. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, in dessen Revier viele Touren in Richtung Landeshauptstadt starten, hat die Gefahr erkannt: Dort gilt auf der Isar seit diesem Jahr eine Pegel-Grenze von 0,5 Promille.

Vielerorts hatte das Badewetter am Wochenende eine anstrengende Seite: An den Seen gab es ein großes Parkchaos. Und das hat nicht nur die Autofahrer Nerven gekostet.

Am Starnberger See fliegen die Fäuste

Am Starnberger See blieb es nicht nur bei bösen Worten – dort flogen wegen der Parksituation sogar die Fäuste. Zwei Autofahrer stritten sich am Sonntag in Possenhofen um eine Parklücke. Schließlich schlug einer dem anderen mit der Faust ins Gesicht, berichtet Merkur.de* . Danach fuhr er einfach davon. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Zum Glück war die Frau da und aufmerksam: Zwei Afghanen wollten am 25. Juli die Isar überqueren. Einer der beiden Nichtschwimmer geriet in Not.

Weil ein knapp unter der Wasseroberfläche liegender Baumstamm Boote zum Kentern bringt, darf die Isar auf einem Teilstück nicht befahren werden.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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