Isar-Umbau: Die finalen Arbeiten laufen

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An der Isar wird wieder gebaggert. Bauarbeiter suchen nach Altlasten. Im Hintergrund der bereits renaturierte Bereich, rechts das alte Ufer.

München - Das letzte Kapitel der Isar-Renaturierung ist aufgeschlagen: Seit Dienstag laufen die Bauarbeiten für den letzten, 500 Meter langen Abschnitt nahe der Reichenbachbrücke.

 Zunächst schürft ein Bagger an der Reichenbachbrücke stichprobenartig die Erdschicht weg, um nach Altlasten zu suchen. Seit 2000 kamen bei der Isar-Renaturierung viele gefährliche Funde ans Tageslicht: Drei fünf Zentner schwere Fliegerbomben, Dutzende Stabbrandbomben, aber auch alte Reifen, Kochtöpfe, Grabsteine, Bauschutt. Das Bett der Isar diente einst als Kiesgrube, die dabei entstandenen Löcher als Müllhalde – was übrigens auch für Bombentrichter aus dem Krieg galt. Auf ihrem letzten Stück bekommt die Isar einen neuen Seitenarm, der unter der Reichenbachbrücke hindurch die kleine Isar mit Wasser versorgen wird und als Passage für Fische dienen wird.

Derzeit wird dieses Wasser unterirdisch geliefert. Vor der Mündung werden die jetzigen Steinufer durch Kiesbänke ersetzt. Der Zufluss plätschert über mehrere Stufen in die Tiefe, begleitet von einem Halbrund als Sitzstufen, wie an der Wittelsbacherbrücke. Zum Ausgleich für die Weiden am Ufer, die gefällt werden, werden sechs Weidengruppen gepflanzt. Die Bauarbeiten sollen bis Juni 2011 dauern, solange wird der Bereich für Radler und Fußgänger gesperrt. Mit diesem letzten Abschnitt enden zehn Jahre Isarplan; am Zoo hatte er begonnen.

München - auferstanden aus Ruinen

München - auferstanden aus Ruinen

In diesen zehn Jahren ist viel passiert: Im April 2003 ertrank ein Baggerführer (35), als sein Fahrzeug in die Isar kippte. Mehrere Hochwasserwellen wie im August 2005 haben die neuen Ufer überstanden, allerdings muss nach jeder Welle repariert werden. Parallel zum Isarplan wurde an der Wittelsbacher Brücke ein neuer Kabelschacht für die Telekom verlegt. An der Reichenbachbrücke entstand ein Tunnel für Kanal und Abwasser. Unter der Maximiliansbrücke wurde an den Kaskaden ein Kraftwerk eingebaut und nebenan die Fischtreppe erneuert.

Die neue Isar hat Vorbildcharakter: In den USA erwägt man, den durch eine Betonrinne fließenden L.A. River nach dem Vorbild des Isarplans zu renaturieren.

Johannes Welte

Isarplan

Unter dem Motto „Neues Leben für die Isar“ wird seit 2000 die Isar zwischen Großhesselohe und Deutschem Museum renaturiert. Der Stadtrat beschloss den Isarplan 1988, seit 1995 wurde er vom Wasserwirtschaftsamt München und dem städtischen Baureferat ausgearbeitet.

Der Isarplan soll dem Naturschutz ebenso dienen wie dem Hochwasserschutz. Ebenso sollen der Freizeit- und Erholungswert der Isar verbessert werden. Als Vorbild diente der naturnahe Flaucher. Das Flussbett der im 19. und 20. Jahrhundert kanalisierten Isar wurde aufgeweitet, die Ufer abgeflacht und Kiesinseln angelegt sowie Betonschwellen durch Bruchstein-Rampen ersetzt. Im acht Kilometer langen Umbaubereich wurden auch die Deiche, verbreitert und durch einen Betonkern verstärkt. Insgesamt kostet die Renaturierung 29 Millionen Euro, wovon der Freistaat 55 Prozent, die Stadt 45 Prozent tragen.

Auch nördlich der Stadt werden Betonwehre abgebaut und durch Stromschnellen aus Bruchstein ersetzt. Südlich der Stadt wurden Verbauungen entfernt, dort hat sich die Isar neue Kiesufer geschaffen. Außerdem bekommen die Isar mehr Wasser, was zu Lasten der Flusskraftwerke geht.

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