Paolo L. exklusiv in der tz

Isarmord: Domenicos Bruder kritisiert Kripo

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Die Trauer um Domenico L. († 31) ist riesig - so sieht es derzeit am Tatort aus. Sein  Bruder Paolo (kl. Bild) hat die Hoffnung fast schon aufgegeben, dass der Täter noch gefunden wird.

München - Fast fünf Monate ist der unfassbare Mord an der Isar nun her – und die Familie des Opfers Domenico L. (†31) kommt schlicht nicht zur Ruhe. In der tz kritisiert jetzt sein Bruder Paolo die Münchner Polizei.

„Ich werde nie verstehen, wie der Mörder nach der Tat einfach so wegspazieren konnte“, sagt der Bruder des Opfers, Paolo L. (33) der tz. Bislang hat sich die Familie, die in der süditalienischen Provinzhauptstadt Potenza lebt, nicht zu dem Fall geäußert. Jetzt spricht Domenicos Bruder erstmals in der tz: Der Rechtsanwalt setzt sich mit der Arbeit der Polizei vor allem in der Tatnacht auseinander – am Dienstag, den 28. Mai.

Mordopfer Domenico L.

Mittwochabend wollte die Polizei die Bevölkerung bei Aktenzeichen XY … ungelöst um Hilfe in dem ungeklärten Fall bitten (siehe Text unten): Ein Unbekannter in einem auffälligen langen Mantel sticht den jungen Ingenieur Domenico L. nieder – an einem lauen Frühsommerabend, in der Erhardtstraße am Isar-Radweg, der nahe Kulturstrand ist noch gut besucht. Der Täter hatte Domenicos Freundin im Vorbeiradeln angespuckt. Als der Italiener ihn daraufhin zur Rede stellen wollte, stach der Irre einfach zu und verschwand nach der Tat zu Fuß über die Corneliusbrücke.

„Die Polizei hat die Tat anfangs unterschätzt“, sagt Domenicos Bruder Paolo L. der tz. Die Ermittler hätten unmittelbar nach dem Verbrechen alle zur Verfügung stehenden Fahndungsmethoden ausschöpfen müssen, um den Mörder möglichst schnell zu fassen – zum Beispiel bei Personen-Kontrollen an der Isar, Auswertung der Videoüberwachung etwa in der U-Bahn.

Bruder Paolo verliert die Hoffnung

„Stattdessen ist Domenicos Verlobte stundenlang vernommen worden“, sagt der Bruder. Offenbar hätten die Ermittler eine Beziehungstat oder irgendeine Verbindung des Täters zu dem jungen Liebespaar vermutet – und auf die nachträgliche Ermittlung gesetzt. Weil es aber keinerlei Verbindung gibt, stecke die Polizei nun in Schwierigkeiten. Die Fernsehfahndung beweise, dass man nicht vorankomme. Der deutschen Polizei habe er immer vertraut. So langsam kämen ihm Zweifel.

Die Polizei gibt sich zurückhaltend – widerspricht aber dem Vorwurf. „Wir haben natürlich Verständnis für Äußerungen von betroffenen Angehörigen“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger. „Wir wollen ganz klar feststellen, dass direkt nach der Tat bei der Tatortarbeit, bei den Fahndungsmaßnahmen sowie der Ermittlungsarbeit alles getan wurde und getan wird, bis der Täter gefasst ist.“

Domenicos Bruder Paolo verliert dagegen langsam die Hoffnung. „Ich glaube kaum, dass der Täter noch geschnappt wird“, sagt der Anwalt. Man könne nicht beschreiben, was die Familie und die Verlobte noch immer durchmachen. Paolo L. weiß, dass sein Bruder nicht wiederkommt: „Ich kann aber nicht ertragen, dass sein Mörder seelenruhig frei herumläuft.“

Die Fernsehfahndung

Sachdienliche Hinweise bitte an die Polizei oder an die Soko Cornelius (Tel. 089/29 10-0): Mittwochabend wollten die Ermittler in der Fahndungssendung Aktenzeichen XY … ungelöst im ZDF den Fall noch einmal aufrollen. In einem vierminütigen Beitrag zeigt der Sender Bilder vom Tatort und einen Zeugenaufruf. Der Mörder ist etwa 1,75 Meter groß und von mittlerer Statur. Auffällig: Er trug bei der Tat einen langen, vielleicht sogar knöchellangen Mantel – an einem warmen Abend! Eine Belohnung von 10 000 Euro ist ausgesetzt. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise auch von Auswärtigen, die zufällig in der Nähe des Tatorts waren – so wie ein Zeuge aus Heidelberg, der sich erst kürzlich meldete (tz berichtete).

David Costanzo

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