Mumie mit Spinnenweben überzogen

Hinter dieser Tür saß drei Jahre lang ein Toter

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Hinter dieser Tür lag der Tote.

München - Roland G. liegt tot in einem Keller und wird erst drei Jahre später durch Hausmeister Nenad Matowic entdeckt. Der ist ebenso schockiert wie die meisten Nachbarn. "Gruselig" findet's einer.

Irgendwas riecht hier komisch! Als Nenad Matowic (39) am Dienstagmittag die Tür zum Hinterraum öffnet, ahnt er nichts Böses. Der Hausmeister muss die Kellerräume entrümpeln. Er leuchtet mit der Taschenlampe herum – plötzlich fährt ihm der Schreck in die Glieder. Auf einem Stuhl sitzt ein Mensch, völlig verwest! „Raus hier, raus hier! Eine Mumie!“, schreit Matowic seinem Kollegen zu und rennt in Panik hinaus.

Nenad Matowic (39) fand die Mumie

Wie sich herausstellt, ist der Verstorbene Roland G. (78), der im Hinterhof des Hauses in der schmucken Isartalstraße beim Roecklplatz (Isarvorstadt) sein Postfach hatte und 2001 zwei Kellerräume mit etwa 60 qm angemietet hatte. Die Polizei vermutet, dass der Mann eines natürlichen Todes gestorben ist und wohl schon über drei Jahre tot ist! Ein Anhaltspunkt für die Polizei war eine Ausgabe der tz vom Mai 2009, die vor dem Toten lag.

„Als ich runter geleuchtet habe, saß da ein Knäuel Mensch: gebückt auf einem Stuhl, mit beiden Händen auf einen leeren Bilderrahmen gestützt“, erzählt der Hausmeister der tz. „Er hatte Schuhe, Hemd, Hose und einen Mantel an, war aber mit Spinnenweben überzogen. Seine Haare hingen vornüber, lang und weiß. Das letzte Mal, als ich ihn gesehen habe, waren sie kurz. Wahrscheinlich sind sie nach dem Tod weitergewachsen.“ Die Polizei habe die Mumie mitsamt Stuhl und Bilderrahmen – versteckt unter einer Plane – abtransportieren müssen.

Den ersten Ermittlungen zufolge könnte der gebürtige Tscheche Roland G. in seinen Kellerräumen auch gelebt haben. „Er war seit Juli 2000 nirgends mehr gemeldet“, sagt Damian Kania von der Münchner Polizei . „Wir haben zwar kein Bett vorgefunden, aber eine Induktionskochplatte, eine Herdplatte und Lebensmittel. Es kann aber auch sein, dass der Herr irgendwo anders übernachtet hat. Die Ermittlungen laufen.“

In diesem Haus wurde die Mumie gefunden

Warum aber fiel der Tote so lange nicht auf? Kania: „Bis August 2012 wurde die Miete per Bankeinzug überwiesen.“ Erst als die Zahlung ausbleibt, versucht die Hausverwaltung nach dem Rechten zu sehen. Hausmeister Nenad Matowic: „Ich habe die Tür aber nicht aufbekommen, weil dahinter Müll und Kartons lagen.“ Also schreibt Matowic einen Brief nach dem anderen – bekommt aber nie eine Antwort. Schließlich heißt’s: Entrümpelung! Und Matowic macht den Grusel-Fund …

Matowic macht seine Horror-Entdeckung ganz schön zu schaffen, wie Ehefrau Ljobica (31) erzählt: „Er stand danach total unter Schock. Seither hat er Magenschmerzen und kann nicht schlafen.“ Auch die Nachbarn sind geschockt. Brigitte V. (44), die seit zweieinhalb Jahren im Haus wohnt, sagt: „Das ist so gruselig. Ich habe davor jeden Tag mein Rad abgestellt – und nichts gemerkt.“ Ein anderer Nachbar sagt zur tz: „Meine Kinder haben immer auf der Treppe davor gespielt.“ Kontakt zu Roland G. hatte keiner von ihnen. Offenbar hatte der Senior auch keine Freunde oder Verwandte, die ihn vermisst haben. Nicht einmal der Briefkasten ist übergequollen. Nachbarin Brigitte V. ist nachdenklich: „Das ist traurig. Alle leben nebeneinander vorbei – und keiner bekommt solch ein menschliches Schicksal mit.“

Nina Bautz

 

Jahrelang tot – und nicht entdeckt! Zwei weitere Schicksale:

30 Jahre im Baum

Er hing 30 Jahre lang unentdeckt im Baum: Im April 2009 wurde Paul L. (69) in einem Waldstück nahe seiner Heimatstadt Gündlkofen gefunden. Gefesselt an einen Baum in elf Metern Höhe! Er hatte im Juli 1980 einen Abschiedsbrief geschrieben: „Sucht mich nicht, ihr werdet mich nicht finden.“ Fast hätte er recht behalten. 2009 fand ein Spaziergänger sein Gerippe am Baum, an einem Kabel hing eine verrostete Pistole. Die Polizei konnte ihn schließlich anhand eines künstlichen Hüftgelenks identifizieren.

13 Jahre in Dusche

 Ein weitere Fall war im September 2009 bekannt geworden: Fast 13 Jahre nach seinem Verschwinden wurde die Leiche des Hausmeisters Otto B. (67) in einem Kellerraum seines Wohnhauses in Haidhausen entdeckt. Der Mann hatte sich im Oktober 1996 in einem ehemaligen Duschraum erhängt, der seit Jahren nicht mehr genutzt wurde. Erst als Wasserrohre in dem Gebäude an der Franziskanerstraße neu verlegt werden sollten, fand die Hauseigentümerin die mumifizierte Leiche in dem fensterlosen Raum.

 

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