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Ist das noch unser München? Teil 1 der Serie

Stadt der Zuagroasten und Singles: So haben sich die Münchner verändert

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Der Stachus im Jahr 1956: Damals konnte man noch durchs Karlstor fahren, rechts im Bild das „Amtliche Bayerische Reisebüro.“

Ist diese Stadt noch das München, das die Bürger wirklich wollen? Dieser Frage widmen wir uns in einer Serie. Lesen Sie hier in Teil 1: Wer in München lebt.

München! Da denkt man an eine Mass Bier am Chinaturm, den ewigen Stenz, Lederhosn und die Frauenkirche vor Alpenkulisse. Man denkt daran, dass München nicht nur eine wunderschöne Stadt ist, sondern auch ein ganz eigenes Lebensgefühl hat. „Mia san mia“ heißt es immer so schön. Aber auch an München ist der Wandel der Zeit nicht spurlos vor­übergegangen. Die Stadt hat sich teils gewaltig verändert – so leben heute drei Mal so viele Menschen hier wie im Jahr 1900. Wie viel München steckt eigentlich noch in München?

In der neuen Serie „Ist das noch unser München?“ gehen wir diesen Fragen auf den Grund. Wir beschäftigen uns mit diesen Themen:

  • Das Stadtbild: Wie sich der Blick auf die Stadt verändert hat und ob es eigentlich eine typische Münchner Architektur gibt
  • Einkaufen: Wie das Internet München verändert hat und wo man noch wie früher einkaufen kann
  • Gastronomie: Wo es noch alte Münchner Gerichte gibt und was heute in den Restaurants angesagt ist
  • Sprache: Wer heute überhaupt noch Bairisch spricht und was Sprachforscher vorhersagen
  • Sport: Damals und heute bei den Löwen und den Bayern – und wie sich der Vereinssport entwickelt hat
  • Gemütlichkeit: Ist München eigentlich noch griabig? Wir gehen der Frage auf den Grund
  • Stadtviertel: Wo sich in München besonders viel verändert
  • Schickeria: Gibt es die Bussi-Bussi-Gesellschaft noch – oder hat Helmut Dietl sie mit ins Grab genommen?

Die erste Folge dreht sich um die Menschen, die hier leben. Wie haben sich die Einwohnerzahlen verändert? Wer wohnt eigentlich in der Landeshauptstadt? Außerdem erzählen ein gebürtiger Münchner und ein Zuwanderer aus Georgien, was die Stadt für sie bedeutet und wie sie sich gewandelt hat.

Diese Aufnahme zeigt den Blick heute: Wo früher noch Autos fuhren, ist jetzt Fußgängerzone. Das typische Antlitz der Stadt ist aber geblieben.

Stadt der Zuagroasten und Singles

Groß und bunt – das ist München. 1,526 Millionen Menschen leben aktuell hier. Im Jahr 1369 waren es gerade mal 10.810. Zur Großstadt wurde München erst 1852, als die 100.000-Einwohner-Marke überschritten wurde. 1900 zählte München 499.932 Einwohner. Und die Stadt wächst weiter – wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den vergangenen fünf Jahren.

Zuwachs von außen: Ein Grund dafür ist der hohe Zuzug: Nur noch jeder dritte Einwohner wurde auch hier geboren. Und fast jeder zweite Münchner hat ausländische Wurzeln: 28,3 Prozent sind Ausländer, weitere 14,9 Prozent haben Migrationshintergrund. Macht insgesamt 43,2 Prozent. Menschen aus 180 Ländern leben in der Stadt zusammen. Laut Statistischem Amt hatten Ende 2016 437.164 einen ausländischen Pass. Der Großteil von ihnen (333.983) stammt aus dem europäischen Ausland, überwiegend aus der Türkei (39.011), Kroatien (35.573), Italien (28.276) und Griechenland (27.468), die anderen aus Afrika (19.323), den USA (15.808) und Asien (65.875).

Geboren 1988: Die meisten Münchner (294.797) sind nach Angaben des Statistischen Amtes zwischen 46 und 59 Jahre alt, gefolgt von den 65-74-Jährigen (132.352). Wobei der am häufigsten vertretene Jahrgang 1988 ist: 31.907 Münchnerinnen und Münchner sind in diesem Jahr geboren (Stand Ende 2016). Bei den Kindern am stärksten vertreten ist die Gruppe der 6-14-Jährigen (105.597). 95 Jahre und älter sind immerhin noch 2712 Münchner. Mit knapper Mehrheit haben die Frauen die Nase vorn: 50,5 Prozent der Bürger sind weiblich.

Singlehauptstadt: Die meisten Münchner (54,7 Prozent) leben allein. Der Anteil der Zwei-Personen-Haushalte liegt bei 24,9 Prozent. Bei der Verteilung auf die Stadtviertel hat Ramersdorf-Perlach die Nase vorn: Hier leben 113.898 Menschen. Schlusslicht ist Altstadt-Lehel (21.454) – wobei der Stadtbezirk auch viel kleiner ist.

Wenige Familien: Die Hälfte der Münchner sind ledig, 37,1 Prozent verheiratet. Die meisten Singles wohnen in der Maxvorstadt. Der Anteil der verheirateten Bewohner ist in Allach-Untermenzing am höchsten. Nur in 17 Prozent der Haushalte leben Kinder. Davon wiederum haben die meisten (53,1 Prozent) ein Kind, 36,2 Prozent zwei Kinder, 8,1 Prozent drei und 1,9 Prozent vier oder mehr. Laut Statistischem Amt zieht es Familien verstärkt ins Umland.

Dennoch wird München weiter wachsen: Jüngsten Prognosen zufolge werden bis 2035 voraussichtlich 1,851 Millionen Menschen hier leben.

„Der Start war hart“: Zurab Gvantseladze aus Georgien spielt Oboe bei den Symphonikern

Der Musiker Zurab Gvantseladze (26) stammt aus Georgien, spielt heute bei den Münchner Symphonikern.

Insgesamt 437.164 Ausländer leben derzeit in München – und jeder hat seine eigene Geschichte. Einer von ­ihnen ist der Musiker Zurab Gvantseladze (26). Er kam vor sechs Jahren aus Georgien hierher – ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Heute spielt er als Solo-Oboist bei den Münchner Symphonikern: „Der Start war hart, doch jetzt möchte ich aus München nicht mehr weg.“

Die Musik war schon immer sein Leben: Mit fünf fing er an, Geige zu spielen, mit acht nahm er ersten Oboenunterricht bei seinem Onkel, einem berühmten Musiker. Mit 16, nach dem Musikgymnasium, begann er mit dem Studium in Tiflis, wurde noch im selbsten Jahr Solo-Oboist des Georgischen National-Symphonie-Orchesters. 2012 zieht er schließlich der Karriere wegen von Tiflis nach München, studiert Oboe an der Hochschule für Musik und Theater.

„In Georgien hatte ich alles: Freunde, Eltern und ein Zuhause“, sagt Gvantseladze. „Hier war ich erst mal auf mich alleine gestellt, das war nicht einfach.“ Auch Deutsch lernte er erst hier. „Zum Glück hat Musik ihre eigene Sprache – da brauchte es am Anfang wenig Worte…“

In den letzten Jahren ist München eine zweite Heimat für Zurab geworden: „Wenn wir mit den Symphonikern unterwegs sind, freue ich mich, wieder heim zu kommen.“ Über die Musik hat er schnell Anschluss gefunden, mit einem Kollegen wohnt er in einer WG in der Dreimühlenstraße. „Da koche ich für Freunde gerne georgische Spezialitäten wie Auberginen mit Walnussoße.“ Sonst geht er viel in Bars oder Musikkneipen. München ist für ihn „die beste Stadt der Welt“: „Alles ist so sauber. Und ich kann überall mit dem Fahrrad hinfahren, brauche keinen Führerschein.“ In Georgien sei das Leben sehr laut: „Da fahren viele Autos, die Menschen sprechen sogar lauter.“ Seine Eltern in Georgien sieht er nur zwei bis drei Mal im Jahr. „Im August habe ich keine Konzerte, da fliege ich für ein paar Wochen heim“, berichtet Gvantseladze. „Zu Hause muss ich nicht üben, keine Hausarbeit machen und genieße einfach das Leben – das ist auch ein Heimatgefühl.“

Eins fiel dem 26-Jährigen sofort auf: In München geht alles ein bisserl zackiger als in seiner Heimat. „In Georgien leben die Leute mehr in den Tag hinein. Hier ist alles viel organisierter.“ Zwei Dinge allerdings vermisst er in München: „mehr Sonne und eine gute Livemusik-Kneipe mit Rock’n’Roll.“

„Die Gemütlichkeit schwindet“: Gerhard Ruhstorfer würde München aber trotzdem niemals verlassen

Gerhard Ruhstorfer ist Schuhplattler und wie seine Frau Gabriele Mitglied im Oberländer Heimatverein Almrausch-Stamm München.

Schuhplattln und Goaßlschnoizn: In den bayerischen Paradedisziplinen kann man Gerhard Ruhstorfer (57) nichts vormachen. Er ist ein Original: Geboren 1960 in der Mozartstraße, einen Katzensprung von der Wiesn entfernt, ging er schon mit der Lederhosn in die Schule und ist mittlerweile Ehrenvorplattler im Trachtenverein: „Ich liebe die Stadt und das bayrische Brauchtum!“

Seit 35 Jahren ist Ruhstorfer Mitglied im Oberländer Heimatverein Almrausch-Stamm München. Drei Millionen Mal, schätzt er, hat er sich bis heute auf die Schenkel geklopft. Mittlerweile allerdings plattelt der Außendienstmitarbeiter nur noch zu besonderen Anlässen: „In meinen besten Zeiten hatte ich um die 150 Einsätze im Jahr – das geht auf die Knie.“ In der heutigen Zeit sei der Trachtenverein keineswegs eine verstaubte Institution, sondern gebe Halt: „Der Trachtenverein vermittelt großes Zusammengehörigkeitsgefühl und kann dazu beitragen, dass sich die Menschen auch weiterhin wohlfühlen.“ Seine Söhne (31, 29) sind seit der Geburt im Trachtenverein. „Und meine zweijährige Enkelin tanzt auch schon, sobald zünftige Musik spielt.“

Seit über 30 Jahren wohnt er mit seiner Frau Gabriele in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Obergiesing. Alteingesessene Münchner sehe man immer weniger: In dem Mehrfamilienhaus sind die Ruhs­torfers mittlerweile eine der wenigen deutschen Familien. „Aber wenn man offen und respektvoll miteinander umgeht, klappt das Zusammenleben problemlos.“ Nebenan etwa lebt eine türkische Familie mit vier Töchtern: „Mit denen treffen wir uns im Hof zum Spielen, wenn unsere Enkelin zu Besuch ist.“

Auch sonst habe sich die Stadt sehr verändert. Den Mietwahnsinn etwa müsse die Politik in den Griff bekommen. „‚Auch der enorme Zuzug und der tägliche Verkehrskollaps werden immer schlimmer“, sagt Ruhstorfer. Und ihm fällt auf: „Die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Münchner Gemütlichkeit und die guten Umgangsformen weichen zunehmender Hektik und Respektlosigkeit, vor allem Älteren gegenüber.“ Trotzdem könnte er sich nie vorstellen, seine Heimatstadt zu verlassen: „Hier gibt es so schöne Fleckerl – man denke nur an den Marienplatz oder Viktualienmarkt.“ Sein Lieblingsplatz: der kleine Schrebergarten am Fasaneriesee, den ihm seine Schwiegermama vererbt hat. „Ich hoffe sehr, dass diese Grünflächen niemals für neue Wohngebiete geopfert werden.“

Lesen Sie hier die anderen Folgen unserer Serie „Ist das noch unser München?“:

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

Christina Meyer und Doris Richter

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