An Disco-Tür gescheitert

Richter weist Rassismus-Klage ab

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Hat verloren: Hamado Dipama im Gerichtssaal.

München - Hamado Dipama hat vor Gericht eine Niederlage erlitten: Der Afrikaner ist mit seiner Klage wegen Rassismus gegen den Münchner Club „Jack Rabbit“ gescheitert. Warum der Richter die Klage abgewiesen hat:

Der Richter sah es nicht als erwiesen an, dass Dipama wegen seiner Hautfarbe an der Tür des Clubs abgewiesen wurde. Der Ausländerbeirat nennt das Urteil eine „skandalöse Entscheidung“, die man „niemals akzeptieren“ wolle.

Wie berichtet, hatte Ausländerbeirats-Mitglied Hamado Dipama sechs Münchner Clubbetreiber verklagt. Vorausgegangen war ein Test, bei dem Dipama mit einem ebenfalls dunkelhäutigen Freund bei 25 Clubs Einlass begehrte - und 20 Mal abgewiesen wurde. Seine weißen Begleiter seien überall eingelassen worden, sagte Dipama. Er konstatierte eine „systematische Diskriminierung“ im Nachtleben und zog vor Gericht. Dabei beruft er sich auf das „Allgemeine Gleichstellungsgesetz“. Nun ist im Fall des „Jack Rabbit“ das erste Urteil gefallen.

Es lag im Prozess zunächst an Dipama, Indizien für eine Diskriminierung vorzuweisen - dann hätte der Clubbetreiber beweisen müssen, dass es diese Diskriminierung nicht gab. Der Richter sah aber nicht mal die Indizien als erwiesen an.

An der Tür des „Jack Rabbit“ waren die beiden dunkelhäutigen Männer von zwei Türstehern mit der Begründung „nur für Studenten“ abgewiesen worden. Kurz darauf wurden drei weiße Mitglieder der Gruppe eingelassen. Die Türsteher erklärten vor Gericht, sie könnten sich nicht an den Vorfall erinnern. Der Richter stellte am Ende fest, dass die Clubbetreiber ihre Türpolitik ausreichend dargelegt und dabei keinerlei Hinweise auf „systematische Diskriminierung“ geliefert hätten.

In der Urteilsbegründung, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es, die „negative Entscheidung der Türsteher“ könne „auf einer Fülle von Erwägungen beruht haben“, wie etwa „das Aussehen des Klägers, seine Stimmung, sein Auftreten“ und auch „schlichte Antipathie seitens des Türstehers, die nicht in der Hautfarbe des Klägers begründet war“. Ob diese Kriterien „sachgerecht sind oder nicht“, habe das Gericht nicht zu entscheiden. Eine Selektion nach Hautfarbe sei zwar nicht erlaubt - aber in diesem Fall eben auch nicht nachgewiesen. „Das Gericht weiß schlicht nicht, warum der Kläger abgewiesen wurde.“ Dass die Türsteher mit dem Studenten-Argument eine Lüge nutzten, um Diskussionen zu verhindern, könne das Gericht „aus deren Sicht nachvollziehen“. Sie hatten diese Formulierung als „Standardbegründung“ bezeichnet.

Der Richter betonte in seiner Entscheidung jedoch auch, das Gericht habe „den gefestigten Eindruck gewonnen“, dass es im Münchner Nachtleben das „Phänomen der Diskriminierung“ nach Hautfarbe gebe. Dies könne man aber nicht dem „Jack Rabbit“ anlasten.

Der Club sowie der Verband der Münchner Kulturveranstalter (VDMK) zeigten sich erleichtert über das Urteil: Es sei „richtungsweisend“ für die immer weiter zunehmende Zahl der Diskriminierungsvorwürfe, teilte der Club mit. Die Hautfarbe spiele bei der Einlasspolitik keine Rolle - dies sei aber im Zweifel für die Clubs sehr schwer nachzuweisen. „Unser Verband war und wird in dieser Richtung wachsam sein“, sagte der VDMK-Vorsitzende Alexander Wolfrum. Verbands-Justiziar Franz Erlmeier erklärte: „Wir begrüßen das Urteil, weil es unserer Meinung nach keine systematische Diskriminierung an Münchner Clubtüren gibt.“ Der Ausländerbeirat kündigte an, in Berufung zu gehen.

In einem anderen der fünf weiteren Verfahren sieht es für Dipama besser aus. Die Richterin erklärte zuletzt, sie sehe eine „überwiegende Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass Dipama aufgrund seiner Hautfarbe abgelehnt worden sei. Eine Sprecherin des Amtsgerichts betonte, die Bewertung hänge vom Einzelfall ab.

Ann-Kathrin Gerke

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