Thriller gehen anders

Gespenstisch schlecht: Die Jacksons in der Oly

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Gespenstisches Revival: (von links) Tito, Jackie, Marlon und Jermaine Jackson in der Münchner Olympiahalle.

München - Die Stones ohne Mick Jagger? U2 ohne Bono? Herbert ohne Grönemeyer? Klingt unmöglich, ist unmöglich. Die Jacksons probierten es trotzdem - und waren auch ohne Lichtgestalt Michael zu Gast in der gähnend leeren Olympiahalle.

„Michael ist nicht zu ersetzen“, verkündeten The Jacksons vor ihrem einzigen Deutschlandkonzert in der Olympiahalle – und traten auch gleich den Beweis an. Ohne das verblichene Familienheiligtum lieferten die vier Rest-Jacksons in der gähnend leeren Oly eine gespenstische Show ab, die mehr an eine verspätete Trauerkundgebung erinnerte. Das Ganze wirkte wie Muhammad Ali in der Spätphase seiner Karriere – man spürt noch die alte Größe, doch eigentlich ist alles nur noch traurig.

Kaum 2.000 unentwegte Jacko-Verehrer waren mit „Heal The World“-Transparenten in die Olympiahalle gemoonwalkt, um einen Hauch von IHM zu erhaschen. Denn das ist längst die Geschäftsgrundlage der schrägen Sippe – möglichst profitable Nachlassverwaltung. Und so spulten Jackie, Jermaine, Marlon und Tito ein Programm aus alten Hits ab, verwursteten „I Want You Back“ und „ABC“ in einem Medley.

Sie mühten sich tapfer – doch die Lieblosigkeit ließ sich nicht verbergen. Soul ohne Bläser mit kostengünstigem Synthie-Sound und eine Dia-Show wie im Shopping-TV hinter der Bühne. Dazu die Beweglichkeit der Uwe-Seeler-Gedächtnis-Elf. „Can You Feel It?“ Nö, leider nicht. Jubel und Kreisch nur bei Jacko-Bildern und schaumgebremsten Covers wie „Wanna Be Startin’ Something“. Am Ende: Keine Zugabe, Michael immer noch tot. Es gab schon vergnüglichere Trauerfeiern.

Jörg Heinrich

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