15 Jahre Haft für den Gasbomber!

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Der seit der Explosion völlig entstellte Wolfgang M. verbarg gestern vor Gericht sein Gesicht

München - Der Serienräuber, der sich auf der Flucht vor der Polizei in seinem VW-Bus in die Luft gesprengt hat, muss wegen versuchten Totschlags für 15 Jahre ins Gefängnis.

Im Prozess vor dem Schwurgericht München hatte Wolfgang M. (50) beteuert, er habe nur sich selbst das Leben nehmen und niemand anderen verletzen wollen. Der Vorsitzende Richter Michael Höhne sagte gestern jedoch, Wolfgang M. habe den Tod von fünf um seinen Wagen stehenden Polizisten billigend in Kauf genommen. Daher sei der Serienräuber auch wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Einen Mordversuch, wie ihn der Staatsanwalt angenommen hatte, vermochten die Richter nicht zu sehen.

Wie berichtet, hatte sich Wolfgang M. wegen seines Schuldenbergs von gut 500 000 Euro 2008 nach Italien abgesetzt. Als sein Geld zur Neige ging, reiste der Münchner immer wieder in seine alte Heimat, um Optikergeschäfte und Tankstellen zu überfallen. Am 16. August 2010 hatte er eine Bank in der Nähe von Augsburg ausgeraubt. Im Zuge der Ringfahndung stellte ihn kurz darauf die Polizei. Sieben Beamte standen um den VW-Bus und redeten auf ihn ein, er möge sich ergeben.

„Fünf der Beamten konnte er sehen“, sagte Höhne. Dennoch habe sich der Angeklagte dazu entschlossen, „seinen Plan in die Tat umzusetzen, einer Festnahme durch Freitod zu entgehen“. Wolfgang M. öffnete das Ventil einer Propangasflasche, ließ das Gemisch entweichen und zündete ein Feuerzeug. „Daraufhin breitete sich eine Druckwelle und eine Feuerwalze aus“, sagte Höhne.

Als das Auto in die Luft flog, wurde eine Polizistin weggeschleudert, andere Beamte erlitten Verbrennungen, Schleuder- oder Knalltraumata. Nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass kein Polizist schwerer verletzt worden sei, so Höhne. Der Angeklagte selbst erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades auf mehr als 30 Prozent der Haut und hat seither keine Nasenwurzel, Ohren, Haare und Fingerkuppen mehr.

Allein dieser desolate Gesundheitszustand sei der Grund, warum die Kammer davon abgesehen habe, zusätzlich die Sicherungsverwahrung für den Angeklagten auszusprechen. Wolfgang M. empfindet die Strafe auch so als zu hoch: „Ich habe mich selbst am Härtesten bestraft“, sagte er. Die Polizisten hingegen hätten doch „nur einen Sonnenbrand“ bekommen. Sein Verteidiger Karl-Heinz Seidl hat angekündigt, in Revision zu gehen.

Bettina Link

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