29 Jahre Justiz-Clinch

Millionen-Arzt wehrt sich

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Mediziner Bernd Schottdorf schlägt zurück

München - Bernd Schottdorf (73) gilt als einer der reichsten Ärzte Deutschlands, ist angeblich mehrere hundert Millionen Euro schwer. Seit 29 Jahren liegt er im Clinch mit der bayerischen Justiz.

Nachdem jahrzehntelang eine Ermittlung nach der anderen gegen ihn geführt wurde, schlägt der Augsburger Laborarzt jetzt zurück, klagt gegen Ermittler und den Freistaat: „Es gibt da Leute, die meine persönliche Existenz vernichten wollen“, sagt er.

Die ursprünglichen Vorwürfe gegen Schottdorf: bandenmäßiger Betrug. Er soll das komplizierte Abrechnungswesen der Krankenkassen reihenweise ausgehebelt haben. Jahrelang ermittelte die Sonderkomission Labor. Ob er wirklich betrügt oder einfach nur geschickt die Lücken des Systems ausnutzt, blieb bisher aber ungeklärt.

Am Donnerstag erschien Schottdorf vorm Oberlandesgericht München zur Berufungsverhandlung. Vor einigen Monaten hatte das Landgericht München I eine Klage Schottdorfs gegen den Freistaat abgewiesen. Es ging um Entschädigungen für fragwürdige Ermittlungsweisen. Beamte des Landeskriminalamts hatten etwa einen Brief an den Verband der privaten Krankenversicherer geschrieben und darin vor dem Mediziner gewarnt. In einem anderen Fall schrieb ein Beamter von einer privaten Mail-Adresse einen Mitarbeiter Schottdorfs wegen „Hintergrundinformationen“ an. Der Polizist war da aber bereits von den Ermittlungen abgezogen.

Das OLG stimmt zwar teilweise zu, räumt der Berufung aber schlechte Chancen ein. Der Mediziner will dennoch „den Weg zu Ende gehen“. Das Urteil wird am 4. Juli gefällt. Auch eine Verfassungsbeschwerde ist in Arbeit. Es ist die Antwort an diejenigen, die Schottdorf jahrelang als Betrüger bezeichneten.

JODL

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