Das Rotlicht-Milieu in Zahlen

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Die Zahl der Prostituierten in München hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt.

München - Das Prostitutionsgesetz von 2002 sollte die käuflichen Damen schützen. Die Polizei sagt nun: Genau das Gegenteil ist der Fall! Wir erklären, warum das Gesetz nur den Zuhältern hilft. Zudem gibt es neue Zahlen.

Zehn Jahre nach Einführung des Prostitutionsgesetzes im Januar 2001 haben Münchens Polizeipräsident Professor Wilhelm Schmidbauer und „Sitte“-Chef Uwe Dörnhöfer eine ernüchternde Bilanz gezogen. Schmidbauer: „Das neue Gesetz sollte den Prostituierten mehr Sicherheit und den sozialen Status ganz normaler Arbeitnehmerinnen geben. Das Gegenteil ist leider Fall.“ Viele Frauen nämlich kennen ihre Rechte gar nicht. Und sie wollen auch keine Steuern zahlen oder Altersrücklagen bilden. Sozialversicheruchungssysteme gelten in der Branche als wenig sexy. Das schnelle Geld zählt.

Und so blieb eigentlich alles beim Alten – außer, dass die Zuhälter das Gesetz für ihre Zwecke zu nutzen wussten. Fielen vor dem Jahr 2001 Vorschriften zu den Arbeitszeiten, Preisen, Praktiken und Arbeitsorten unter den Straftatbestand der „Förderung der Prostitution“, haben die Zuhälter nun als rechtlich geschützte Arbeitgeber weitgehend freie Bahn. Und das wird ausgenutzt. So erinnert sich Uwe Dörnhöfer an einen Fall in einem bekannten Münchner Bordell, in dem die Zuhälter den Frauen sogar gesundheitlich gefährliche Praktiken (Oralverkehr ohne Kondom) vorschrieben. Der Fall ist aber immer noch nicht rechtskräftig entschieden.

Ein weiteres großes Problem ist die Zwangsprostitution beziehungsweise der Menschenhandel. Zwölf Fälle fielen im letzten Jahr in München auf. Die Dunkelziffer muss enorm sein. Ausländische Frauen (siehe Kasten) werden von den Rotlichtbossen so schnell von Stadt zu Stadt gereicht, das sie nur kurz an einem Ort sind. Mit ständigen Milieu-Streifen versucht die Polizei, die Strukturen zu durchschauen. Nur selten gelingt es aber, das Vertrauen der Frauen zu gewinnen.

Schmidbauer fordert zum Schutz der Frauen eine Gesetzesänderung, die der Polizei zugleich mehr Befugnisse einräumen müsste. Die Erfolgsaussichten schätzt er selbst als äußerst gering ein: „Das passt gerade nicht in die politische Landschaft.“

Dorita Plange

Das Münchner Rotlicht-Milieu in Zahlen

175 Rotlicht-Betriebe gibt es zur Zeit in München: 134 Bordellwohnungen, 24 Bordelle, fünf FKK-Clubs, drei Laufhäuser, acht SM-Studios, ­eine Absteige und neun Straßenstriche. 2881 Prostituierte (im Jahr 2001 waren es erst 1226) arbeiten in München. Nur noch jede vierte ist eine Deutsche. Allein der Anteil der Rumäninnen hat sich seit der Ost-Erweiterung innerhalb eines Jahr mehr als verdoppelt. Von den 132 männlichen Prostituierten boten 128 ihre Dienste als „Frauen“ (Transvestiten und Transsexuelle) an. Nur vier arbeiten derzeit als Männer.

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