Beiträge für Krankenkassen steigen / Experten warnen vor zunehmender Altersarmut

Jahreswechsel: Für Rentner kommt's erstmal ganz dick

Für viele Rentner wird das Geld immer knapper.
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Für viele Rentner wird das Geld immer knapper.

Immer mehr Rentner müssen mit immer weniger Geld auskommen.

Und ab Januar kommt es für viele noch dicker: Dann tritt die Beitrags-Erhöhung für die gesetzliche Krankenkasse in Kraft – mit einheitlichen 15,5 Prozent. Wie eine Bundesstatistik zeigt, müssen so drei von vier Ruheständlern monatlich mehr abgeben. Von der Senkung des Beitrags bei der Arbeitslosenversicherung haben die Rentner ja bekanntlich nichts. Viele Experten – wie auch die VdK-Chefin Ulrike Mascher – sind stinksauer: „Es kann nicht sein, dass die Rentner schon wieder bluten müssen.“

Besonders da dies nicht alles zu sein scheint: Schon kündigen die Krankenkassen an, die Beiträge im Laufe des neuen Jahres vielleicht noch weiter zu erhöhen.

Die Quelle des Übels ist der ungeliebte Gesundheitsfonds. Er gibt den Kassen die Möglichkeit im Jahr 2009 – wenn ihr Geld nicht reicht – die Beiträge nochmals anzuheben. Und klar: Schon jetzt schätzt der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Josef Hecken, dass „rund 20 Krankenkassen Zusatzbeiträge ab Mitte des Jahres“ erheben werden. Dazu die Medikamenten-Zuzahlungen, die übliche Praxisgebühr, immer weniger Leistungen – besonders Ältere wird das hart treffen.

Wie hart zeigt das Beispiel von Manfred T. (76). Der Münchner bekommt eine Rente von 1150 Euro. „Das ist nicht viel, aber mehr als manch anderer“, sagt der ehemalige Maschinenbauer. Stimmt, denn damit liegt er über der Durchschnittsrente in Bayern von 975 Euro bei Männern. Von seinem Geld (das durch die Beitragserhöhung jetzt noch weniger wird) gehen nun für die Miete knapp 600 Euro weg, dazu Telefon, Heizung, Strom und MVV – da bleibt nicht viel zum Leben. „Da ich eine Hautkrankheit und Herzprobleme habe, muss ich im Monat fast 100 Euro an Medizin selber zahlen.“ Geld, dass der 76-Jährige eigentlich nicht hat. „Dieses ständige Geldausgeben für Medizin ist ein echtes Problem für mich.“

Nicht nur für ihn. Schon länger kritisiert auch der Münchner Sozialreferent Friedrich Graffe, dass die Zuzahlungen für immer mehr Armut sorgen. Besonders auch bei den älteren Bürgern, die Grundsicherung (375 Euro plus Miete und Heizkosten) bekommen, weil ihre Rente so gar nicht zum Leben ausreicht. „Die Armen leiden darunter, dass sie viele Gesundheitsleistungen, die sie brauchen, von der Krankenkasse nicht mehr bezahlt bekommen“, so Graffe. Die Zahlen sind alarmierend: Allein in den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl der über 65-jährigen Münchner, die Grundsicherung im Alter beziehen, um 15 Prozent nach oben geschossen – auf 9414 Menschen. Tendenz steigend!

Immerhin gibt es Hoffnung, dass es zumindest ab dem Sommer Entlastung für die 20 Millionen Rentner in Deutschland geben könnte. Zum einen denkt der Bund seit Montag über eine Rentenerhöhung von 2,75 Prozent nach. Beschlossen ist noch nichts. Und zum anderen spricht Gesundheitsministerin Ulla Schmidt laut darüber, den Kassen-Sonderbeitrag von 0,9 Prozent (der 2005 für alle Arbeitnehmer und Rentner eingeführt wurde, um Krankengeld und Zahnersatz zu finanzieren) zu streichen. Dann müsste nicht jeder 15,5 Prozent bezahlen – sondern 14,6 Prozent. Aber auch hier ist noch nichts entschieden.

Nur beim Wohngeld gibt’s ein Ergebnis. Das wird für ärmere Familien und Rentner erhöht: von im Schnitt 90 auf 142 Euro im Monat.

A. Geier

Quelle: tz

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