Wir testen Münchner Firma

Wunder-Lieferservice: Bringt "James, bitte" wirklich ALLES?

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Links der Chat-Verlauf von Patricia Kämpf, rechts der von Ramona Weise: Die blauen Häkchen belegen eindeutig, dass die Jungs von "James, bitte" die Anfragen gelesen und dann nicht mehr reagiert haben.

München - Eine Pizza Trüffel und einen der teuersten Champagner der Welt in einer Stunde auf die Zugspitze liefern? Nur schnell eine SMS oder WhatsApp-Nachricht schreiben und schon kümmert sich das Münchner Unternehmen "James, bitte" darum? Klingt verlockend - und deswegen haben wir den Lieferservice getestet.

Eine Flasche Armand de Brignac Brut Gold Champagner in einer Stunde auf der Zugspitze - kein Problem für "James, bitte". So steht es auf der Internet-Seite des Lieferservices, der wie ein privater Butler auf Knopfdruck funktioniert: Einfach schnell eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht schreiben und schon kümmern sich die fünf Jungs des Münchner Start-Up-Unternehmens "Doido" ("James, bitte" ist ein spezieller Service von "Doido") um jeden noch so ausgefallenen Wunsch. 

"Unser Motto lautet: Alles ist möglich", sagt Mateusz Warcholinski (28), Geschäftsführer von "James, bitte". Der Lieferservice erfüllt seinen Kunden alle Wünsche. Solange sie machbar sind. Und vor allem: legal.

"James, bitte" soll für Münchner einen Tiger besorgen

Die James' (v.l.): Mateusz Warcholinski, Dominic Wiedemann, Jiajian Xiao und Xin Ruan.

Kürzlich hatte ein Münchner die narrische Idee, mit einem Tiger durch die Stadt spazieren zu wollen, erzählt Warcholinski. "Wir arbeiten nun daran, das möglich zu machen", sagt der 28-Jährige. Seit "James, bitte" Anfang März an den Start ging, haben er und seine vier Kollegen auch nicht mehr so viel geschlafen. Um die 500 Anfragen kommen schon mal rein an einem Tag. Allerdings deutschlandweit - denn auch wer in Hamburg krank im Bett liegt und Pillen aus der Apotheke braucht, kann sich an "James, bitte" wenden. Dann organisieren die Jungs einen Lieferservice in Hamburg. Auch Österreicher und Schweizer können eine SMS oder WhatsApp an die Nummer 0152-13626199 schreiben. Sollte "James, bitte" noch keine Kooperation mit einem Lieferservice haben, dann schwingt sich Mateusz Warcholinski auch mal selbst aufs Radl. Neulich hat er in München einen Strauß Blumen vorbeigebracht, erzählt er.

Die Idee zur Butler-App kommt aus den USA. Dort heißt sie "Magic" und funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

So lautet die Theorie. Wir wollten testen, wie spontan und vor allem einfallsreich "James, bitte" auf besonders narrische Wünsche reagiert. Und so überlegten wir uns zwei völlig überdrehte Dinge: Ramona Weise bestellte sich ein Mittagessen in die Redaktion, kein gewöhnliches, sondern eines mit ganz speziellen Extras: Es musste nämlich geeignet sein für Gluten-, Laktose- und Histamin-Unverträglichkeit. Patricia Kämpf entschied sich für ein Autogramm von Uli Hoeneß aus dem Knast - auf einer aktuellen Ausgabe der tz als Geburtstagsgeschenk. Ziemlich knifflig.

Hier lesen Sie die Erfahrungsberichte der Redakteurinnen mit "James, bitte"

"Wow, so eine geile Idee! Ich checke das!" Das war die erste und völlig spontane Reaktion von "James, bitte" auf meine Anfrage nach einem Uli-Hoeneß-Autogramm. Und die kam nur eine Minute nachdem ich die WhatsApp abgeschickt hatte. Doch mit der anfänglichen Euphorie ging es stetig bergab.

Eine Stunde später schlug "James, bitte" mir Folgendes vor: 10 Euro für eine "Uli Hoeneß (Bayern München) Original-Autogrammkarte von Adidas". Weil es aber keine große Kunst ist, ein Autogramm auf einer Plattform im Internet zu bestellen, hakte ich sofort nach: Ist ein personalisiertes Autogramm auch möglich? "James, bitte" antwortete: "Das Autogramm ist von Uli Hoeneß vor circa 20 Jahren unterschrieben". Und dann kam der vielleicht unglaublichste Vorschlag: Ich könnte einfach selbst neben das uralte Autogramm einen persönlichen Text schreiben. Äh...NEIN!

Doch so schnell wollte ich natürlich nicht aufgeben. Deswegen schlug ich dem Online-Butler vor, doch an der Säbener Straße vorbeizugehen. Dort ist Uli Hoeneß als Freigänger in den vergangenen Wochen immer wieder gesehen worden. Dass der Lieferservice dafür weit mehr als 10 Euro will, war mir sofort klar - es waren dann 110 Euro. "Für den Preis werde ich alles Mögliche tun und dahin fahren", versprach mir "James, bitte". Allerdings kam auch eine kleine Einschränkung: Sollte Uli Hoeneß nicht da sein, würden sie einen Spieler des FC Bayern unterschreiben lassen. Ich bat um Bedenkzeit.

Ein Uli-Hoeneß-Autogramm auf die tagesaktuelle tz

Nach dem Wochenende meldete ich mich erneut bei "James, bitte" und schrieb: "Macht das." Besorgt mir das Autogramm für 110 Euro - und damit die Jungs nicht wieder auf die Idee kommen konnten, ein altes Autogramm aufzutreiben, stellte ich eine Forderung: Uli Hoeneß soll auf die tagesaktuelle Ausgabe der tz signieren.

Da merkte ich sofort, dass die Jungs nicht begeistert waren: "Hm, was wir besprochen hatten, war ein bisschen anders. Einen persönlichen Text auf ein bestehendes Autogramm." Und dann versuchten sie noch einmal, mir eine günstigere Hoeneß-Signatur aufzuquatschen. Ich ließ mich nicht darauf ein, schlug ihnen aber vor, im Fall der Fälle auch Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller unterschreiben zu lassen. Falls Uli Hoeneß gerade an dem Tag eben nicht an der Säbener Straße sein sollte.

Das Letzte, was ich von "James, bitte" dann noch hörte, war folgender Text: "OK, also es ist natürlich sicherer, zwei Autogramme von Hoeneß mitzunehmen, falls er nicht da ist." Ich fragte noch einmal nach, ob es klar geht und sie sich nun darum kümmern - und habe seither nichts mehr von "James, bitte" gehört. Drei Mal schickte ich noch eine WhatsApp. Doch auf eine Reaktion warte ich seit zwei Tagen vergeblich.

Patricia Kämpf

Sonderwünsche für ein warmes Mittagessen

Okay, ein bisschen quengelig hört sich meine Anfrage schon an. Ein warmes Mittagessen hätte ich gerne. Aber bitte geeignet bei Histamin- und Glutenunverträglichkeit. Ach ja, und Laktose tut mir auch nicht wirklich gut. Eine knackige Aufgabe für "James, bitte". Aber das Team verspricht, alle Wünsche zu erfüllen, so lange sie machbar sind. Auf meine Anfrage habe ich nach zwei Minuten eine Antwort: "Wir werden das heute checken", schreibt das Liefer-Team. Und will meine Adresse wissen. Außerdem fragen die Jungs, ob ich Präferenzen für mein Essen habe. Zu leicht will ich es ihnen nicht machen. Meine Antwort: Solange es nicht zu scharf ist, lasse ich mich gerne überraschen. "James, bitte" schreibt: "Ok, lass mich für dich nachschauen."

Es läuft gut an. Ob ich mein warmes Essen wohl schon heute Mittag geliefert bekomme? Eine Stunde später bekomme ich ein "Sorry" per WhatsApp: Es dauere ein wenig. "Kein Problem", schreibe ich. Und höre den ganzen Tag nichts mehr!

Was ist denn da los? Einen Tag später klopfe ich nochmal an. "Hallo, wie sieht es bei euch aus?", tippe ich in mein Smartphone. "Hallo. Wunderbar :-)", schreiben die Witzbolde zurück. "Auch mit meinem Essen?", frage ich. Die blauen Gelesen-Haken erscheinen sofort. Doch auf eine Antwort warte auch ich nun seit fast einer Woche vergeblich.

Ramona Weise

Unser Fazit

Dass vielleicht nicht alle Wünsche zu erfüllen sind - keine Frage. Dass unsere Wünsche absichtlich narrisch und durchgedreht und viel zu abwegig waren - geschenkt. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass Uli Hoeneß gerade an dem Tag am Trainingsgelände des FC Bayern ist, wenn einer der Jungs dort vorbei marschiert?

Auch wenn "James, bitte" mit einer Flasche Armand de Brignac Brut Gold Champagner auf seiner Homepage wirbt, die in einer Stunde auf die Zugspitze geliefert werden soll: Das Start-Up ist neu und da klappt mit Sicherheit vieles einfach noch nicht so wie es sollte. Der Grundgedanke zählt: "Alles ist möglich." Super Idee.

Nicht die feine englische Art ist es, wenn die Jungs von "James, bitte" - die sich ihren Namen vom berühmten britischen Butler James geliehen haben, der jedes Jahr an Silvester durch den Sketch "Dinner for one" stolpert - dann irgendwann nicht mehr auf Anfragen reagieren. So als hätten sie plötzlich die Lust verloren.

Selbst wenn das so sein sollte oder der Wunsch einfach nicht zu realisieren ist: Eine kurze Nachricht per SMS oder Whatsapp, dass das Projekt nicht klappt, muss einfach drin sein. Denn ein Lieferservice, der Blumen vorbei bringt und Autogrammkarten im Internet bestellt - das kann auch jeder selbst machen. 

Und das sagt "James, bitte"

Warum hat "James, bitte" auf unsere Anfragen nicht mehr reagiert? Wir haben das Unternehmen mit dem Test konfrontiert. "Hallo Ramona. Es tut mir wirklich leid. Wir hatten zu viele Anfragen bekommen", ihre Begründung, warum sie auf die Essens-Aufgabe nicht geantwortet haben. Außerdem sei ihr Handy kaputt gegangen. Sie bieten uns aber für die nächste Bestellung einen Rabatt an - den wir dankend ablehnen.

Das ist die Antwort von "James, bitte".

Beim Uli-Hoeneß-Autogramm war es ähnlich. "Wir haben eine unglaubliche Flut an Anfragen und bauen daher unsere Kapazitäten & Team aus. Individuelle Anfragen wie die für das Autogramm sind genau diejenigen, bei denen die Stärke von James rauskommt ... Ich kann dir gerne anbieten, dennoch diesen Service für dich und die tz zu erledigen." Diesmal schlagen sie uns vor, Uli Hoeneß, einen Spieler - oder irgendeinen FC-Bayern-Mitarbeiter zu erwischen. Aber auch das wollen wir nicht mehr.

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