85-Jährige begeistert ihr Publikum

Primatenforscherin Jane Goodall in München: „Das Zeitfenster schließt sich“

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Ikone der Artenschutzbewegung: Jane Goodall bei ihrem Vortrag im Fröttmaninger Showpalast.

Auf ihrer Vortragstournee „Reasons for Hope“ (Gründe zur Hoffnung) hat die Primatenforscherin Jane Goodall am Freitagabend das Münchner Publikum begeistert. Tags darauf traf sie sich mit den „Würmrangers“.

München - Die „Würmrangers“ sind Jugendliche, die sich in Goodalls „Roots & Shoots“-Projekt für die Natur an der Würm engagieren. Im Interview spricht die 85-Jährige über Artensterben, Zoos und ein Leben in Hotelzimmern.

Wenn man den UN-Bericht über das Artensterben betrachtet: Gehen die guten Entwicklungen, von denen Sie in Ihrem Vortrag sprechen, nicht zu langsam voran?

In der Tat. Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, um Entwicklungen wie dem Artensterben oder dem Klimawandel entgegenzuwirken. Dieses Fenster schließt sich! Mein Job ist es, mehr Menschen zu überzeugen, etwas zu tun.

Sie waren am Samstag mit jungen Umweltaktivisten unterwegs. Wie war’s?

Wunderbar! Die Kinder haben mir gezeigt, was sie an der Würm gemacht haben: Sie haben den Fluss von Müll befreit, mit Pflanzaktionen wieder wild gemacht. Jetzt lebt sogar der Biber wieder dort! Und diese Kinder kennen die Namen aller Pflanzen, die dort wachsen!

Begeistert vom Engagement der Jugend: Goodall mit den „Würmrangers“.

Werden diese Kinder bald in iner Welt ohne unseren nächsten Verwandten leben müssen?

Nein! In Gombe in Tansania, wo ich einst die Primaten erforschte, haben sich die Bestände erholt, seit wir die Bevölkerung dort mit ins Boot geholt haben. Wir helfen ihnen, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, ohne noch mehr Regenwald abzuholzen. Seit die Menschen dort verstanden haben, dass der Naturschutz auch ihr Leben besser macht, sind sie unsere Partner. Jetzt helfen sie uns, die Schimpansen zu schützen. Ohne die Bevölkerung auf unserer Seite zu haben, funktioniert es nicht! Wir machen derartige Projekte inzwischen in sechs afrikanischen Staaten – und dort erholen sich die Bestände der Tiere.

Was halten Sie von Öko-Tourismus? In Ruanda hat das geholfen, dass sich die Bestände der Berggorillas wieder etwas erholen konnten …

Solange der Tourismus streng kontrolliert wird! Wenn zu viele Menschen kommen, zerstören sie genau das, was sie sehen wollen.

Denkt nicht ans Aufhören: Jane Goodall im Interview.

Was denken Sie über Zoos?

Es gibt schreckliche Zoos, die sofort geschlossen werden müssten. Aber es gibt auch immer mehr sehr gute, wo die Tiere viel Platz haben und beschäftigt werden. Die Zoowärter dort tun alles für ihre Tiere – ganz anders als zu der Zeit, als ich jung war. Die Wildnis ist heute bedroht von Wilderern, Viehherden und Holzfällern. Wenn ich ein Schimpanse wäre, würde ich da lieber in einem guten Zoo leben. Das verstehen manche Tierrechtler nicht.

Sie sind 300 Tage im Jahr auf Vortragsreise. Würden Sie nicht lieber wieder im Dschungel oder in Ihrem Garten in England leben?

Ich kann nicht in mein altes Leben zurückkehren, weil die Welt in einem so miserablen Zustand ist. Wenn nicht nach jedem Vortrag Leute zu mir kämen, die mir sagen: „Sie haben mein Leben verändert“ – dann hätte ich längst aufgehört, nur im Hotel zu leben.

Was halten Sie von der Fridays-for-Future-Bewegung und Greta Thunberg?

Für unsere Roots & Shoots-Bewegung engagieren sich Hunderttausende junge Menschen weltweit – Greta Thunberg würde ich da gar nicht so sehr hervorheben. Ich weiß nicht, wie viele der Fridays-Aktivisten sich wirklich um die Umwelt scheren und wie viele nur schulfrei haben wollen. Aber Greta hat es geschafft, für den Klimaschutz Aufmerksamkeit zu erzeugen, ich will ihre Rolle da nicht schmälern. Die Kinder drängen ihre Eltern und Großeltern, Plastik zu vermeiden – das ist doch großartig.

Sie sind eine Ikone des Umweltschutzes. Sind Sie da nicht auch eine Symbolfigur für Leugner des Klimawandels?

Es laufen tatsächlich viele Verrückte auf der Welt herum. Vor einigen Jahren wollte ein Mann in den USA mit mir sprechen. Er fragte wirklich seltsame Dinge – irgendwas müssen die Security-Leute geahnt haben, denn sie kamen plötzlich rein und zerrten den Mann raus. Unter dem Sofakissen hatte er eine Waffe versteckt! Aber das war der einzige gefährliche Zwischenfall, der mir je passiert ist. Ansonsten lieben die Leute mich zu sehr.

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