Angst vor Strahlung: Japan-Gastspiel spaltet Bayerische Staatsoper

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Viele Musiker der Staatsoper wollen wegen der Angst vor Strahlenschäden im September nicht für einen Monat nach Japan reisen.

München - "Ich bin noch jung, ich will noch Kinder haben." Das ist eines der Argumente, warum viele Musiker der Münchner Staatsoper von Mitte September bis Mitte Oktober nicht nach Japan reisen möchten.

Es muss hoch hergegangen sein in der Personalversammlung der Bayerischen Staatsoper am Mittwoch. Thema: das von Mitte September bis Mitte Oktober geplante Japan-Gastspiel mit Lohengrin, Roberto Devereux und Ariadne auf Naxos. Zwei Drittel der rund 400 Anwesenden – so viele sollen nach Japan fahren – sprachen sich lauthals für eine Absage aus. Eines der Argumente: „Ich bin jung, ich will noch Kinder haben.“

Selbstverständlich wollen auch Intendant Bachler und Generalmusikdirektor Kent Nagano die Angst vor Strahlenschäden in dem von Erdbeben und der Atomkatastrophe erschütteten Land nicht klein reden. Sie hatten sich mehrerer Experten – etwa von Greenpeace und der Helmholtzgesellschaft für Strahlenschutz – versichert, die übereinstimmend die Belastung zurzeit für unbedenklich halten. Auch bestehe Lebensmittelsicherheit.

Nur: Die Staatsopernleute glauben es nicht. „Wer kann das so genau nachprüfen?“, hieß es etwa. Und wenn vor Ort doch etwas passieren sollte: „Steht dann die LH-Maschine bereit, die uns sofort wieder nach Hause bringt?“ Einige Orchestermitglieder hatten auf eigene Faust Erkundigungen eingezogen, die weit weniger optimistisch klangen. Das Haus möchte aber aus Solidarität und aufgrund der langen Zusammenarbeit mit Japan die Reise unbedingt antreten. Solange keine ausdrückliche Reisewarnung ausgesprochen ist, würde man sich auch vertragsbrüchig machen und sähe einen Betrag von mehreren Millionen an Entschädigungskosten auf sich zukommen, wurde argumentiert.

Klar ist aber: Niemand wird gezwungen, mitzufahren. Nur, zu welchem Preis? Wer zu Hause bleibt, soll unbezahlten Urlaub nehmen. Doch wer kann schon einen Monat auf sein Gehalt verzichten? Die Länge des Aufenthalts, für sehr viele sind das vier Wochen, erschwert die Entscheidung. Die Sänger müssen nicht so lange bleiben; Chor, Orchester und Technik aber schon. Im Augenblick ist die Metropolitan Opera aus New York in Japan. Die Häuser in Leipzig und Dresden sind raus aus ihren Verträgen.

Roland Schwab als geschäftsführende Direktor der Staatsoper schlägt gegenüber der tz versöhnliche Töne an: „Wir wollen unbedingt einen Riss durch die Belegschaft vermeiden, und klar ist auch: Mensch geht vor Material und Geld.“ Ob München fährt, ist denn auch noch keineswegs sicher. Schwab: „Alle Vereinbarungen gelten nur zum Stand von heute. Wenn sich die Lage verändert, muss man neu überlegen.“

Im Haus bestehen Zweifel, ob etwa die Gruberova oder Jonas Kaufmann mitfahren. Noch stehen sie auf der Liste, aber Kaufmann hatte ja bereits das New York-Gastspiel abgesagt. Insgesamt zwei Drittel der Opernleute, Stand Freitag, sagen: „Wir fahren nicht“.

Beate Kayser

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