Wie Japaner bei uns reagieren – und warum

München - Wer derzeit in München mit Japanern ins Gespräch kommt, den mag die vermeintliche Entspanntheit verwundern, mit der unsere Gäste aus Fernost mit der Tragödie in der Heimat umgehen.

Wir sprachen dazu mit Tetsu Tanimura, dem Gründer und Organisator des Deutsch-Japanischen Stammtisches in München.

Lesen Sie auch

Greenpeace: Japan gefährdet eigene Bevölkerung

Kernschmelze: Regierung widerspricht sich selbst

Japan kämpft gegen atomaren Super-GAU

Fukushima: Kühlung in drei Reaktoren ausgefallen

Fukushima: Behörden weiten Evakuierungsradius aus

Bericht: Kernschmelze in Fukushima

Japan: Explosion am AKW Fukushima 1

THW schickt erste Hilfsmannschaft nach Japan

„Erster Punkt: Japaner sind immer um Gruppen-Harmonie bemüht“, erklärt Tanimura. „Und deswegen werden sie gegenüber Fremden niemals ihre wahren Gefühle zeigen.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt der japanischen Mentalität: das Gesicht wahren. „Wenn mich ein Arbeitskollege fragen würde, wie es mir geht, und mein Vater wäre vergangene Nacht gestorben, so würde ich trotzdem sagen: ,Danke, mir geht es gut.‘ Wir wollen andere nicht mit unserem Leid belasten, keine negative Energie ausstrahlen. Sie in Deutschland können nach Italien flüchten, wenn Ihnen alles gegen den Strich geht. Wir Japaner nicht. Wir sind ein Inselstaat. Wir mussten lernen, hierzubleiben und in Gemeinschaft zu überleben.“

Gegenseitiger Respekt ist äußerst wichtig. „Wir haben immer Respekt vor der Oberschicht und natürlich vor älteren Menschen. Echte Freundschaften sind ein langer Prozess: Nur Freunden erzählt man von persönlichem Leid. Dennoch versuchen wir auch in solchen Situationen stets zu zeigen: Danke, mein Freund, dass es dich gibt.“

Sorge um Familie

Tatsuya Makita , 24, aus Ciba

Ich komme aus der Nähe von Tokio und arbeite seit einer Woche hier. Ich sorge mich sehr um meine Familie und bin schockiert. Bislang konnte ich sie nicht erreichen. Aber ich denke, es geht ihnen wohl gut, wir sind Erdbeben ja gewöhnt.

Tatsuya Makita, 24, aus Ciba

Genieße Urlaub

Meiner Familie in Japan geht es gut. Ich habe bereits mit ihnen gesprochen. Wir kommen aus Tokio, da war das Erdbeben nicht so schlimm. Ich sorge mich viel mehr um mein Land. Dennoch versuche ich jetzt noch so gut wie möglich, die eine Woche Urlaub zu genießen.

Kei Ueyama, 23, aus Tokio

Erdbeben in Japan: Tag 2 nach der Katastrophe

Ein Jahr nach dem Beben: Diese Fotos werden wir nie vergessen

Rubriklistenbild: © Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
S-Bahn: Verkehrslage auf Stammstrecke normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare