Doppelt so viele wie die Arbeitnehmer im Bundesdurchschnitt

Jeden Tag melden sich 2300 Stadt-Mitarbeiter krank

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Bei der Stadt München ist der Krankenstand hoch.

München - Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind viel kränker als der Rest der Münchner.

Zumindest melden sich die kommunalen Angestellten sehr viel häufiger arbeitsunfähig als der Durchschnitt – und zwar mehr als doppelt so häufig! Das geht indirekt aus einer Stadtratsanfrage hervor.

Ganz konkret lag der Krankenstand in der Stadtverwaltung demnach im Jahr 2007 bei 7,5 Prozent. Durchschnittlich meldeten sich also jeden Tag über 2200 der 30.000 Stadt-Mitarbeiter krank! Noch einmal über dem Schnitt lag das Sozialreferat mit einem Krankenstand von 7,8 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit blieben laut Gesundheitsministerium seinerzeit 3,22 Prozent der Arbeit fern.

In seiner Anfrage hatte CSU-Stadtrat Marian Offman eigentlich wissen wollen, ob und warum im Sozialreferat immer so viele Mitarbeiter krank sind. In der Antwort kommt heraus: Die sind bei der ganzen Stadtverwaltung so anfällig…

Mehr noch: Im Jahr 2008 stieg der Krankenstand bei der Stadt auf 7,8 Prozent an, wie das Personalreferat auf Anfrage der tz mitteilte. Bundesweit war der Anstieg nur halb so groß – auf 3,37 Prozent. Die Stadt-Angestellten sind also noch einmal anfälliger geworden – statistisch gesehen sagen jetzt jeden Tag über 2300 Mitarbeiter: Chef, ich kann nicht kommen!

Der Vergleich fällt für die städtischen Angestellten noch schlechter aus: Denn im ganzen Freistaat und in der Landeshauptstadt sind die Arbeitnehmer eigentlich sogar gesünder als der Rest der Republik. Das belegen immer wieder Studien der größten Krankenkassen AOK und DAK. Und selbst im Vergleich mit anderen Stadtverwaltungen bleibt unser Rathaus überdurchschnittlich krank. Die AOK hat im Jahr 2007 den Krankenstand von 5,1 Prozent im öffentlichen Dienst im Freistaat ermittelt, bundesweit waren es 5,2 Prozent – im Vergleich zu den damals 7,5 Prozent bei der Stadt München!

Beim Personalreferat der Stadtverwaltung sind diese Unterschiede bekannt. Für das Jahr 2007 sind die Daten sogar eigens noch einmal von der AOK untersucht worden. Zwei Ursachen seien gefunden worden, sagt Personal-Sprecherin Isolde Schwarz-Krieger der tz: „Die Stadt hat einen höheren Anteil älterer Beschäftigter – ein Drittel sind älter als 50 Jahre. Und wir haben einen höheren Anteil an Schwerstarbeitern als andere Städte – Kanalarbeiter oder Müllmänner.“ Tatsächlich sind ältere Arbeitnehmer häufiger krank als jüngere und Schwerarbeiter häufiger als Bürohengste. Ob diese zwei Punkte den riesigen Unterschied zwischen Stadt und Durchschnitt vollständig erklären, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Nur zum Vergleich: In der AOK-Studie gelten Kanalarbeiter und Müllmänner als anfälligste Berufsgruppe – aber auch sie kommen nur auf einen Krankenstand von bundesweit 6,3 Prozent.

David Costanzo

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