Vermieter lehnen Schwangere ab

Weil sie Mama wird: Jenny (24) findet keine Wohnung

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Zahnarzthelferin Jenny ist schwanger und findet kein Zuhause

München - Hat unsere Weltstadt wirklich Herz? Jenny (24) zweifelt daran – sie findet einfach keine Wohnung. Am Geld scheitert es nicht. Vermieter lehnen sie ab, weil sie ein Baby erwartet!

Jenny ist 24 Jahre alt und wird im Herbst zum ersten Mal Mutter. Deutlich wölbt sich der Babybauch unter der schwarzen Bluse der jungen Frau. Doch ihre Vorfreude ist getrübt. Erst ging die Beziehung zu ihrem Freund in die Brüche, jetzt findet sie keine Wohnung. Seit dem Frühjahr sucht sie – vergeblich. „Die Vermieter wollen keine Alleinerziehende“, klagt sie und setzt nun ihre Hoffnungen auf die das Immobilienportal immowelt.de mit seiner Initiative Verändere Deine Stadt.

Als Jenny nach der Trennung im April zu ihrer Mutter ins Dachauer Hinterland zog, hatte sie gehofft, dass es nur für kurze Zeit sein würde. Denn um zu ihrer Arbeitsstelle im Süden der Landeshauptstadt zu kommen, muss sie pro Strecke anderthalb Stunden im Auto sitzen. Die 24-Jährige arbeitet dort als einzige Vollzeitkraft in einer kleinen Zahnarztpraxis. „Ich werde auf jeden Fall ein Jahr nach der Geburt wieder anfangen.“

"Sobald ich sage, dass ich schwanger bin, kommt die Absage"

Dass es nicht einfach wird, in der Stadt mit den höchsten Mieten Deutschlands eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit rund 50 Quadratmetern zu finden, war Jenny schon klar. „Aber ich würde auch ins Umland ziehen – selbst wenn es keinen S-Bahn-Anschluss gibt. Eine halbe Stunde Autofahrt rund um Unterhaching wäre kein Problem.“ 740 Euro Warmmiete kann die Arzthelferin aufbringen. Bis jetzt blieb die Wohnungssuche dennoch erfolglos: „Sobald ich sage, dass ich schwanger bin, kommt die Absage“, erzählt sie. Die Begründungen sind haarsträubend: „Manche meinen, es sei ihnen zu gefährlich, weil ich dann nicht zahlen kann. Andere sagen, dass sich die älteren Leute im Haus gestört fühlen könnten.“

Jenny kämpft mit den Tränen: „Ich habe doch einen Job, ich werde auch wieder arbeiten und einen Teil der Miete übernimmt pro Familia, falls es anfangs wegen einer Teilzeittätigkeit nicht reicht.“

Im September kommt das Baby, es wird ein Mädchen, sie soll Pia heißen „Ich wünsche uns, dass wir bis dahin ein Zuhause haben“, sagt Jenny. Denn nur so kann sie sich auch einen Krippenplatz sichern, um bald wieder arbeiten zu können. Ein Teufelskreis, dem sie versucht, mit Hilfe von Verändere Deine Stadt zu entkommen. Jenny gibt nicht auf: „Irgendwo muss sich in der Weltstadt mit Herz auch ein Vermieter mit Herz finden.“

Falls Sie, liebe Leser, helden können, melden Sie sich unter lokales@tz.de oder Tel. 089/53 06 522.

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