"Habe mich fahrtauglich gefühlt"

Jet-Pilotin betrunken im Auto: Verurteilt

+
Kam in Piloten-Uniform zum Prozess: Michaela S.

München - In München auf der Anklagebank saß eine 32-jährige Pilotin, die mit 1,46 Promille am Steuer eines Autos erwischt worden war! Sie fliegt von München aus mit großen Jets Langstrecke auf der ganzen Welt.

„Das macht mir Angst und bange“, sagt Richterin Alexandra Seitz entsetzt – „ich mache doch auch Flugreisen.“ Auf der Anklagebank sitzt eine 32-jährige Pilotin, die mit 1,46 Promille am Steuer eines Autos erwischt worden war! Sie fliegt von München aus mit großen Jets Langstrecke auf der ganzen Welt.

„Ich habe mich fahrtauglich gefühlt“, sagt die Angeklagte Michaela S. (Name geändert), die am 10. November 2013 in der Rosenheimer Straße in eine Polizeikontrolle geriet. Mit der Fahrtauglichkeit war’s dann allerdings wohl doch nicht so weit her – die Pilotin blieb mit ihrem BMW an einer Verkehrsinsel hängen, als die Beamten sie herauswinkten.

„Sie wollte ihr Auto nur ordnungsgemäß abstellen“, sagte ihr Anwalt Sewarion Kirkitadse. S. war an jenem Tag vom Flohmarkt im Kunstpark gekommen. Sie habe mit Bekannten Sekt getrunken. Eigentlich hätte ihr Lebensgefährte fahren sollen, doch der habe plötzlich dringend auf die Toilette gemusst. Er habe den BMW am Taxistandplatz abgestellt. „Die Taxifahrer haben geschimpft, ich wurde angehupt“, so die Angeklagte. „Ich war gezwungen, weiterzufahren.“

Gegen einen Strafbefehl von 45 Tagessätzen zu 150 Euro legte die Pilotin Einspruch ein. Anwalt Kirkitadse wollte den Sachverhalt, der von üblichen Fällen erheblich abweiche, im Urteil festgestellt haben. Warum? „Es ist für ihr berufliches Parallelverfahren von großer Bedeutung.“ Die Luftfahrtbehörde habe bereits ein Verfahren eingeleitet. Michaela S. muss um ihre Pilotenlizenz bangen.

Bei der Anzahl der Tagessätze ließ die Richterin nicht mit sich handeln, sie ging aber bei der Höhe auf 125 Euro runter. Damit liegt die Geldstrafe bei 5625 Euro. Den Führerschein kriegt die Pilotin erst im September wieder. Alexandra Seitz: „Man kann nur hoffen, dass so etwas in der Luft nicht passiert.“

Eberhard Unfried

Auch interessant

Kommentare