Mit Gutscheinen sicher nach Hause 

Jetzt also doch: München bekommt ein Frauen-Nacht-Taxi

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Frank Kuhle, Chef der Taxi München eG, freut sich über das neue Angebot. 

München soll ein Frauentaxi bekommen. Das hat gestern die Taxikommission in einer Sondersitzung entschieden. Die Grünen hatten vor geraumer Zeit beantragt, das Taxi, das der Sicherheit von Frauen dienen soll, einzuführen und es etwa Städten wie Hannover gleichzutun.

Der Münchner Nahverkehr ist gut aufgestellt – Busse und Trams fahren sogar nachts. Doch die Nachtlinien erreichen nicht jeden Winkel der Großstadt. Taxen schon, und in München sind sie Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Die Grünen hatten schon vor geraumer Zeit beantragt, sogenannte Frauentaxis in München einzuführen und es etwa Städten wie Hannover gleichzutun. In Niedersachsen gibt es das Konzept bereits seit 1994. Es sieht vor, dass die Stadt Fahrten von Frauen bezuschusst, die nachts sicher mit dem Taxi nach Hause oder zur nächsten Haltestelle kommen wollen – statt zu Fuß. Oder weil sich die Damen das Taxi nicht leisten können. Zuletzt hatte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) von Chef Thomas Böhle (SPD) das Konzept jedoch abgelehnt – auch mit Verweis auf den Isartiger, das Taxi-Angebot der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Nun wird die SPD-Fraktion es jedoch mittragen. 

Die Taxikommission hat gestern einstimmig für ein Pilotprojekt votiert. Der Stadtrat muss noch entscheiden, die Zustimmung gilt aber als sicher. Einführung wäre ab dem 1. Januar 2021. Anders als in Hannover ist in München geplant, die Nutzung des Frauen-Nacht-Taxis nicht an die Haltestellen des ÖPNV zu koppeln, eingestiegen werden kann überall innerhalb des Stadtgebietes, der Zielort der Fahrt darf jedoch auch außerhalb liegen, und es sollte sich um eine Wohnadresse handeln, damit soll „Discohopping“ vermieden werden. 

Das Angebot richtet sich an Frauen ab 16 Jahre an allen Wochentagen zwischen 22 und 6 Uhr. Bei der Bezahlung der Fahrt können die Frauen dann einen Gutschein abgeben. Dieser hat einen Wert von fünf Euro, in Hannover 2,50 Euro. Bis zu drei dieser Scheine können sich Frauen in München dann ab dem 1. Januar bei den Bürgerbüros, Sozialbürgerhäusern, der Gleichstellungsstelle oder der Stadtinformation abholen. Die Taxifahrer wiederum reduzieren dann den Fahrbetrag um die fünf Euro und rechnen die Differenz mit der Stadt ab. Die Verwaltung kalkuliert mit Kosten von rund einer Million Euro. Das Projekt soll zunächst ein Jahr laufen, die Verwaltung wird mit einer Evaluierung beauftragt, mit deren Fazit sich der Stadtrat im Anschluss abermals befassen wird. SPD-Fraktions-Vize Christian Vorländer sagte unserer Zeitung: „Wir sind von dem Konzept überzeugt. Das Angebot ist gut geeignet, das Sicherheitsgefühl für Frauen zu erhöhen. Wir sind zuversichtlich, dass das Angebot auch genutzt wird.“ 

SPD-Stadträtin Bettina Messinger sagte gestern: „Es ist eine unbürokratische Lösung. Auch wenn München die sicherste Großstadt ist, ist es wichtig, dass wir dazu beitragen, dass subjektive Sicherheitsempfinden zu verbessern.“ Auch bei den Münchner Taxlern kommt das Projekt gut an. 

Frank Kuhle, Chef der Taxi München eG sagte auf Anfrage: „Das Konzept ist rasch umsetzbar und ermöglicht einen einfachen Zustieg. Das Projekt wird sicher wohlwollend aufgenommen.“ Wäre dies der Fall, könnte man auch überlegen, von den Gutscheinen auf eine App-Lösung umzustellen. „Wir leisten jedenfalls einen positiven Beitrag zur Sicherheit unserer Damen.“

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