Jetzt auch in Bayern

Fachambulanz für Gewaltverbrecher eröffnet

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Der Mitgeschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks München, Günther Bauer, die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) und der Leiter der Fachambulanz für Gewaltstraftäter, Markus Feil eröffnen die Fachambulanz für Gewaltverbrecher.

München - Gewaltverbrecher bekommen in Bayern eine erste Anlaufstelle für ihre Therapie nach der Haft. Die Nachsorge soll die Rückfallgefahr senken - und damit auch den Schutz für die Opfer verbessern.

München (dpa/lby) - Mit einer psychotherapeutischen Fachambulanz für Gewaltstraftäter will Bayern die Rückfallgefahr mindern und für mehr Sicherheit sorgen. Justizministerin Beate Merk (CSU) und der Vorstand der Inneren Mission, Günther Bauer, eröffneten am Mittwoch in München die bayernweit erste Einrichtung. „Gewaltverbrechen sind immer wieder entsetzliche Realität“, sagte Merk. „Ebenso entsetzlich real ist es leider, dass die Täter mitunter Wiederholungstäter sind.“

Ein Psychotherapeut und ein Sozialpädagoge sollen sich in der vom Evangelischen Hilfswerk getragenen und vom Freistaat finanzierten Ambulanz vor allem um Verbrecher kümmern, die aus der Sicherungsverfahrung entlassen werden oder nach langjähriger Haft unter Führungsaufsicht stehen. Nächstes Jahr soll eine Ambulanz in Nürnberg ihre Arbeit aufnehmen, eine dritte ist in Würzburg geplant.

Die neuen Ambulanzen werden in den selben Räumen untergebracht wie die bereits seit einigen Jahren bestehenden Einrichtungen für Sexualstraftäter in München, Nürnberg und Würzburg. „Die guten Erfahrungen bei der Behandlung von Sexualstraftätern wollen wir jetzt auf den Bereich der Gewaltstraftäter übertragen“, sagte Merk.

2008 wurde in München eine Fachambulanz für Sexualstraftäter eröffnet.

In den Ambulanzen für Sexualtäter werden derzeit etwa 250 Klienten betreut, knapp 100 davon in München. Zehn Prozent der Klienten kämen freiwillig, sagte Leiter Markus Feil. „Ich bin überzeugt, dass diese Art der Arbeit viel mehr bringt als wegsperren.“

Er warnte aber vor zu großen Hoffnungen. Die Gefahr von Rückfällen könne erheblich gemindert werden. „Das bedeutet aber nicht, dass wir jeden einzelnen Rückfall verhindern können“, sagte Feil. „Wir werden also mit Fehlschlägen rechnen müssen.“ Gerade das erste Jahr nach der Haftentlassung sei ein „Hochrisiko-Jahr“.

Bisher sei es für entlassene Gewalttäter schwierig, eine Therapie zu finden, sagte Merk. „Nur wenige niedergelassene Therapeuten sind bereit, die Behandlung von Straftätern zu übernehmen.“

Auch in der Ambulanz sei die Besetzung der Stellen nicht einfach gewesen, räumte Feil ein. Für Notfälle gibt es einen Alarmknopf. Die Gefahr für die Therapeuten sei aber gering, jeder Fall werde genau verfolgt. Die Klienten kommen in der Regel einmal die Woche, in den Zimmern stehen Stühle - und eine Couch.

Bayern habe viel für Resozialisierung und Minderung der Gefahren durch Straftäter getan, sagte Merk. Sie verwies unter anderem auf die elektronische Fußfessel. Auch diese biete aber keine absolute Sicherheit. „Der zuverlässigste Opferschutz ist immer noch die erfolgreiche Resozialisierung eines Täters.“

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