Obwohl Logistikzentrum geplatzt ist

Jetzt doch! Stadt lässt ihr Haus räumen

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Die Bewohner des alten Tramwärterhäuserl müssen ausziehen. Von der Lokalbaukommission heißt es, das Haus sei nicht für Mietwohnungen genehmigt

München - Ärger um das ehemalige Tramwärterhäuserl an der Großmarkthalle! Die 15 Bewohner müssen sich eine neue Bleibe suchen, weil die Stadt das Gebäude räumen und abreißen lässt.

Und das, obwohl das bislang an seiner Stelle geplante Speditionsgebäude gar nicht gebaut wird!

Das Haus mit der Nummer 32 an der Schäftlarnstraße war bis in die Nachkriegszeit ein Wohngebäude für Mitarbeiter der Münchner Tram, bevor das Depot vor Ort aufgelassen und das Grundstück dem Großmarkt zugeschlagen wurde. Danach vermietete die Großmarkthalle das Haus – mit moderner Zentralheizung und auch ansonsten zeitgemäßer Ausstattung.

Im vergangenen Herbst dann die Hiobsbotschaft für die 15 Bewohner: Das Haus sollte für ein neues Logistikzentrum weichen – weil sich auf anderen freien Flächen des Großmarktes Eidechsen eingenistet hatten.

Doch inzwischen haben sich die Pläne der Firma zerschlagen. Und das Kommunalreferat veranlasst trotzdem die Räumung.

„Das Haus ist in einem schlechten Zustand, es gilt als Abrissobjekt“, sagt Bernd Pank, Sprecher des Kommunalreferates. „Wir haben für die Bewohner neue Wohnungen gefunden. Ein älterer Herr fand selbst eine neue Wohnung, zwei Familien müssen noch untergebracht werden.“

Außerdem habe die Lokalbaukommission jetzt festgestellt, dass das Haus nur für Werkwohnungen genehmigt sei, jedoch nicht für Mietwohnungen. Tatsächlich sei dieser Fehler, der schon seit den 50er/60er-Jahren bestehe, erst jetzt aufgefallen. „Es hat eine Weile gedauert“, sagt Plank.

Die Stadt will das Gelände der Großmarkthalle sanieren und neu planen – und dabei könnte das ehemalige Tramwärterhäuserl einem Neubau im Weg stehen. Allerdings droht nach der Räumung erst einmal jahrelanger Stillstand. „Bis das Grundstück des Wohnhauses neu bebaut wird, werden mindestens noch zehn Jahre ins Land ziehen“, heißt es aus dem Stadtrat.

Darum hat der Fraktionssprecher der CSU im Bezirksausschuss Sendling, Michael Kaiser, kein Verständnis für die Entmietung auf dem Großmarkt: „Wir suchen händeringend in der Stadt nach Wohnraum, da ist es nicht nachvollziehbar und unverständlich, wenn man hier ohne Not ein Wohnhaus räumt.“

Das Kommunalreferat geriet erst kürzlich in Erklärungsnot, weil es in der Müllerstraße und in der Pestalozzistraße drei Häuser zum Teil schon seit Jahrzehnten verkommen und leer stehen lässt.

Johannes Welte

München Architektur: Stadtentwicklung und Stadtgestaltung

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