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Der große tz-Report

Jetzt kommen die Einbrecher: Täter, Tricks und Tipps

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Die Täter machten in diesem Jahr bereits eine Beute von 3,2 Millionen Euro.

München - Mit der Zeitumstellung beginnt wieder die Hochsaison der Einbrecher: Das müssen Sie über Einbrecher und den besten Schutz gegen Einbrüche wissen: Der große tz-Report.

Mit der Nacht auf Sonntag kommt die Winterzeit – das bedeutet nicht nur eine Stunde länger Schlaf, sondern auch die Garantie: Die Einbrecher schlafen nicht, sondern werden jetzt richtig aktiv! Der Münchner Polizei-Vizepräsident Werner Feiler warnt zum Tag des Einbruchschutzes: „Zur früheren Dämmerung steigt auch die Zahl der Einbrüche.“ Aber er vermeldet auch Erfreuliches: In den ersten neun Monaten 2015 sind die Einbrüche (1077) im Vergleich zum Vorjahr (1515) um fast 30 Prozent zurückgegangen. „Das sind rund 450 Taten weniger“, so Feiler. Der Schaden ist dennoch enorm: Die Täter machten Beute im Wert von 3,2 Millionen Euro!

Trotz des Rückgangs der Einbrüche: „Jeder Einbruch ist einer zu viel“, sagt Werner Feiler. Sein Appell an die Münchner: „Wir bitten die Bürger auch weiterhin, aufmerksam zu sein und auch bei Zweifeln sofort den Notruf 110 zu wählen.“

Was Sie über die Vorgehensweise der Einbrecher wissen sollten – der große tz-Report:

Die Täter: In der Regel arbeiten die Einbrecher zu zweit, reisen als organisierte Banden für die Taten nach München. „Bei den festgenommenen Täter handelte es sich meist um Osteuropäer im Alter zwischen 19 und 60 Jahren“, erläutert Thomas Fichtner. Er ist Kriminaldirektor und Leiter des Kriminalfachdezernats 5 für Einbruchskriminalität. Mitunter jedoch sind auch junge Frauen auf Beutezug.

So gelangen die Täter in die Wohnungen und Häuser: Die Einbrecher halten Aussschau nach gekippten Fenstern und Balkontüren, die sie in Sekundenschnelle mit Schraubendrehern oder Stemmeisen aufhebeln. Der Erste Kriminalhauptkommissar Arno Helfrich, Leiter des Kommissariats Prävention und Opferschutz, warnt deshalb: „Eine gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster.“ Aber auch eine Wohnungstür, die nur ins Schloss gezogen wurde, ist kein Hindernis für Profis. Mit gebogenen Plastikarten sind diese Türen ruckzuck offen!

Zu diesen Uhrzeiten kommen die Kriminellen: Mehrfamilienhäuser in der Stadt sind eher tagsüber im Visier der Einbrecher, wenn die Bewohner in der Arbeit sind. Die Täter ziehen durch die Häuser und schlagen spontan zu. Einfamilienhäuser hingegen werden eher in der Dämmerung und nachts heimgesucht. Diese Täter kundschaften die Gegebenheiten oftmals vorher aus.

So geht die Polizei gegen die Einbrecher vor: Die Prognosesoftware Precobs liefert Daten, wo in Zukunft mit Einbrüchen gerechnet werden muss. Mit Pferdestreifen ist die Polizei in diesen Bereichen präventiv vor Ort. Verkehrskontrollen vor allem von Fahrzeugen mit osteuropäischen Kennzeichen dienen ebenfalls der Prävention.

So wird das Haus sicher gegen Einbrecher

Wenn die Tage kürzer werden, haben Einbrecher Hochkonjunktur. Schützen Sie deshalb Ihr Haus vor Diebstählen. Auf der Internetseite www.k-einbruch.de bekommen Sie wertvolle Tipps, um die eigenen vier Wände noch sicherer zu machen:

  • Sichtschutz: Ganz egal ob Gartenzaun, Mauer oder Hecke – die Hauptsache: Schützen Sie sich! Eine Begrenzung des eigenen Grundstücks stellt für Einbrecher immer eine erste Barriere dar.
  • Garage: Ein beliebter Eingang bei Einbrechern: Von der Garage aus versuchen sie, über die Verbindungstür ins Haus zu gelangen. Auch Gegenstände aus der Garage werden dann mitgenommen.
  • Haustüre: Logisch aber häufig vergessen: Die Haustüre beim Verlassen immer abschließen! Ein Umbau oder Neukauf von besonders einbruchhemmenden Spezialtüren kann sich auszahlen.
  • Rollläden: Handelsübliche Rollläden lassen sich ganz einfach nach oben schieben. Bringen Sie deshalb unbedingt Zusatzsicherungen an. Besser: Sichern Sie gleich die Fenster selbst.
  • Terrassentür: Nur kurz zum Bäcker? Auch Zeiträume von wenigen Minuten nutzen Profidiebe eiskalt aus. Deshalb sollten immer alle Fenster und Türen geschlossen und nicht gekippt sein.
  • Kellerfenster: Kellerfenster lassen sich oft besonders leicht erreichen. Die meisten Konstruktionen kann man binnen weniger Sekunden aufhebeln. Spezialbeschläge schaffen Abhilfe.
  • Fenster: Fenster sind immer die sensibelsten Stellen eines Gebäudes. Sind sie dann auch noch leicht erreichbar – etwa über einen Balkon – ist besondere Vorsicht geboten. Investieren Sie!
  • Balkontür: Vorsicht beim Balkon! Stellen Sie unbedingt sicher, dass sich in der Nähe keinerlei Aufstiegshilfen befinden. Sie laden Einbrecher förmlich dazu ein, in Ihr Haus einzudringen.

Versicherung gegen Einbruch: Darauf sollten Sie achten!

Der Bund der Versicherten macht sich für die Rechte von über 50 000 Mitgliedern stark. In der tz erklärt Sprecherin Bianca Boss, wie man sich gegen Einbruch richtig versichert.

Welche Art von Versicherung greift bei Einbruch?

Bianca Boss: Eine Hausratversicherung. Sie beinhaltet in der Regel ein ganzes Paket an möglichen Schadensursachen – neben Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel auch Einbruch/Diebstahl.

Was kostet eine Hausratversicherung ungefähr?

Bianca Boss: Das hängt unter anderem von der Versicherungssumme und dem Wohnort ab. Wäre der Hausrat beispielsweise bis zu einem Wert von insgesamt 80 000 Euro versichert, müsste man in München circa 120 Euro im Jahr bezahlen.

Was fällt alles unter Hausrat?

Bianca Boss: Wertsachen wie beispielsweise Schmuck oder Münzen, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände, Sport- und Freizeitgeräte. Für Fahrräder können spezielle Zusatzpolicen sinnvoll sein.

Wie kann ich die Chance erhöhen, dass die Versicherung im Schadensfall auch wirklich zahlt?

Versicherungs-Expertin Bianca Boss. 

Bianca Boss: Es ist ganz wichtig, vor allem für teure Wertgegenstände Kaufbelege aufzuheben. Sinnvoll ist es auch, Fotos zu machen. Dabei sollten sie nicht nur einzelne Gegenstände fotografieren, sondern am besten auch Überblicksaufnahmen machen – zum Beispiel vom eingeräumten Wohnzimmerschrank, von der Kommode oder Vitrine. Man kann auch einen kurzen Film mit dem Handy drehen. Speichern Sie die Aufnahmen nicht nur auf dem Laptop zu Hause. Denn wenn der Computer auch gestohlen wird, haben Sie nichts in der Hand. Besser ist es, die Bilder auf einen Stick oder eine Speicherkarte zu ziehen und sie beispielsweise von Freunden oder Verwandten aufbewahren zu lassen.

Was sollte man beim Abschluss einer Hausratversicherung beachten?

Bianca Boss: Schauen Sie unbedingt ins Kleingedruckte! Optimal wäre es, wenn die Versicherung auf den sogenannten Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet. Sonst kann es sein, dass im Schadensfall weniger bezahlt wird – etwa dann, wenn Sie vergessen haben, das gekippte Fenster zu schließen.

Interview: Andreas Beez

Einbrecher: Ein Münchner Opfer berichtet über den Horror in den eigenen vier Wänden

Es ist 17.30 Uhr, als Achmed Ergin seine Wohnungstür im vermeintlich sicheren Lehel aufschließt. „Na sowas! Da hab ich doch heute Morgen glatt vergessen abzusperren“, dachte er sich noch …

Einbruchsopfer Achmed Ergin (62).

Der Finanzberater kommt an diesem Sonntag im Jahr 2013 eine Stunde früher als üblich von der Arbeit nach Hause („Ich fühlte mich nicht wohl“). Etwa eine unterbewusste Vorahnung? In der Diele stehen Schubladen offen, Ergin wird stutzig. Als er im Schlafzimmer den aufgehebelten Schminktisch seiner Frau entdeckt, schießt es ihm in den Kopf: „Einbrecher!“ Sofort alarmiert der 62-Jährige die Polizei. Die Beamten finden wenig später heraus: Wäre Ergin eine halbe Stunde früher nach Hause gekommen, hätte er die Einbrecher auf frischer Tat ertappt! „Was dann passiert wäre, möchte ich mir nicht vorstellen“, sagt Ergin.

Die Versicherung kam am Ende für einen Schaden von 35 000 Euro auf. Auch Bargeld fehlte – für Ergin nur Nebensache. „Geld kann man wieder verdienen. Was schmerzt, sind die Erbstücke. Da hängen Emotionen dran.“ Fünf Armbanduhren hatte er im Schminktisch seiner Ehefrau verstaut. Nur zwei davon waren richtig wertvoll. „Und genau die haben sie gestohlen.“

Dasselbe bei den Perlenketten: „Meine Frau hatte echte Perlen aber auch Imitate. Jetzt dürfen Sie raten, welche davon sie mitgenommen haben.“ Obwohl die Polizei zwei Wochen später einen Franzosen und eine Italienerin im Alter zwischen 16 und 19 Jahren festgenommen hatte, ist sich Ergin sicher: „Da war ein Profi dabei. Die wussten genau, wonach sie suchen mussten.“

Ergin und seiner Frau erging es wie vielen Einbruchsopfern – sie waren sich der Gefahr überhaupt nicht bewusst. Der Finanzberater sagt: „Ich dachte, unsere Türen seien sicher.“ Mit Gittern an den Fenstern und Zusatzschlössern an der Wohnungstür hat das Ehepaar inzwischen seine eigenen vier Wände sicherer gemacht.

Ein Grundmisstrauen bleibt jedoch. „Ich bin da nicht so empfindlich“, sagt Ergin. „Bei meiner Frau ist das anders. Sie bleibt seitdem nur ungern alleine zu Hause.

Johannes Heininger

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