Ude jetzt vor Seehofer: Gigantische Ermutigung!

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Ministerpräsident Horst Seehofer (l.) und OB Christian Ude

München - Nur drei Wochen, nachdem er seinen Hut in den Ring geworfen hat, überholt Christian Ude den Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Im tz-Interview zeigt sich der OB verzückt.

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Umfrage: CSU in Bayern nur noch bei 41 Prozent

Schock für die CSU: Zwei Jahre vor den Landtagswahlen in Bayern liegt einer Umfrage von Forsa zufolge erstmals ein SPD-Herausforderer vor einem CSU-Ministerpräsidenten! Nur drei Wochen, nachdem er seinen Hut in den Ring geworfen hat, ist es Münchens OB Christian Ude (63) tatsächlich gelungen, Horst Seehofer (62) zu überrunden: Er könnte derzeit mit 42 Prozent Zustimmung rechnen, Seehofer läge nur bei 39 Prozent – wenn die Menschen den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten. Was für eine Watschn!

Aber es kommt noch schlimmer: Wären heute Landtagswahlen, dann stünden die CSU und ihr Koalitionspartner FDP vor einem Debakel: Laut Forsa-Institut, das im Auftrag des Stern von 15. bis 26. August 1007 Bayern befragte, käme die CSU auf 41 Prozent, die FDP würde mit drei Prozent den Einzug in den Landtag verpassen. Und die Oppositionsparteien SPD (21%), Grüne (16%) und Freie Wähler (10%) hätten mit 47 Prozent eine klare Mehrheit!

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt war nach Bekanntwerden der Umfrage wortkarg. „Wir nehmen jede Umfrage sehr gelassen, einen zweijährigen Dauerwahlkampf wird es nicht geben“, bemühte sich der sonst so angriffslustige CSU-Politiker, die Zahlen herunterzuspielen. FDP-Fraktionsvize Karsten Klein sagte, es sei grundsätzlich problematisch, wenn bundes- und landespolitische Umfragen verknüpft würden.

Die Opposition jubelt. SPD-Landeschef Florian Pronold: „Bayern ist in Bewegung. Tatsächlich sind die Zeiten, in denen die CSU mit absoluter Mehrheit regierte, wohl endgültig vorbei.

Franz Josef Strauß sagte einmal: „Wenn man an eine große bayerische Partei denkt, dann fällt keinem der Begriff SPD ein, geschweige denn FDP oder gar noch was anderes. Man braucht den Namen CSU gar nicht zu erwähnen, man braucht nur von der großen bayerischen Partei zu reden. Dann hat jeder vor sich: Bayern, die weiß-blaue Rautenfarbe, das Bild unserer Landschaft, das Bild unseres Himmels und den Begriff der christlich-sozialen Union.“ Es klingt wie aus einer anderen Zeit.

Wolfgang de Ponte

Ude im tz-Interview: „Eine gigantische Ermutigung“

Herr Ude, was sagen Sie zu der neuen Forsa-Umfrage?

Christian Ude: Natürlich freut mich das sehr. Das zeigt, dass die Landtagswahl dieses Mal wirklich ein offenes Rennen ist. Man sollte Umfragen zwar nie überschätzen, und Meinungsbilder können sich ändern. Doch das Umfrage­ergebnis ist eine gigantische Ermutigung und ein enormer Rückenwind, über den sich Bayerns SPD freuen kann.

Haben Sie während des Urlaubs mit der Partei über die Kandidatur geredet?

Ude: Ich bin ständig in Kontakt mit führenden Persönlichkeiten der Bayern-SPD, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Wie sind die Reaktionen innerhalb der Partei?

Ude: Ich spüre nirgendwo in der SPD Gegenwind. Es ist eine echte Welle der Zustimmung vorhanden – von allen Seiten, in allen Regionen. Das ist eine Aufmunterung und Verpflichtung.

Für wen?

Ude: Für mich. Wenn die bayerische SPD meine Kandidatur will, dann kommt sie.

Wann soll die Kandidatur beschlossen werden?

Ude: Der Aufstellungsparteitag für den Spitzenkandidaten ist im nächsten Sommer. Aber wenn der Landesverband mich nach der Sommerpause auffordert, als Kandidat zur Verfügung zu stehen, ist das eine Grundlage, auf der ich dann arbeiten kann.

Wie wollen Sie mit Grünen und Freien Wählern regieren, wenn Sie im Gegensatz zu denen die dritte Startbahn am Flughafen befürworten?

Ude: Ich kann nicht zwei Meinungen vertreten. Ich habe allerdings in einem Interview gelesen, dass Herr Aiwanger von den Freien Wählern der Meinung ist, dass das Thema bis zur Landtagswahl entschieden ist.

Könnten Sie das Thema nicht bei den Koalitionsverhandlungen ausklammern?

Ude: Das hat in München mit den Grünen bislang immer geklappt.

Interview: Johannes Welte

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