"Es war eine schöne Zeit"

Joachim Lorenz: Abschied vom letzten Grünen

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Joachim Lorenz (65) war der erste und vorerst letzte grüne Stadtminister – jetzt geht er in Ruhestand.

München - Das letzte grüne Urviech geht! Joachim Lorenz tritt – als allererster und vorerst letzter grüner Referent einer Rathaus-Regierung - seinen wohlverdienten Ruhestand an. Die tz blickt zurück.

Noch bevor er auf der Stadtministerbank Platz nehmen konnte, sorgte er für einen Skandal: Der designierte grüne Umweltreferent Joachim Lorenz forderte 1993, Autos aus der Innenstadt auszusperren, wenn die Stinker zu viel Benzol in Luft blasen. Was für eine Aufregung! 22 Jahre danach geht Lorenz (65) in Ruhestand – als allererster und vorerst letzter grüner Referent einer Rathaus-Regierung, mittlerweile umzingelt von Roten und Schwarzen. Und die Geschichte hat dem Öko-Revoluzzer mit der Umweltzone und der Debatte um die autofreie Altstadt zum Teil Recht gegeben. Das letzte grüne Urviech geht!

„Ich bin ein Kommunaler“, sagte Lorenz zum Abschied aus dem Stadtrat. „Es war eine schöne Zeit. Es war eine lange Zeit.“ Vor 41 Jahren begann der studierte Geograph und Volkswirt als Stadtplaner, da gab es die Grünen noch gar nicht. 1984 zog er als einer der sechs ersten Öko-Stadträte ins Rathaus ein. 1990 schmiedeten sie mit der SPD die erste rot-grüne Koalition. 1993 bekamen die Ökos ihren ersten Platz unter den Stadtministern – Lorenz wurde Umweltschutzreferent. „Du hattest es mit der SPD nicht immer leicht“, sagte Stadträtin Sabine Krieger zum Abschied. OB Dieter Reiter (SPD) meinte: „Man muss nicht immer einer Meinung sein. Aber er war immer ein freundlicher und hilfsbereiter Kollege.“ Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung konnte ihm so leicht niemand etwas vormachen. Ob er die Warzenbeißer-Heuschrecke auf Münchens Wiesen vorstellte oder mit der Elektromobilität für saubere Luft kämpfte – er tat es mit Leidenschaft. Wenig glücklich agierte er aber beim finanziell maroden Städtischen Klinikum: Die Zuständigkeit wurde ihm abgenommen. Sein letzter Eklat: 2011 wollte er Tempo 30 auch auf Hauptstraßen einführen – damals tobte die SPD. Mittlerweile denkt gar das CSU-Verkehrsministerium in Berlin um.

Einen Nachfolger gibt es noch nicht – die Rathaus-CSU unternimmt nach ihrem Debakel den zweiten Anlauf. Lorenz will derweil seine Tochter besuchen, die in Namibia als Lehrerin arbeitet. Und dann

daheim in Giesing ein Gewächshaus bauen.

David Costanzo

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